Stilstand

If your memory serves you well ...

Schlagwort: Antithese

Geiler wirkt ein Gegenteiler

Schröders Buch ist mutig und revolutionär.“ – – – Wie bitte? – – – Bitte nochmal, sonst glaub‘ ich’s nicht: „Schröders Buch ist mutig und revolutionär.“

Jawollja – auf seiner derzeitigen Schwundstufe nennt der deutsche Qualitätsjournalismus aus provokativen Gründen jeden gedruckten Limburger Käse eine duftende Jasmin-Revolution – auch wenn weit und breit keine Argumente existieren und dem armen Leser am Ende nur abgestanden Reaktionäres quer vorm Riechkolben sitzt. Großes Motto: Hauptsache anders!

Sobald unsere Schreibkanone glücklich alle gegen sich hat, bölkt sie von einer mutigen Tat, fordert den Orden für Zivilcourage – und bezeichnet sich selbst als „modernen Mann„, deshalb, weil er den längst verblichenen „feministischen Zeitgeist“ aus der Krypta zerren und – Arm in Arm mit der schnuckeligen Ministerin – diese Chimäre dank eines steinzeitlichen Frauenbildes über geheiligtem Familienaltar sofort wieder zurück ins Grab jagen durfte. Störung der Totenruhe in Tateinheit mit Hexenglaube also – während der gleiche Mann privat wahrscheinlich über die Missionarsstellung als Beweis „moderner Liebe bloggt. Ich hab’s mir vorsichtshalber gar nicht erst durchgelesen, sonst artet das hier noch aus.

Auf solche Weise jedenfalls haben unsere journalistischen Aufklärwerke auch schon mal den Sarrazin ins Schwindelnde emporgehudelt …

Lustiges Headline-Klempnern

Sieg der Piraten ist in Wahrheit ein Sieg der FDP.“

Warum Ihre Miezekatze in Wahrheit ein Mäuschen ist.

Das Essen, das eher ein Trinken war.

Ihre Frau liebt Sie nicht, sie ist nur schwul.

Auch die Hölle ist ein Zeichen der himmlischen Liebe.

In Wirklichkeit ist der Fisch der Vogel des Meeres.

Islamhasser lesen den Koran nur verkehrt herum.

Das Blau des Sommerhimmels ist eigentlich ein Grün.

Wenn es Gott nicht gäbe, weshalb stünde er dann in der Bibel?

Eigentlich gewann Hitler den Zweiten Weltkrieg.

In Wahrheit bringt uns die Sprache der Wahrheit kein Stück näher.

Endlich!

Endlich wieder Zeit für die wesentlichen Dinge des Lebens – die Kandidaten der Berliner FDP sind über ihr Abschneiden bei der Wahl grenzenlos erleichtert. „Wenn ich mir vorstelle, dass ich mir vier Jahre lang auf öden Ausschuss-Sitzungen den Hintern hätte platt sitzen müssen“, frohlockt einer von ihnen, während seine strahlende Partnerin ihm die Gelfrisur verwuschelt. So kommt es, dass der Jubel und das Jauchzen auf der Wahlparty der Partei gar kein Ende nehmen wollen. „Rösler, wir danken dir!“, singt der Chor der Enthemmten noch zu später Stunde …

Meta Physik lehren …

Es gibt einen unglaublichen Berg von Interviews, Artikeln und Traktaten, in denen pseudo-mutige A-, B- und C-Promis in der Nachfolge Bertrand Russells und in Maximaldistanz zu jeder publizistischen Sensation bekennen, dass sie nicht mehr an Gott glauben würden oder aber aus der Kirche ausgetreten seien: „Zum Atheisten bin ich aber erst auf der Uni geworden. Jaja, diese Aufklärung, diese zersetzende akademische Kritik in Verbindung mit dem sexualisierten 68er-Zeitgeist, stöhnen da verzweifelt, weihrauchumdampft und weibisch gekleidet der Großphysiker Mixa und sein treuestes Schäfchen, die Meta, da könne man’s mal wieder sehen …

Müssten wir – angesichts der unentwegt fortlaufenden Ereignisse – nicht im Gegenteil all die Vernunftfaulen, Konsequenzarmen und Denkparalytiker in ihrem Käfig, einem vor den Augen der Öffentlichkeit dahinbröckelnden System unbewiesener metaphysischer Annahmen, endlich mal fragen, warum denn sie noch immer in einer offenbar höchst mittelalterlich-kränklich sexualisierten Kirche verblieben seien? Um dann ihren schicksalsträchtigen Wirrsalen und Auserwähltheits-Rodomontaden über imaginierte Gott-Erlebnisse und mögliche Reformen von innen anschließend sprachkritisch den Prozess und aus ihren Argumenten göttliches Konfetti zu machen? Ein buchhändlerischer Erfolg wäre ein solches Vorhaben überdies …

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