Stilstand

If your memory serves you well ...

Schlagwort: Advent

Stille Nacht (4)

Advent, Advent,
Ost-Kongo brennt.
Und eins und zwei
Und drei und vier
Noch blutig
Ist das Coltan hier.

Stille Nacht (3)

Die kleine Teresa war sauer. Da hatten die Großen vergessen, in Hedern die Wunschzettel der Kinder in den Briefkasten zu werfen, und jetzt sollte sie deren Schlamperei gerade bügeln. In Eilte ging‘s mit dem Fahrrad über die Allerbrücke, kurz vor Bierde dann rechts, in den Wald hinein, an der dritten Fichte links, und hundert Meter hinter dem Hochsitz dann dreimal fest auf den Fuchsbau treten …

Oops – fast wäre sie von der Himmelsleiter erschlagen worden, welche plötzlich durch die Baumwipfel rauschte. 3.679 Stufen zählte sie, bis sie endlich auf Wolke Sieben schnaufend vor dem Himmelstor stand. Ringsum ertönte Gehämmer und emsiges Geklapper, Rentierschlitten rauschten vorbei, ein leicht schmuddeliger Engel kippte einen Eimer mit Spülwasser achtlos über den Rand der Wolke. Teresa drückte auf den großen roten Knopf rechts neben der Himmelstür.

„Ja, bitte!“ – eine herrische Frauenstimme fauchte aus dem Lautsprecher. „Bestimmt die Sekretärin“, dachte Teresa – und sie fiepste zurück ins Mikrofon: „Ich möchte zum Herrn Petrus und danach noch zum Knecht Ruprecht.“ Der Summer ertönte – und wie von Engelshand öffneten sich vor Teresa die mächtigen Portale der Himmelstür. Auf dem langen Korridor brannten karge Neonlampen, rechts und links gab es lange Reihen von geschlossenen Türen. „Ähnlich wie bei Onkel Herbert in der Firma“, schoss es unserer Hederner Abgesandten durch den Kopf.

In der Ferne tauchte jetzt ein Herr im dunklen Anzug auf. Er bellte etwas Unverständliches in sein Handy und schritt rasch auf Teresa zu. „Dr. Peter Petrus mein Name“, sagte er: „Ich bin hier der stellvertretende Geschäftsführer. Was kann ich für Sie tun?“ – – – „Und ich bin die Teresa aus Hedern“, sagte Teresa: „Sie müssen mich aber nicht siezen. Das macht mich verlegen.“ – – – „Okay, okay, also worum geht‘s?“ – – – „Unsere Eltern, diese Dösbaddel, haben vergessen, die Wunschzettel rechtzeitig einzuwerfen. Und jetzt könnte es passieren, dass die Kinder im Dorf zu Weihnachten gar nichts kriegen.“ – – – „Das könnte allerdings passieren“, sagte der Herr Petrus: „Es ist ja auch schon reichlich spät. Am besten, ich zeige dir mal unsere Werkstätten, damit du siehst, was hier in der Saison so los ist.“ Er winkte Teresa mit dem Zeigefinger, ihm zu folgen …
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Stille Nacht (2)

1. Es begab sich aber zu unserer Zeit, dass ein Gebot von der Kanzlerin Merkel ausging, dass alle Welt regelmäßig verarscht werden müsse.
2. Und diese Verarsche war keineswegs ihre erste, und sie geschah zu der Zeit, wo Jochen Gauck Landpfleger in Berlinien war.
3. Und jedermann ging, dass er sich verarschen ließe, ein jeglicher an seinem Ort.
4. Da machte sich auf auch Detlev aus Schleswig-Holstein, aus der Stadt Eckernförde, zum schwarzgelben Land in die Stadt Zilles, die da heißt Berlinien, deshalb weil er aus dem Hause und dem Geschlechte derer zu Zille war.
5. Auf dass er sich verarschen ließe zusammen mit Dulcinea, seinem vertrauten Weibe, die war schwanger, aber nicht von ihm.
6. Und da sie daselbst waren, kamen auch schon die Wehen.
7. Und sie gebar ihren ersten Sohn und wickelte ihn in Windeln und legte ihn in die Dusche, denn es war sonst kein Raum in diesem Economy-Hotel.
8. Und es waren Nachtwächter in derselben Gegend auf einem Grundstück, die bewachten einen Autohof.
9. Und siehe – der Kanzlerin treuer Knecht, welcher ist Pofalla, trat zu ihnen, und der übliche Missmut der Herrin leuchtete um ihn, und alle gruselten sich sehr.
10. Der Pofalla aber sprach zu ihnen: Gruselt euch nicht. Denn ich verkündige euch große Freude, die allem Volke widerfahren wird.
11. Euch ist heut eine neue Münze geboren, Nachfolger des Euro, Enkel der D-Mark, in der Stadt Fritzens, des Preußenkönigs.
12. Und das habt zum Zeichen: Ihr werdet finden die neue Währung in Portfolio gewickelt, mit Schwarzgeld gewaschen in einer Dusche liegend.
13. Und alsbald war da bei diesem Knechte die Menge der Vermögensverwalter, die lobten alle Merkel und sprachen:
14. Ehre sei dem Kurs an der Börse und Wohlstand auf Erden, zumindest für einige.
15. Und da die Verwalter gen Frankfurt fuhren, sprachen die Nachtwächter untereinander: Lasst uns nun gehen gen Berlinien und die Verarsche sehen, wie sie uns dieser Laberfranz kundgetan.
… usw.

… zum zweiten Advent

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