Oft sind es die kleinen Nebenbemerkungen, die mir sauer aufstoßen. In einem Bericht über das ‘TV-Elefantentreffen’ der Wahlkämpfer in Thüringen schreibt der FAZ-Reporter Claus Peter Müller:

Wenn die anderen konkret wurden und an die Vorstellungskraft auch nicht ausgeprägt imaginationsfähiger Zuschauer appellierten, blieb Althaus im Abstrakten.

Im Klartext: Dort, wo ein Text ‘sinnlich’ würde, ‘erfahrbar’ oder ‘anschaulich’, dort würde es sich nach Ansicht dieses Schreibers allemal um eine ‘herabgesunkene Literaturform’ handeln, um eine Anpassung an den niederen Publikumsgeschmack. Und ‘Imagination’ sei für ihn nahezu synonym mit ‘Abstraktion’. Förmlich das Gegenteil solch elitär gespeister Massenverachtung ist richtig: Einen Text sinnlich, anschaulich, bildhaft und erfahrbar zu machen, das ist die höchste Kunst, die ein Schreiber überhaupt erreichen kann.

Im Grunde handelt es sich bei der Mentalverfassung des mosernden Reporters mit dem Akademiker-Tick um übliche Pony-Tricks im Journalismus: Was ich als Schreiber textlich nicht beherrsche, das rosstäusche ich um zu einer Fähigkeit, auf deren unkünstlerischen Abstraktionsgrad ich mir dann etwas einbilde. Und das, was andere an bildhaft-rhetorischen Fähigkeiten mir voraushaben, das nenne ich Defizit und fehlendes Talent.