If your memory serves you well ...

Schlagwort: Abstrakta

Länger sterben?

Siegesmeldungen sehen anders aus – doch die Allensbacher Markt- und Werbeträgeranalyse (AWA) gibt in etwas verknödelter Sprache Entwarnung: Es sei zu einem abnehmenden Tempo der Enthabitualisierung bei der Nutzung von Printmedien” gekommen. Anders ausgedrückt: Es ist ähnlich wie beim Rauchen – manche gewöhnen sich’s eben ein wenig langsamer ab, manche auch nie. Möglich ist auch diese Lesart: Mit einem Absturz sei nicht mehr zu rechnen, eher schon mit einer sanften Bruchlandung …

Nullsätze häkeln

In seiner eindrucksvollen Rede beleuchtete er viele Aspekte des modernen Lebens, die das wache Interesse eines zutiefst gebannten Publikums fanden.”

“In diesem festlichen Rahmen hatten die Gastgeber ein abwechslungsreiches Programm auf die Beine gestellt, wo in sinnverwirrender Folge ein Höhepunkt den nächsten jagte.”

“Er bleibt eine Figur der Zeitgeschichte, die durch ihr Handeln und ihre Standhaftigkeit unser aller Erinnerung dauerhaft geprägt hat.”

Und so weiter und so fort, patati und patata, nix Konkretes weiß der Schreiber auch nicht. Er ist und bleibt so dumm wie sein verachtetes Publikum …

Unvorstellbares

Wenn eine ‘Bandbreite erheblichen Schaden nimmt’ – wie darf ich mir das vorstellen? Ist am Ende nicht nur der Kotflügel eingedrückt, hat sich gar der ganze Motorblock verschoben? Ebenso gut könnte ich die ‘ökonomische Struktur des Landes ihrer wertvollsten Blüten berauben’; so dass die ‘Konjunktur Federn lassen muss’. Abstrakta sind stets unanschaulich, da hilft es nicht, sie mit geborgtem Bildlametta zur Dinglichkeit aufzuputzen:

Der Chef der CDU-Faktion im hessischen Landtag, Christean Wagner, zeigte sich … ebenfalls besorgt: “Mit dem Fortgang von Roland Koch und zuvor schon von Friedrich Merz hat die personelle Bandbreite der CDU erheblichen Schaden genommen.”

Denglish ist nicht das Problem

Diejenigen Leute, die auf jeder Party gegen das ‚Denglish’ wettern, die treffen in meinen Augen nicht den Punkt: Es gibt nämlich ein ‚Denglish’, das ganz ohne englische Lehnwörter auskommt. Allerdings wächst es auf den gleichen Wurzeln: Dem Wunsch nämlich, bewusst pretiös, unverständlich, wissenschaftlich, seriös und/oder abgehoben zu wirken. Die Rede ist von ‚Abstrakta’, denjenigen Wörtern, die aus dem Wissenschaftsbereich in die Alltagssprache übergeschwappt sind.

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