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Synonymitis

Das Wörtchen ‘Geld’ – durch ‘Schotter’, ‘Moos’, ‘Zaster’, ‘Mammon’, ‘Knete’, ‘Knatter’, ‘Penunze’ usw. schon überreich mit Synonymen bedacht – erhielt durch die galoppierende Bankenkrise nochmals einen Schwung gleichbedeutender Wortschätzchen zur Seite gestellt, um drohenden Gleichklang in Texten und Statements zu vermeiden. Ich zitiere mal aus einem einzigen Artikel der ‘Financial Times Deutschland’:

Direkthilfen = Geld
Rekapitalisieren = Geld
Instrumente zur Finanzhilfe = Geld
Intervenieren = Geld
Einsatz des Rettungsfonds = Geld
Direktvergabe = Geld
Krisenmanagement = Geld
Milliardenspritze = Geld
usw. usf.

Stattdessen hätte der Schreiber auch ‘Penunzenlotto’, ‘Schottermanagement’, ‘Re-Mammonisation’, ‘Zasterisierung’, ‘Moosspritze’, ‘Kneteausschüttung’, ‘Knatterhilfe’, usw. schreiben können. Die Wirtschaftsartikel würden ohne die verschleiernde Kunstwortsprache gleich viel verständlicher – wie auch das Wissen darum, worum es im Bankgewerbe eigentlich geht. Leicht verfremdet klänge das Resultat dann vielleicht so:

“Angesichts des misslungenen Penunzenlottos in Spanien bringen Europas Gelddrucker Moosspritzen für leergeräumte Geldspeicher aus dem Knatterhilfefonds ESM ins Spiel. “Leute arbeiten an Wegen, wie der ESM sein Schottermanagement nutzen kann, um diese Geldspeicher aufzufüllen und zu remammonisieren”, sagte Mario Draghi, Chef der Notenpresse, am Donnerstag im EU-Parlament. “Das Thema ist nicht so sehr, ob ESM-Mäuse zur Zasterisierung genutzt werden dürfen, sondern, ob das möglich ist, ohne dabei die vormaligen Besitzer zu fragen.”

1 Kommentar

  1. Die Synonymitis ist nicht zu heilen, weil sie den Leuten schon in der Grundschule eingebläut wird. Die Aufforderung: “Zeige Deinen Wortschatz!” bleibt deutlich länger haften als die Regeln für den Gebrauch der Kommata und des Konjunktiv I. In zu vielen Redaktionen werden Manuskripte und Agenturmeldungen nicht redigiert, und so kommt es, dass junge Journalisten den Sprachmüll, zu dem außer der Synonymitis ja auch die Pluralitis, der “Bei”-Schlaf (siehe meine URL) und mehr gehören, für akzeptables Deutsch halten.

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