If your memory serves you well ...

Shitstorm als Wahrheitsbeweis

Jasper von Altenbockum, der Meister höchst individueller Denkanstrengungen, versucht sich in der FAZ mal wieder am argumentativen Hexeneinmaleins: Gerade, weil die Vorratsdatenspeicherung und ihre Fan-Boys vom EuGH eine klatschende Ohrfeige verpasst bekamen, könne man diese Vorratsdatenspeicherung auf der Stelle jetzt ratzfatz einführen. Wäre da bloß nicht dieser SPD-Honk mit den eingeschlafenen Füßen, der Heiko Maas also, denn der mache blöderweise das Gegenteil von dem, was laut Altenbockum’scher Weisheit nun ebenso unausweichlich wie vernünftig wäre.

Selbst im eher behäbigen FAZ-Kommentariat sorgte dieser logische Todeslooping für lautes Hallo, die ‘Trolle’ seien gar nicht in den Threads zu suchen, hieß es, sondern ‘above the line’. Woraufhin unser Jasper sich wiederum zur Behauptung verstieg, dass ein solcher ‘Shitstorm’ der beste Beweis dafür sei, dass er recht habe:

*Die Leserkommentare bestätigen das … auf eindrucksvolle Art, Jasper v. Altenbockum”

Aha, Publikumsbeschimpfung! Wer ausgebuht wird, hat allemal recht, soll dies wohl heißen. Womit er meint, dass das werte Publikum dem Höhenflug seiner eingängigen Argumente gar nicht mehr zu folgen vermöge, weil es defaitistisch “vor dem Internet kusche“.

Mir hingegen gefällt es, dass dieses Publikum nicht mehr aus jedem Napf frisst, auch, dass ihm die Rabulistik gewisser Kommentatoren immer übler in die Nase steigt. Methodisch kurz und prägnant zusammengefasst hat das zunehmend hirnverdrehende Leiden an der Zeitung dieser Herr in seinem Kommentar hier:

“Natürlich kann man Unfug schreiben und sich hinstellen und sagen, dass die Leute, die einem widersprechen, einem damit nur Recht geben. Das macht die eigene Position allerdings nicht richtiger.”

Was mich zu meiner alten These führt: Die Zeitungen machen es schon selbst, dass ihnen die Leser weglaufen. Und eine Meinungspalte in der FAZ macht bis auf weiteres noch keinen Denker … die Leser sind da gnadenlos:

“Dieser Artikel belegt, dass es nicht nur bekloppte Juristen, sondern auch bekloppte Journalisten gibt.”

Uiuiui – ganz neue Töne aus den Reihen unseres Bildungs- und Besitzbürgertums!

1 Kommentar

  1. Antonius R.

    Jasper? ich such mal onomasiologisch…, tuten-blasen-Ahnung-suchend:

    Wiki: “Jasper ist die niederdeutsche, friesische und englische Form von Kaspar, dem Namen eines der „Heiligen Drei Könige“, die Christus die Geschenke überreichten. Kaspar (persisch) bedeutet der Schatzmeister.”

    Jasper, Kasper … – jojo!

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