Stilstand

If your memory serves you well ...

Retro-Schmonzes

Ohne den geringsten Hauch von Ironie, ohne einen Hinweis auf Satire, allerdings auch ohne jeden empirischen Beleg fördert Nina Pauer in der ‘Zeit’ aus dem zutiefst zwischenmenschlichen Bereich Dinge zutage, die den arglosen Leser glatt glauben machen könnten, die selige Hippiezeit wäre kiffend und klampfend zurückgekehrt:

“Heute tragen die jungen Männer Bärte und spielen Gitarre. Sie sind lieb, melancholisch und sehr mit sich selbst beschäftigt.”

Folgen wir der Autorin, dann zählen Lindner, Guttenberg und andere hohlmantelige Erfolgsgeschosse auch schon wieder zum alten Eisen. Unsere ultrakompatibel gegelten Flutschstengel der jüngsten Vergangenheit, deren idealer Typus noch heute alle Modemagazine ziert, die wären längst zu Veteranentreffen aufgebrochen, um dort alte Kameraden aus dem Neoliberalismus zu treffen.

Im vordersten Schützengraben des Geschlechterkriegs wachen hingegen heute zarte Sensibelchen mit Blumen im Gewehr, die ständig jack-wolfskin-mäßig in die heile Welt der Natur zu flüchten trachten und abends beim Sonnenuntergang unentwegt ihrem Karma die großen Sinnfragen stellen – um so natürlich zur leichten Beute harter Flintenweiber zu werden. Eine andere Möglichkeit bestünde allerdings darin, dass hier eine Autorin individuelle Erfahrungen zum Allgemeingültigen aufgebrezelt hat. Man(n) weiß es einfach nicht …

4 Kommentare

  1. Dritte Möglichkeit: Generation Fight Club!
    “Wir sind `ne Generation von Männern, die von Frauen großgezogen wurden! Ich frag mich, ob noch `ne Frau wirklich die Antwort auf unsere Fragen ist!”

  2. Selbst das wäre keine Sensation: Ich z.B. bin an der Küste groß geworden. Während der meisten Jahrhunderte waren die Männer dort monate-, wenn nicht jahrelang auf hoher See verschwunden, während die Frauen die Söhne aufzogen. Lauter pappalose Generationen …

  3. Super, auch ne Menge Männer können anlässlich des Textes nur den Kopf schütteln. Freut mich 🙂

  4. Ja – auch diese schlichte Linie, welche die Dame einfach durch das historische Geschehen legt, spricht nicht für ihre Beobachtungsgabe: In den 80er Jahren hätte das mit dem Gröhlemeier mal angefangen – und seither seien die Männer immerzu sensibler geworden, bis sie vor lauter Reflexion fast impotent wurden – oder so. Als hätte der Zeitgeist seither nicht u.a. Rammstein, Sido, Bruce Willis und weitere grenzwertige Figuren zu Role Models mit zahlreicher männlicher Anhängerschaft gemacht …

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