If your memory serves you well ...

Nützliche Oligarchen

German Mandrakov, who was once the commander of Mariupol’s occupied governmental building, told The Associated Press on Friday that his associates fled while he was “forced” to leave the government building they have been controlling for weeks. “Everyone ran away,” he said, using a vulgar Russian word to refer to them as cowards. “Someone is trying to sow discord among us, someone has signed something, but we will continue our fight.”

Tscha, diese Tapfersten der Tapferen – dass sie kämpfen sollen, hätten sie nicht gedacht. Ein paar sehnige Stahlarbeiterhände – und schon ist’s vorbei mit der selbsternannten Herrlichkeit – und es riecht streng auf ihren Wegen. Und jetzt haben sie auch noch die ‘Bolschewisten’ an den Hacken, die sich mit den ‘Plutokraten’ verbündet haben – schlimm ist das:

“Arbeiter erheben sich gegen Separatisten: Im Osten der Ukraine verdrängen Stahlwerk- und Minenarbeiter die prorussischen Separatisten. Wie die New York Times meldet, marschieren Tausende Arbeiter durch mindestens fünf ostukrainische Städte.”

Warum ich bei der anderen Seite von ‘Banditen’ rede? Vielleicht deshalb: “Man nahm mich gemeinsam mit meinem Kollegen Stefan Scholl von der „Südwest-Presse“ am Abend in einer Pizzeria fest.” Sehr lesenswerter Text und bei diesem Detailreichtum wohl auch kaum erfunden …

Mag es dem Akhmetov auch nur um sein Geld gehen – was er dort lostritt, gefällt meinem begrenzten Untertanenverstand. Immer noch lieber Oligarchen als Banditen und Mafia, und für Proletarierfäuste habe ich schon aus Nostalgie ein romantisches Faible … und diese Arbeiter dürften auch von den nahezu flächendeckenden Minenschließungen und der Massenarbeitslosigkeit im russischen Rostov, also in ihrer direkten Nachbarschaft, schon so einiges gehört haben. Ihre Sehnsucht nach der russischen ‘Muttererde’ ist da verständlicherweise begrenzt … und zur sozialen Lage in Russland unter dem wohltätigen Landesvater Vladimir Putin ist der unten verlinkte Text ganz erhellend. Sehnsucht nach einer Vereinigung entwickelt ‘der kleine Mann’ da sicherlich nicht:

http://webdoc.sub.gwdg.de/ebook/serien/lm/vwl_diskussionsreihe/273.pdf

3 Kommentare

  1. hardy

    “Wenn ihr nicht da wärt, was wären wir dann schon?”

    klaus,

    diesen satz aus dem artikel über die entführung solltest du dir bitte mal auf der zunge zergehen lassen und … naja, ein klitzekleines bißchen länger darüber nachdenken … er gilt nämlich auch für dich.

    dieser kleine stimmungsbericht von florian kellermann, den ich dir gestern verlinkt habe, atmet genau diesen “spirit”: vor ort sind kriminelle hanswurste dabei, sich aufzublähen, sie haben “ihren moment” … der dann wieder hier so aufgebläht wird, daß wir am ende etwas in einer größe sehen, die es nicht hat.

    du berichtest ja mittlerweile selbst davon, daß das nur ein “moment” war und die reaktion (weia, hätte ich das jetzt in anführungszeichen setzen müssen, da sind so viele bedeutungen in diesem kleinen wort …) nicht auf sich warten läßt.

    ich höre heute ja auch davon, daß vor ort ungehemmt gemordet, verprügelt, entführt wird … darüber, daß das gesetzlose sind, die mit ihrem verhalten ja geradezu nach der polizei schreien, brauchen wir uns keine sekunde zu streiten, aber ich bin da eben weniger einzuschüchtern und optimistischer, daß die ukrainer das im grunde selbst regeln werden.

    auf der anderen seite verstehe ich aber auch gut, warum du in einem meer von komplett verblödeten und betriebsblinden honks eine klare kante fährst. davon musst du mich nicht überzeugen. es ist okay, wenn du da mal einen kommentar von mir dazu nutzt, es noch mal auszubreiten, du dich sozusagen an mir vorbei an’s mitlesende publikum richtest.

    mich musst du nicht überzeugen …

    ich hoffe mal, du hast meinen wink mit florian kellermann aufgenommen, er macht wirklich einen guten, weil sehr differenzierten und lebensnahen job, der mir mehr erzählt über das was vor ort passiert, als alles, was ich dazu lesen könnte. wenn’s nach mir ginge, bekäme er mal einen preis für seine ruhige arbeit.

    sein “sie möchte nicht schiessen” (ich hatte ihn dir ans herz gelegt) beitrag vom wochenende zb. spielt bei mir in einer liga, in der sich normalerweise eher marc thörner mit seinen afghanistan-reportagen bewegt: die kirsche auf dem sahnetörtchen. so was geht nur in audio und funktioniert nur, wenn man die stimmen selbst hört.

  2. Saiz

    Nichts gegen Proletarierfäuste, aber Achmetov traue ich überhaupt nicht, trotz der “Befriedung” von Mariupol. Siehe dazu (Original auf pravda.com.ua, hier englische Übersetzung):

    http://euromaidanpr.com/2014/05/16/the-games-of-putin-and-akhmetov/

    Und kleine Geschichte am Rande, anscheinend wurde Bolotov heute morgen festgenommenen…und kurz darauf wieder befreit.

  3. Klaus Jarchow

    Klar, Akhmetov ist ein überlebender Gangster aus der Gründerzeit, als damals die Macht ausgeschossen wurde, blieb er in dieser Region übrig. Dnjeprpetrowsk ist übrigens Julias Hometurf, manche denken ja, sie käme aus der Westukraine.

    Eins kommt wohl noch hinzu: Akhmetov benötigt Russland nicht als Absatzmarkt. Russland ist selbst ein großer Stahlexporteur. Akhmetov benötigt aber den Weltmarkt, wo derzeit ruinöse Preise herrschen. Dass all diese ‘Separatisten’ nur armselige (und oft bezahlte) Bauern auf einem Schachbrett sind, das ist klar. Mit Ausnahme von Strelkov, der Russlands militärischer Arm dort im Osten zu sein scheint …

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