If your memory serves you well ...

Die Selbstgewissen

Als am 11. September 2001 die gekaperten Flugzeuge der arabischen Terroristen ins World Trade Center und ins Pentagon einschlugen, da waren unsere Zeitungen voll mit einer Meldung selbstgewisser Sensationalität und Einzigartigkeit: “Noch nie” sei es geschehen, dass die amerikanische Supermacht auf ihrem eigenen Territorium so symbolträchtig angegriffen worden sei. Das dürftige historische Schulwissen, das die meisten mit auf ihren abgeschabten Redaktionssessel nehmen, meldete ihnen auch keinerlei Widerlegungsgefahr, also vergaßen sie jede Recherche und schrieben ein haltloses Faktum in ihre Spalten.

Faktisch aber war alles nicht mehr als ein Déjà vu: Im August 1814 eroberten die Briten auf amerikanischem Boden die Hauptstadt Washington und fackelten den Kongress und das Weiße Haus ab, immerhin ein Ereignis, das mehr als nur halbwegs vergleichbar mit Nine-Eleven gewesen wäre, auch wenn es damals noch keine Flugzeuge gab. Den Krieg, der ursächlich für diese Invasion war, den hatte übrigens der amerikanische Präsident James Madison vom Zaun gebrochen, ein ganz ordentlicher Jurist, aber auf militärischem Gebiet eine veritable Intelligenzbestie, die allenfalls mit Urururenkeln wie Schorsch Dabbeljuh Bush oder Dick Cheney auf intellektueller Augenhöhe stand …

“Die wohl größte militärische Demütigung in der Geschichte der USA gelang britischen See- und Landstreitkräften unter Sir George Cockburn und Generalmajor Robert Ross, die am 19. August 1814 an der Chesapeake Bay landeten, in der Schlacht bei Bladensburg am 23. August eine amerikanische Milizarmee auseinanderjagten und im Anschluss daran drei Tage lang ungehindert die öffentlichen Gebäude der Hauptstadt Washington plünderten und niederbrannten.”

Washington brennt …

Bild: Public Domain, US Library of Congress, wikimedia

2 Kommentare

  1. Jeeves

    Gibt’s jetzt Berichtigungen in den deutschen Gazetten?

  2. Klaus Jarchow

    Nö, wozu denn? Sie schreiben doch ‘für den Tag’ und nicht für die Nachwelt, und sie glauben noch – heute hier, morgen da! – an das große Vergessenwerden …

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