Wieder mal hat dem Malte Lehming jemand Fremdstoff in den Tee getan. Die Angela hätte – unserem wirrsten aller Kolumnisten zufolge – nämlich schon immer den Gauck gewollt. Jetzt endlich sei sie am Ziel ihrer mehr oder minder feuchten Träume angelangt:

“Oh ja, mein ist die Rache, spricht Angela Merkel. Der Schalk sitzt ihr im Nacken, und sie lacht sich ins Fäustchen.”

Klar – deshalb sah sie am Bildschirm bei der Verkündigung auch so ganz anders aus wie vom Lehming beschrieben: beide Mundwinkel auf Fünf vor halb Acht heruntergeklappt. Und deshalb, weil dieser raffinierte Plan der Uckermärkerin so langfristig angelegt war, hat unsere hochweise Frau Bundeskanzlerin zwei Jahre zuvor erst einmal mit aller Macht den Krischan Wulff gegen den Joachim Gauck durchgeboxt, um alle über ihre wahren Absichten zu täuschen. Eine echte Strategin, die weit über den Tag hinaus zu denken pflegt und sogar das Scheitern des piefigen Osnabrückers vorausgesehen hat!

Wissen Sie, Herr Lehming, Liebedienerei im Journalismus lässt sich weit treiben, sogar zu weit – dann nämlich, wenn Volksverdummung daraus zu werden droht. Und weshalb ausgerechnet diese leicht verdruckste Reformerin im Unions-Lager sich jetzt über den angeblich “konservativsten Präsidenten aller Zeiten” freuen sollte, das müssen Sie uns auch noch näher erklärbären …

Ergänzung: Ach Gott, ach Gott – ich sehe gerade, dass nahezu alle neoliberal-altkonservativ oszillierenden Medien in hellem Aufruhr sind. Auch dieses Ex-Cicero-Gewächs hat den Eimer mit der Tünche aus der Garage gewuchtet und will uns die Welt neu streichen:

“Wenn bei Brüderle, Gabriel und Trittin der Testosteron-Spiegel gesunken sein wird, werden sie merken, dass Angela Merkel die einzige Siegerin des Kandidatenlaufs um das Amt des Bundespräsidenten ist.”

Tscha, bisher kenne ich nur einen Sieger – und der heißt Joachim Gauck. Warten wir doch die erste Rede des Herrn in Ruhe ab … ich bin mir sicher, sie fällt ganz anders aus, als wir alle es erwarten.