If your memory serves you well ...

Mäjk dott bielief …

Viel Geld, richtig viel Geld, vermute ich jetzt mal, gab es für diese Glanzleistung eines ‘Mache Punkt Glauben’ oder ‘Machen Punkt Glaube’ – oder wie immer ein argloser Leser diese Agenturkreation aus hochgeschäumter Marketing-Sprache sich ins Deutsche übersetzen will. Dieser Punkt (oder das Dot) steht vermutlich für die Modernität. Aber nein, es ist alles noch viel komplizierter:

“Im Zuge der Weiterentwicklung von Sony und unseres Bestrebens, das Beste aus Elektronik, Entertainment und Technologie in das Zuhause unserer Kunden zu integrieren, ist ein allumfassendes und einheitliches Marken-Image wichtiger denn je“, erklärte Sony-Chef Stringer. Demnach sei “believe” die Kraft der Inspiration, während “make” für die Umsetzung dieser Inspiration in Produkte und Erlebnisse symbolisiere. Und “dot” sei “die Verbindung und der Ort, wo beides aufeinander trifft – und Magie entsteht.” … Sony wirbt künftig weltweit mit dem neuen Claim “make.believe”.

Die Sprache soll hier also mit zwei kleinen Wörterlein für ein erwünschtes Marken-Image sorgen? Ein totgerittenes Dutzend-Verb wie ‘machen’ soll die Umsetzung der vorangegangenen mentalen Glaubens-Transpiration in Produkte ‘symbolisieren’? Der Punkt, den kein Mensch jemals mitsprechen wird, soll sich zu einem Ort der Begegnung auswachsen? Wo dann – Simsalabim!’ – weiße oder schwarze Magie entsteht? Ich weiß ja nicht …

Mich persönlich erinnert dieses Branding-Kikeriki zunehmend an die Religionsauffassung kleiner Sekten, oder an ‘Glaube’, definiert als ein durch nichts begründetes Wissen. Aber ich bin ja nur ein Mensch, ich mag mich irren … und diese drei Punkte stünden dann für den Ort, wo das alles zusammentrifft.

6 Kommentare

  1. ke

    Well, it’s all make-believe.

  2. Dierk

    Wow, äh: Wau, der Claim ist ja schon … aber die Erläuterung, die dafür gegeben wird erst.

    Egal welche Übersetzung des englischen Idioms ‘make believe’ genommen wird, wirkliche Begeisterung für ein Unternehmen setzt das bei mir nicht frei. Sony verkauft mir also nur Vorwände, hat keine handfesten Tatsachen, sondern nur Unsinn anzubieten? Soll mir keiner erzählen Herr Stringer wusste das nicht, schließlich benutzt er selbst ‘Magie’.

    Verstanden habe ich auch nicht, was der Mann eigentlich will. Was bitte ist die ‘Weiterentwicklung unseres Bestrebens’ [oder ist da einfach nur Grammatik ein wenig Amok gelaufen?]? Und wieso erzählt der Mann mir, dass Sony tief in mein Leben eindringen will?

    Ich möchte doch nur einen LED-Flachbild-Monitor und einen ordentlichen Blu-ray-Player [z.B. die PS3] …

  3. Chat Atkins

    Mein Englischwörterbuch (Langenscheidt) führt für ‘make believe’ als Übersetzung an “vorgeben, etwas zu tun”. Es handelt sich also auf deutsch um ein “So-tun-als-ob” oder – ganz frei übersetzt – um “Scharlatanerie”. Und mit diesem Schlabberlätzchen wollen die jetzt weltweit durch die englischsprachige Konsumlandschaft rennen? Ich weiß ja nicht, da hilft noch so viel Verbaltunke voller ‘Magie’ und ‘Inspiration’ meines Erachtens wohl eher nicht …

    @ Dierk: Ich hatte einige Zeit so einiges im Umfeld deutscher Unterhaltungselektrikfirmen zu tun, die als Töchter des französischen Thomson-Konzerns am ausgestreckten langen Arm geführt wurden. Während die neue Technik dieses großen Entwicklungs-Konglomerats zunächst immer bei Thomson zum Einsatz kam, blieben für Nordmende, Telefunken, Saba & Co. leere Verbalhülsen à la ‘Get more fun’ bzw. ‘Ideas Ahead’ und ein wenig Design-Schnickschnack vom Philipp Starck übrig. Was aber ist von Saba, Telefunken, Nordmende geblieben …?

    Kurzum: Middelhoff is everywhere …

  4. Klaus Jarchow

    “Er ‘machte mich glauben’, er sei Rechtsanwalt” – wonach klingt das? – Eben!

  5. ke

    Ich finde den Claim ganz gelungen. Nein, wirklich. Inspirationen zu haben (believe) und technisch zu verwirklichen (make), so würde ich auch wahrgenommen werden wollen, wenn ich ein Unterhaltungselektronikkonzern wäre. Gut, die Reihenfolge stimmt nicht. Gut, Stringers Erläuterungen zu dem Punkt sind Geschwalle. Aber der Punkt hat trotzdem eine wichtige Funktion: Zumindest mich bringt er dazu, beide Verben gleich stark zu betonen oder das “believe” stärker. Nicht das “make” wie bei “make-believe”. Womit wir bei einem weiteren Grund für mein Angetansein sind: Sich das zu trauen, sich weltweit etwas auf die Fahnen zu schreiben, das auch viele negative Konnotationen hat, das ist mir sympathisch. Weiß nicht, ob ich mich das trauen würde. Aber das müssen die ja wissen.

  6. Ungläubiger

    @ ke: “…Inspirationen zu haben (believe)…”

    Believe hat mit Inspiration nicht viel zu tun. Es heißt vor allem, glauben i.S.v. für wahr halten / ohne zu hinterfragen akzeptieren.
    Vgl. belief system für (gerne fest geschlossenes) Weltbild; religious belief, true believer, “believe me (I’m not lying)”. Lauter Dinge für die vom Überprüfen abgeraten wird oder deren Wahrheit nicht überprüfbar ist. Sowas kann sicher auch die Phantasie anregen, aber da gibt es weitas bessere Mittel.

    make.believe — das klingt wie “Schaff’ und sei gläubig”. Finsterster Bible Belt.

    Wahrscheinlich ist es eher so was wie ein Freudianischer Einblick in die Firmenseele: Mach einfach (irgend)was und schau ob Du damit durchkommst.

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