If your memory serves you well ...

Journalistenkarrieren

Allen, die sich über das vorherrschende Dutzendformat des ‘Alphajournalismus’ in Deutschland jemals gewundert haben, sei dieser Text ans Herz gelegt. Einen Tucholsky gibt es in jeder Generation gerade mal einen – und dieser Text ist immerhin von Constantin Seibt, der sich nie so bezeichnen würde, obwohl er einer ist:

“Eine ganze Generation steigt [im Journalismus] hoch, wie der Schimmel im Abwasch eines Junggesellen. Der beste Satz, den man Jugendlichen zu Theorie und Praxis der Karriere sagen kann, ist: Wart mal.”

Schon der grüngraue Glanz dieser stimmigen Metapher zeigt mir den Solitär mit den Adleraugen …

6 Kommentare

  1. pantoufle

    Du glaubst gar nicht, wie sehr mir dieser Artikel von dem Constantin Seibt gerade geholfen hat.

  2. Klaus Jarchow

    Yep – er ist ein Autor, weit und breit der einzige: Eigene Bildwelt, eigene Worte, eigene Regeln, eigener Kopf.

  3. Jeeves

    Das ist doch nicht endlich auch mal …ein Lob?
    .
    Oder ist die Ironie so versteckt, dass ich sie nicht sogleich seh’?
    Will sagen: Auch Sie haben eine Art zu schreiben, von mir aus: einen Stil, die/der manchmal verwirrt; “verschwurbelt” würde Henscheid das womöglich nennen.
    Ist aber nicht bös’ gemeint.

  4. pantoufle

    Da habe ich kein Gran Ironie herausgelesen. Das ist eine gute Beschreibung dessen, wie man über Seibts Stil urteilen kann.
    Mehr noch: Wenn jemand versucht, den Namen Kurt Tucholsky im Zusammenhang mit zeitgenössischen Journalisten zu nennen, gehen bei mir sofort alle Alarmleuchten an. Aber in diesem Falle muß man anerkennen, daß Seibt so wenig mit Tucholsky und anderen Journalisten gemeinsam hat, das man sie schon wieder vergleichen kann.
    Ohne einen Ansatz von Wertung : Bei dem Swiss-Report hatte ich das Gefühl, dieses »Tempo« schon einmal erlebt zu haben. Bei Egon Erwin Kisch. Wie gesagt: Ohne vergleichen zu wollen.

  5. Klaus Jarchow

    @ jeeves: Die Dinge liegen wie immer kompliziert. Vom Können und von der Beobachtungsschärfe her ist er natürlich ein ‘Tucholsky unserer Zeit’. Eben deshalb ähnelt er aber auch in nichts dem wirklichen Kurt Tucholsky, sonst wäre er wiederum bloß ein Nachahmer und kein ‘Autor’ – als jemand, der wahrhaft ein Selbst entwickelt …

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