If your memory serves you well ...

Jingoismus 2.0

Die Macht der Medien wird oft unterschätzt. Dort, wo es nur ‘gelenkte Massenmedien’ gibt, sind sie in der Lage landesweit einen ‘Mindset’ zu erzeugen, der nur den Interessen einer kleinen Minderheit entspricht. Im Vorfeld des Krim-Krieges hetzte die Fleet-Street im Auftrag der ‘Londoner City’ eine ganze Nation förmlich in diesen Krieg hinein, als die Südstaatler im Vorfeld des amerikanischen Bürgerkrieges einen neuen Sklavenstaat in Nicaragua errichteten, als die Buren in Südafrika niedergeschlagen werden sollten, als es zu Beginn des Ersten Weltkrieges galt, die ‘Kriegsbegeisterung’ zu wecken – immer stand die Presse als Avantgarde und mit Schaum vor dem Maul an vorderster Front, um die mentalen Voraussetzungen für Pläne kriegslüsterner Minderheiten zu schaffen. Auch das – und nicht nur die ‘Aufklärung’ – gehört zu einer umfassenden Geschichte des Journalismus. Der Fachausdruck für dieses publizistische Verfahren lautet ‘Jingoismus’. Über ‘Individualität’ – verstanden als die Fähigkeit, eben nicht die mentale Konfektionsware anderer Leute aufzutragen – verfügen leider nur die wenigsten Menschen im Publikum.

Die ‘sozialen Medien’ können heute solche Strategien höchstens ein wenig unterlaufen, und auch nur dort, wo das Internet in der Bevölkerung schon ‘habituell’ geworden ist. Journalisten aber verwandeln sich in vielen Ländern noch immer in Kriegstreiber im Berichterstattergewand, sofern die Kasse stimmt oder ansonsten die Entlassung droht. Auch bei uns flöteten von 1933 bis 1945 Tausende von Journalisten immer nur aus einem Loch, die Ausnahmen lassen sich an den Fingern einer Hand abzählen. So auch in Russland und in der Ukraine heute – der Putin’sche Jingoismus bzw. ‘Info-War’ ist ja nur in seinem totalitären Ausmaß neu, nicht aber im Prinzip:

“Wenn Russland in die Ukraine nicht solche Flüsse von Lüge und Hass liefern würde, hätte dort im Osten nie ein Krieg begonnen. Kämpfer und Waffen – die sind natürlich ein sehr wichtiger Import-Posten – aber trotzdem – sie sind nur zweitrangig. Das Wichtigste ist die Goebbels´sche Propaganda.”

Und genau deshalb werden immer zuerst die Sendeanstalten und Funktürme besetzt, es geht um ‘Gehirnwäsche’ … und sobald dann das Trommelfeuer der Kreml-Propaganda konsequent unterbrochen wird, wie derzeit z.B. im russischsprachigen Dnjepropetrowsk, verwandeln sich ganze Städte wieder in Zonen der Ruhe und des Friedens, obwohl sie kaum hundert Kilometer von Slowjansk entfernt liegen.

Nachtrag – Wenn sogar die FAZ das jetzt meint: “Putin lügt seit Beginn der Ukraine-Krise, dass sich die Balken biegen,” dann ist er halt der Ober-Jingo, der ‘Leader of the Pack’ …

1 Kommentar

  1. hardy

    nochmal ein pod, ein interview mit prof berhard pörksen … lustiges detail: die nashibots posten in unsere foren … und die russen sagen: “hey, guckt mal, die deutschen finden auch, daß …”

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