If your memory serves you well ...

Infizierte Werbung

Klar – der gestrenge Adblocker bereitet allen Verlagen großen Kummer. Denn damit können die allseits beliebten ‘User’ ganz unbelästigt auf einem qualitätsjournalistischen Online-Angebot herumpflügen, ohne dass ihr Monitor ständig Blinkyblinky macht oder ‘Kauf mich!’ schreit. Was wiederum ganz und gar nicht den Absichten der Koberer aus dem Genre der ‘Markenführung’ entspricht. Jetzt aber entwickeln diese Adblocker noch einen gewaltigen sicherheits-technischen Zusatznutzen:

“Viren-Werbung auf Internetseiten.”

Vor infiziertem Marketing-Müll muss derzeit der Spiegel in eigener Sache warnen: Du rutscht bei solch infektiöser Werbung einmal mit der Maus dort ab, klickst auf ein harmloses Schöne-Neue-Welt-Banner – und schon hast du nicht nur die üblichen nervigen E-Mails aus dem Marketing im Postfach, sondern gleich die Pest an Bord: Einen Trojaner nämlich, der bei deinen Bankdaten gern auch mal mit hingucken möchte. Und weil es sich am Ende gar um ein Rootkit handelt, wirst du ihn auch nicht mehr los, ohne den ganzen Rechner platt zu machen. Wo aber ein Adblocker am Tor schon gnadenlos die Knute schwang, da ist begreiflicherweise auch nichts zu finden, um darauf überhaupt zu klicken.

Nach diesem Marketing-GAU dürfte jedenfalls die Akzeptanz von Online-Werbung nochmals erheblich sinken. Von Haftungsfragen gar nicht zu reden. Was wiederum die neuen Medien für die Absatzwirtschaft nicht lukrativer macht. Zugleich aber wird so der Adblocker – zumindest bei Chrome oder Firefox – auf deutschen Einzelplatzrechnern endgültig endemisch werden.

Kurzum: Werbung erscheint mir zunehmend als ein Konzept, das seine besten Tage sicherlich nicht mehr vor sich hat. Weil ein wahrer Kavalier fremden Leuten nicht ständig die Tür eintritt, oder dubiosen Gestalten passgenau die Nachschlüssel liefert …

2 Kommentare

  1. Mager

    Dazu noch Ghostery, um das eigene Surfverhalten nicht an Hintergrunddienste zu übermitteln, und Marketing im Web dürfte mausetot sein. Es sei denn, ja, es sei denn, die Werbebotschaft findet sich zukünftig umso häufiger im redaktionellen Teil der Seite.

  2. Max Goldt in etwa zitierend:

    Nicht immer von “Werbung” schreiben (oder noch abgehobener) sondern schlicht von “Reklame” – DAS ärgert die Reklamefuzzis am meisten. Und das ist doch erfreulich.
    .
    Disclosure: Natürlich nutze ich schon lange beide: Adblock Plus & Ghostery (man sollte das aber nicht so stolz verkünden und verbreiten, sonst lassen sich die Fuzzies etwas dagegen einfallen)

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