If your memory serves you well ...

Immerhin eine klare Position

Man mag ja zu dem kühnen Gedanken eine ‘Regime Change’ in Russland stehen, wie man will, zumindest ist dies mal eine Analyse, welche die Dinge und die Optionen entschlossen beim Namen nennt:

“Almost three months have passed since Putin’s outrageous violation of the post-Cold War world order. The state of shock in international community diplomatic circles should have worn off by now, but surprisingly, political elites appear to be immune even to seemingly lunatic encroachments on Europe’s established borders. Indeed the fact that Putin’s defiance of international law is so blatant, and the Kremlin’s justifications for such action are so completely unorthodox (patently opposite from the truth), leaves one to believe that the only possible diagnosis for Putin’s state of mind is lunacy. … If one is to break out of the paradigm of battle tactics, reaching further into strategy, one needs to look at the war as a whole. What are the aims of the West with respect to Russia? Clearly, the old paradigm of seeking economic and political cooperation/competition within a set rule framework, and concomitant respect for the mutual interests of international players, is no longer a valid option: Russia simply refuses to play by the rules, and regardless of how much the Kremlin is urged to return to the established institutional framework, mutual trust has been undermined to such an extent that it will never be restored.”

So ist es … das diplomatische Wagalaweia hat man ja auch allmählich mal satt. Putin ist ein Feind Europas. Punkt. Dafür gibt es Belege von hier bis zum Jenissej. Er ist also keiner ‘von uns’, schon gar nicht ein lupenreiner Demokrat. Wie aber bekämpft man einen Gegner, der über Atomwaffen verfügt? Im Falle der guten alten Sowjetunion gab es da schon mal eine Strategie … die hieß ‘Containment’, wenn ich mich recht entsinne. Ihre Mittel waren einerseits ‘Marshall-Pläne’, also eine massive ökonomische Unterstützung bedrohter Länder – und später dann das ‘Roll-Back’, also das Herausbrechen ganzer Völker aus dem Würgegriff des Imperiums. So etwas verlangt natürlich nach Geld (Steuern) und nach starken Staaten – also nach dem  Gegenteil dessen, was der Neoliberalismus verlangt.

Wer übrigens glaubt, das russische Vorgehen in der Ukraine sei eine ungeplante Ad-hoc-Strategie, die nur spontan auf Entwicklungen reagiere, der irrt. Diese Pläne sind älteren Datums – wenn Russland in der Ukraine seinen Krieg jetzt auf eine ‘neue Art’ zu führen scheint, neu zumindest in den Augen jener westlichen Generäle, die immer noch gern in ihren Sandkästen die Divisionen hin- und herschieben, dann verfolgen sie dort eine penibel ausgearbeitete Strategie:

“In these wars of a new type, Gerasimov says, are “mixed together” a broad range of “political, economic, information, humanitarian and other measures,” all of which are supplemented by covert and thus deniable military measures plus offers of peace-keeping assistance as a means to strategic ends. “New information technologies,” the general continues, permit a significant reduction in the spatial, temporal, and information gap between the forces and organs of administration.” And they also mean that “frontal clashes of major military formations … are gradually receding into the past.” All this also means, Gerasimov says, that the customary “distinctions between strategic, operational and tactical levels and between offensive and defensive operations are being wiped out.” That is something that Russian military theorists and planners must take into ever greater account. “Asymmetric methods” also have the capacity to “level the playing field” against an opponent who may enjoy local superiority. Such methods include but are not limited to the use of special operations forces and the recruitment and mobilization of opposition groups on the territory of one’s opponent to make his entire country “a front” in the conflict.

Gerassimov ist ja nicht irgendwer, sondern der militärische Mastermind Russlands, Leiter des Generalstabs dort … und auf eine neue Art der Kriegsführung antwortet man nicht mit Reisediplomatie und mit dem Griff zum Telefon. Inzwischen haben die Separatisten nämlich schon mehr angeblich ukrainische Panzer ‘erobert’, zuletzt 250, als in der ganzen ukrainischen Armee nach dem ‘Ausverkauf’ unter Janukowitsch überhaupt noch vorhanden waren. Eine logische Unmöglichkeit? Ach was – doch nicht wenn ‘Russia Today’ solche Fakten höchst glaubwürdig bestätigt! Man möchte wieder Winston Churchill zitieren:

“We will see how calls for moderation may become the main source of fatal danger; how the middle position, taken under the influence of pursuit of safety and welfare, might lead to a catastrophe. We will witness the absolute necessity of broad international actions taken by many states, regardless any changes in their internal policies.”

Oh wie schön ist’s in ‘Novorossija’, sagt derweil die UN:

“The escalation in criminal activity resulting in human rights abuses is no longer limited to targeting journalists, elected representatives, local politicians, civil servants and civil society activists. Abductions, detentions, acts of ill-treatment and torture, and killings by armed groups are now affecting the broader population of the two eastern regions, which are now marked by an atmosphere of intimidation and consequent fear. Armed groups must be urged to stop their illegal activities and lay down their arms.”

Das tun sie aber nicht …

8 Kommentare

  1. Heinz Ruhr

    Als alter KGB-Offizier mit “Fronterfahrung” weiß Putin natürlich wie wir Mitteleuropäer Ticken. Dass wir sehr Harmoniebedürftig sind und dass wir auf alle Entspannungs-Signale eingehen und immer nur das gute sehen wollen. Deshalb werden wir das Spiel solange tolerieren bis es zu Spät ist. Das gild übrigens nicht nur für Putin sondern auch für die Salafisten.

    Schlimm daran ist ja, das es derzeit keine Politiker gibt die dem entgegentreten können, nicht in der NATO und auch nicht in der EU. Cameron ist ein getriebener seiner Partei, der EU-Skeptiker und der London-City, selbst wenn er etwas tun wollte ist er Blokiert. Hollande ist schon von der Umsetzung einiger notwendiger Reformen überfordert und eigentlich ist er keine Führungspersönlichkeit. Merkel ist abgesehen von dem zu starken Wirtschaftsflügel der CDU eine der jenigen absolut Harmoniebedürftigen die gerne und oft die Augen verschließen. Tusk wäre evtl. jemand, aber abgesehen von der Abhängikeit Polens vom russischen Erdgas hat er zuwenig Einfluss in der EU / NATO. Dann wäre da noch Obama, der könnte, will sich aber nicht in “europäische Angelegenheiten” einmischen und hat außenpolitisch eigentlich andere Prioritäten, da wäre zB. der nahe Osten mit Israel und auch das AESAN Projekt was als regionales Gegengewicht zu China gedacht war. Außerdem sind wir in der EU ja so zerstritten wie lange nicht mehr, ist zumindest mein Eindruck.

    Alles in allem bietet sich Putin dadurch die einzigartige Möglichkeit aus einer Position der Schwäche mit Trippelschritten und vor-zurück-Manövern eine Position der Stärke zu machen. Und keiner hält ihn auf, kann ihn aufhalten. Sehenden Auges in ein Messer laufen, drängt sich mir da als Gleichnis auf.

  2. Herr Karl

    Gefechtsbereitschaft:
    “Das russische Militär wurde heute in Teilen des Landes in Gefechtsbereitschaft versetzt. Unklar blieb aber, ob es einen Bezug zur Krise in der Ukraine gibt. In einigen Berichten ist auch die Rede von einem Manöver. Russland hatte beim Westen zuletzt für Irritationen gesorgt, weil die Armee ihre Einheiten an der ukrainischen Grenze wieder verstärkt hat.”
    http://www.deutschlandfunk.de/ukraine-waffenruhe-wird-offenbar-nicht-konsequent.353.de.html?drn:news_id=372396

    Nun muss ein AUFSCHREI durch alle Linksblogs gehen…

  3. Klaus Jarchow

    @ Herr Karl: Ein Aufschrei? Durch Linksblogs? Wovon träumst du nachts …? 😉

  4. Klaus Jarchow

    @ Heinz Ruhr: Manchmal denke ich ja, dass Putin auch nur noch ein Getriebener ist, ein ‘Zauberlehrling’ seiner eurasischen Experimente. Was soll er jetzt machen? Pfeift er seine Minenhunde zurück, dann hat er im eigenen Land die ‘Baltikumer’ (s. dt. Freikorps-Geschichte) auf den Hacken, wo zugleich über alle Medien der Bevölkerung eingetrichtert wurde, dass es sich bei diesem Landsturm um ‘Helden’ handele. Marschiert er dort offen ein, dann muss er nicht nur ein paar weitere Sanktiönchen fürchten, sondern er hat dann vor allem eine durch Janukowitschs Mafia gnadenlos ausgeplünderte und heruntergewirtschaftete Ostukraine am Hals, wo aber der Bevölkerung zugleich ständig ‘Milch und Honig’ aus Russland versprochen wird. Wer soll das dann bezahlen, wer hat so viel Pinkepinke? Putin hat sich selbst in ein Dilemma hinein manövriert.

    Ich denke mal, dass irgendwann dieser ‘Regime Change’ in Russland von innen erfolgen wird, denn auch ein Putin ist mitnichten ein Autokrat, er wird ja von ganz anderen ‘Kräften’ gestützt, von den russischen Neofaschisten über die Oligarchen, die Bürokratie, das Militär und die Geheimdienste bis hin zur russisch-orthodoxen Kirche. Am Ende könnte es für ihn sogar den Strick bedeuten … ob’s dadurch aber besser würde?

  5. Heinz Ruhr

    Ja das mag sein dass der Regime Change irgentwann kommt. So eine Eskalations-Strategie kann man ohne Krieg ja nicht lange durchhalten. Allerdings lässt er gerade die Kampffähigkeit einiger Truppenkontingente testen, was nichts gutes erahnen lässt.

  6. Klaus Jarchow

    Yep, die Ostukraine wird und muss er – nolens volens – wohl demnächst besetzen, weil die nationalversoffenen Medien und die dahinterstehenden Kräfte ihn dazu drängen. Er kann sich ja nicht immer nur in der Ringecke zum großnationalistischen Führer aufblasen und unter dem Jubel des Publikums den breiten Gürtel schwingen, irgendwann muss der Gong dann auch mal ertönen. Danach geht’s für ihn und für das Land wohl rasch bergab. Die Partisanen, deren Ruhm er immer beschwört, die hätte er dann im eigenen Land. Aber was dann – und wer dann? Strullkov for President? Oder gar dieser Quartalsirre, der Schirinowski? Schon bröckelte es im Vielvölkerreich an allen Ecken … und das große Russland könnte irgendwann sogar zum restrussischen Rajon Moskau-Leningrad schrumpfen, zu einem Paria unter den Völkern sowieso.

  7. hardy

    klaus,

    du erinnerst dich an meine ausgangsthese: putin ist ein würstchen, das den geist aus der flasche gelassen hat und am ende von ihm gefressen wird.

    ich denke auch nicht, daß “der westen” das so einfach stehen läßt wie es ist. das poblem ist halt wirklich, daß militärische auseinandersetzungen mit einer atommacht eben “a bißerl” komplex zu handhaben sind und – sehe ich wie du – hier die ökonomische keule ran muss. so eine zweitklassige nation wie russland sollte das nicht lange durchhalten.

    ich bitte auch immer ein bißchen drauf zu gucken, daß rußland nicht diese komplett kontrollierte gesellschaft wie die UDSSR ist. natürlich könnte ein ausgesprochener krieg die bevölkerung hinter putin einen, das ist wahrscheinlich auch einer der gründe, warum man mit ihm “dezent” umgeht.

    aber ich sehe immer noch nicht, daß er damit durchkommt.

  8. sol1

    Putins vermeintliche Unterstützung der Waffenruhe ist an die wohlwollenden Europäer gerichtet, die Moskau grob in zwei Kategorien unterteilt: die Korrupten in Wirtschaftsnähe und nützliche Trottel aus Politik und Publizistik, die sehen, doch nicht wahrhaben wollen.

    http://www.taz.de/Kommentar-Putins-Ukraine-Politik/!140902/

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