If your memory serves you well ...

Geschlossene Abteilung

Uli Dönch rappelt mal wieder in jenem Körbchen herum, das ihm der Onkel Burda in der Focus-Redaktion eingeräumt hat. Alle, alle, alle wollen ihm ans Leder und sich an seinem Portfolio gütlich tun:

“Egal wer gewinnt – die Steuern werden steigen, die Sozialabgaben auch. Freigiebigkeit, Gleichheitswahn und Umverteilung dominieren wie nie. Mal sehen, wie lange sich das Mittelschicht und Leistungsträger noch gefallen lassen.”

Ausnahmslos alle Parteien seien inzwischen nach links gerückt (wenn’s so ist, weshalb wäre das wohl so, bester Uli, folgt die Politik vielleicht bloß den verehrten Wählern?). Und der bis aufs Blut gequälte Yuppie würde dadurch noch zum Wutwürger.

Gut, seien wir menschlich, bringen wir ein wenig Ordnung in dies logische Chaos. Laut Mengenlehre bilden ‘die Parteien’ in Ulis Welt schlicht die Menge ‘Alle’ ab, während alles andere nur eine Nullmenge, also nicht vorhanden ist. Wenn sich nun die ‘Leistungsträger’, die meistens ja ihre Kulis haben, um ihre schier übermenschliche Leistung durchs Leben zu tragen, wenn die also sagen, das lassen wir uns nicht länger gefallen, dann könnten die politisch logischerweise auch nirgends mehr unterkriechen. Denn es gibt ja in Ulis Welt keine Partei, die ihnen nicht ans Leder will.

Also müssten sie im Falle eines Falles schon eine eigene Partei gründen, vielleicht die LPG (Leistungsträgerpartei in Gründung), die dann aber über ein Prozent nicht hinauskäme, weil die Anzahl der ‘Leistungsträger’ oder – um einen veralteten Ausdruck zu verwenden – die Kopfzahl der ‘Bourgeoisie’ um diesen Wert herum in jeder Gesellschaft nun mal zu schwanken pflegt. Allenfalls ließen sich noch ein paar Dummbratzen von dem bewährten Tarnanstrich als ‘Mittelschicht’ blenden …

Deshalb tanzen beim Uli Dönch, dem Meister der leeren Drohungen, die drei Teufel der Neuzeit – “Freigiebigkeit, Gleichheitswahn, Umverteilung” – mit wirren Haaren um ein kommunistisch-bengalisch illuminiertes Hexenfeuer, während den Reichen – pardon: den Leistungsträgern natürlich! – wohl nur die Flucht ins Ausland bliebe. Vielleicht nach Simbabwe …?

Ach Gott, nur der ‘Focus’ versteht noch ihr Leiden!

4 Kommentare

  1. sol1

    Also müssten sie im Falle eines Falles schon eine eigene Partei gründen, vielleicht die LPG (Leistungsträgerpartei in Gründung), die dann aber über ein Prozent nicht hinauskäme…

    Uli Dönchs FOCUS-Kollege Oliver Janich hat das ja schon mit mäßigem Erfolg versucht:

    Die Partei hatte am 13. Mai 2012 im Rahmen der NRW-Landtagswahl erstmals auf Landesebene an Wahlen teilgenommen. Dabei erhielt sie 6.348 Zweitstimmen (0,1 % der gültigen Stimmen), womit sie den niedrigsten Stimmenanteil unter den 17 mit Listen angetretenen Parteien erreichte.

    https://de.wikipedia.org/wiki/Partei_der_Vernunft

  2. sol1

    Wenn die Reichen nicht immer reicher werden dürfen, dann wird der Staat arm.

    Das ist jedenfalls die Ansicht einiger “Wissenschaftler” der Universität St. Gallen:

    http://www.nzz.ch/aktuell/schweiz/112-initiative-koennte-zu-einnahmeausfaellen-fuehren-1.18147694

  3. Klaus Jarchow

    ‘Partei der Vernunft’ war ja auch ein doller Name. Warum nicht gleich ‘Partei Persil’?

    Zum zweiten Punkt: Es ist anders gewendet schon etwas dran an solchen Austeritäts-Parolen. Je weniger Steuern ein Staat erhält, desto mehr Schulden muss er logischerweise machen. Wenn er mehr Schulden macht, gewinnen allemal die Reichen, also die Gläubiger des Staates, denn die leihen diesem Staat gern das Geld her, weil dort alle Bürger dafür bürgen müssen. Deswegen vertreten dienstbare Wissenschaftler auch gern solche Thesen, dass nämlich der Staat unbedingt verarmen müsse, damit es angeblich allen gut geht. Zuletzt konnten wir die Folgen unter Brüning, Hugenberg und von Papen besichtigen …

  4. Boris Schneider

    Ich kann mich den Worten von sol1 nur anschließen. Lest euch mal den Artikel durch und dann wird euch alles klar. Das ist aber die Nebenwirkung des Kapitalismus und ein Beweis dafür, dass er auch nicht das perfekte System ist, weshalb ständige Änderungen an der Tagesordnung stehen.

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