Den Sound der Zeit traf er wie kein anderer – was allerdings erheblich gegen seine Zeit sprach:

Doch der stumpfgeistige Stammtischton, den [Matussek] nach seiner Amtsübernahme im Jahr 2005 mit seinen Getreuen – darunter der Borderline-Fabulierer Joachim Lottmann und der Popliterat Moritz von Uslar – etablierte, war selbst jenen zu viel, die sich vom Spiegel einen “frischeren Ton” wünschen mochten. Die politische Ausrichtung verschob er noch weiter nach rechts und schoss sich auf die üblichen Feinde ein.

Dem Kult seiner Genialität wurde das Ameisenvolk tief unter ihm leider nie gerecht:

Im Interview mit dem Debattenmagazin The European keilt er nochmal kräftig gegen den Spiegel und einzelne Ex-Kollegen aus, die er wahlweise als “Niete”, “Großmaul”, “Verräter” und “Schienbeintreter” beschimpft.”

Jetzt aber hat den Gral der Invektiv-Kultur bei der ‘Welt’ gefunden, dem publizistischen Weimar unserer Zeit. Dort darf er in drei, vier Jahren dann wohl die Elbphilharmonie zur kulturellen Großtat emporjazzen. Vermutlich vermisst er dort bloß das Kreuz auf dem Dach:

Aber Matussek war eben nur Trash-Rock, eine Spielart, die letztlich keinen nachhaltigen Wert besitzt: Unter ihm wetterte der Kulturteil des Spiegels gegen das Regietheater, feierte den Wiederaufbau des Berliner Stadtschlosses als visionäre Tat und jauchzte den Stauffenberg-Film mit Tom Cruise zum Erweckungserlebnis hoch.

Auf diesen, seinen luftigen Höhen wandelt Hand in Hand mit ihm einzig der Jan Fleischhauer, sagt er. Ja, denn! Hoffentlich gibt’s bei diesem Tete à Tete keinen unverhofften Nachwuchs …

Im Kern passiert doch bloß folgendes: Eine ganze publizistische Alterskohorte, oft fälschlicherweise ‘Pop-Journalismus’ genannt, wird derzeit aussortiert. Und sie strandet, der Schwerkraft folgend, mitsamt ihren Zipperlein als ‘Rantner’ bei der Welt: Poschardt, Broder, Siems, Seibel, Posener, Aust, Matussek, Stuckrad-Barre, Lottermann usw.