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Falscher Alarm

Sollte Putin tatsächlich Europa angreifen, dann würden seine Truppen angesichts der realen militärischen Kräfteverhältnisse schon in Lissabon gnadenlos gestoppt werden.

Cameron in der Rolle Churchills – seltsame Vorstellung.

9 Kommentare

  1. hardy

    wenn das so ist, klaus, warum macht er es dann nicht einfach bzw. warum hat er es nicht längst gemacht und statt dessen dummerweise mal auf die pausetaste gedrückt?

    der falsche alarm geht hier von denen aus, die sich vorstellen, daß das passieren wird und dabei nicht darüber nachdenken, daß eroberte gebiete am ende verwaltet und beherrscht werden müssen.

    bitte einfach mal zu ende denken 😉

  2. Klaus Jarchow

    @ hardy: Mir ging es hier rein um militärische Kräfteverhältnisse. An den EU-Ostgrenzen stehen derzeit etwa 2.000 Nato-Männeken gegen 300.000 russische Soldaten. Die Nato ist derzeit nicht mehr ‘verteidigungsbereit’, auch wenn nach Ansicht unserer hirnverblasenen ‘Truther’ diese Nato längst tief in der Ukraine steht. So ist nun mal die Lage.

    Das mit dem Beherrschen – das sehen solche KGB-Leute, glaube ich, gar nicht so eng. Notfalls hilft Repression. Die sind ja heute schon nicht in der Lage, ihre eroberte Krim angemessen zu versorgen.

    Momentan sind wir in einer Phase des Austestens, was ginge.

  3. Johy

    @Klaus: Die Einengung auf rein militärische Kräfteverhältnisse liefert mE ein sehr unrealistisches Bild. Und selbst nur dies betrachtet wäre es ein Pyrrhussieg: Überdehnung (overstretching) im militärstrategischen Bereich ist es was Putin von einem Durchmarsch abhalten dürfte. Er müßte nach einer Eroberung seine Kräfte in einem Riesenraum voller feindlich gesinnter Bevölkerung (darunter auch Kämpfer ‘wie der Fisch im Wasser’, Mao?) verteilen, und dann besteht kaum irgendwo richtige Schlagkraft. Dazu Separatisten im Osten, und China mit eigenen Interessen…

    Repression wirkt auch nicht wie gewünscht. In einer Besatzungssituation Abschreckung bzw. Vergeltung durch Gräuel zu versuchen, das radikalisiert und rekrutiert für den Widerstand. Schon gegen die Waffen damaliger Partisanenkrieger hätte GröSchnaz nach einem deuschen Sieg in WKII keine dauerhafte Beherrschung der eroberten Gebiete halten können. Dies schreibt jedenfall Martin v. Creveld, der auch feststellte: Es gibt nur 2 Wege erfolgreicher Aufstandsbekämpfung: Strengste Rechtstaatlichkeit (UK in Nordirland, wo auch die eigenen Rechtsbeuger verknastet wurden, wenn auch spät) oder schwerstes Draufhauen schon im Anfangsstadium (Assad in Hama gegen Muslimbrüder). Die zweite Möglichkeit traumatisiert die Bevölkerung die das dann später abreagiert (Syrien heute). Abgesehen davon gabe es keine dauerhaft erfolgreiche Bekämpfung von Freiheitsbewegungen, und die zweite ist in meinen Auge nur militärisch erfolgreich und ansonsten eine Katastrophe.

    Mit heutiger Technologie (auf beiden Seiten, und oft besseren Hackern außerhalb der Streit-/Aufklärungskräfte) West-Europa beherrschen? Etwa mit vorbeugender Überwachung? In einer Strategiesimulation des Pentagon (ca anno 2000) zu einem Nahost-Szenario hat die US-Seite gegen primitive einheimische Gegner verloren, weil der Stab der die gegnerische Seite spielte seine Leute nur direkt mündlich oder mit Papier und Motorradkurieren kommunizieren ließ.

    Putins Strategie erinnert mich an die deutschen Panzertruppen in WKII (flexibel Vorstoßen wo es leicht geht, Gewonnenes halten, Widerstandsnester einkesseln und später erledigen). Kein detaillierter Plan, sondern amöbenhaftes Reindrängen in jede Ritze. Hier aber nicht nur mit Panzertruppen sondern auf jedem möglichen Gebiet, und besonders der Öffentlichkeitsarbeit, denn die größte Schwäche der Armeen in Demokratien ist nun mal die Stimmung der Bevölkerung.

    Es reichten Bilder vom Tod von 18 Leuten bei denen der mögliche Feierabend im Zinksarg zur Stellenbeschreibung gehörte, und eine Großmacht hat gekuscht (http://de.wikipedia.org/wiki/Schlacht_von_Mogadischu) — spätestens dann haben alle begriffen. (Daneben gibt es natürlich auch andere Gründe für die massive Verlagerung der US-Einsätze von der Armee zu privatwirtschaflichen Söldnern: neoliberale Interessen, Diffusion von Verantwortung zB.)

    Vor dem Hintergrund dass Rußland als starkes Druckmittel v.a. Energie-Bodenschätze hat können wir darauf warten dass bei uns eine Unterstützung der Energiewende-Gegner zu beobachten sein wird: Stärkung (finanziell zB) von Konzernen die an fossilen Import-Energien hängen, Unterstützung von Stromtrassen-Gegnern, Stimmungsmache gegen energetische Sanierung, … Die Taktiken der Orangen Revolution wirken auch westwärts. Einige weitere Strategien kann man in den kürzlich erschienen Büchern über die Hintermänner der Tabakkonzerne und der Klimawandel-Leugner nachlesen. Der Journalist der sich jetzt hier auf Taktik und Rhetorik (zusätzlich zur Sachlage) vorbereitet kann eine Expertenstellung beim Demontieren von Putins nächster Strategie einnehmen.

  4. Klaus Jarchow

    Alles richtig, Johy. Es schwingt in meinem Text ja auch ein Hauch von Ironie mit. Die Zeit aber, wo unsere Oberschlauen meinten, dass die Wirtschaftspolitik die neue Verteidigungspolitik sei, die ist aber auch vorbei.

    Ob Putin sich das so gedacht hat?

  5. sol1

    Einige weitere Strategien kann man in den kürzlich erschienen Büchern über die Hintermänner der Tabakkonzerne und der Klimawandel-Leugner nachlesen.

    …und die Resultate kann man in den bizarren Behauptungen des Wahlprogramms der AfD Sachsen bewundern (“III 3 Energiepolitik”):

    http://afdsachsen.de/download/AfD_Programm_Lang.pdf

  6. Herr Karl

    Wahlbeobachter: “Die Wahlen waren transparent und gut organisiert. Sie wurden auf höchstem, europäischem Niveau durchgeführt. […] Wir konnten, obwohl wir danach gesucht haben, keine Verletzungen europäischer Standards finden. Ich möchte betonen, dass Belgien von Russland viel zu lernen hat.” (Frank Creyelman)
    https://linksunten.indymedia.org/de/node/122663

  7. Johy

    @Klaus
    NUR Wirtschaftspolitik, so dumm sind hoffentlich auch die Oberschlauen nicht mehr. Im sehr lesenswerten “Soldat ohne Staat” (die ZEIT, 18.Sept.14) weitet Herfried Münkler die Perspektive: es steht Kontrolle von Territorien gegen die von Strömen (Kapital, Informationen, Güter, Dienstleistungen, Rohstoffe, Personen). Mit Effekten auf unterschiedlichen Zeitskalen. Münkler nennt es auch das Feste und das Fluide.

    @sol1
    Würde mich nicht überraschen wenn die AfD zwielichtige Spenden bekäme.

  8. sol1

    Auch im EU-Parlament gab es bei der Abstimmung zum Assoziierungsabkommen mit der Ukraine eine interessante Querfront bei den Ablehnern aus Deutschland:

    Klaus BUCHNER Ökologisch-Demokratische Partei
    Fabio DE MASI Die Linke
    Stefan ECK Partei Mensch Umwelt Tierschutz
    Cornelia ERNST Die Linke
    Martina MICHELS Die Linke
    Marcus PRETZELL Alternative für Deutschland
    Helmut SCHOLZ Die Linke
    Udo VOIGT Nationaldemokratische Partei Deutschlands
    Beatrix von STORCH Alternative für Deutschland
    Gabriele ZIMMER Die Linke

    http://anton-shekhovtsov.blogspot.de/2014/09/the-national-bolshevik-alliance-is.html

  9. hardy

    @klaus

    [..] nach Ansicht unserer hirnverblasenen ‘Truther’

    we don’t preach the stupid.

    wir sind ja hier unter erwachsenen, klaus 😉

    @johy

    hölle&verdammnis, da habe ich heute nacht davor zurückgezuckt, das auszumalen und es mir für heute aufgespart, um mich mal wieder ganz dem vergnügen zu widmen und du machst hier “meinen job” 😉 sehr schön, vor allem der hinweis auf münkler und seine idee vom “festen & fluiden”.

    ich habe heute nacht versucht, mir das alles mal rein praktisch vorzustellen, die ausdehnung, das terrain, die bevölkerungen etc. und kam zum ergebnis, daß bestimmte grundvoraussetzungen per se nicht gegeben sind. der gröFaz konnte ja noch darauf bauen, daß vor ort die quislingen die drecksarbeit für ihn machen würden, die sehe ich zur zeit nicht wirklich und ob die a########er bei telepolis den faulen hintern hochbekommen würden, um diese rolle auszufüllen, wage ich dch mal schwer zu bezweifeln.

    selbst nach innen, wenn man das aussen so abgehandelt sehen möchte (mangel an personal, überdehnung, kein gefestigt ideologisches denkmodell, in dem “die russen” den anderen überlegen sind und die sich “halb zog er sie halb sank sie hin”) dem hanswurst an die brust werfen würden) kann man doch – propagandascheiss im tv hin oder her – keine russische bevölkerung sehen, die an so einem traum oder einer ideologie hingen, die das mitmachen würde.

    da ist viel (teils wahrscheinlich durchaus berechtigte) paranoia im spiel. ich denke, wir wäre im falle eines falles schneller über über der atomaren schwelle als uns lieb sein kann, denn das ist ja das modell: wir brauchen nicht viele kleine nägel, wir haben ein paar große hämmer …

    ich befürchte, lieber klaus, du starrst zu sehr auf den nachrichtenticker und so gerne ich bei vielem mitgehe, da sehe ich die lage ziemlich anders … was ich an dieser stelle, an der ich eben keinen schwachen sondern einen bedächtigen westen sehe, schon von anfang an so verstanden habe

    lustig btw. jetzt im spiegel zu sehen, daß mein gedanke, daß wir uns nach putin nach diesem zurücksehnen werden, eins, zwei monate nach dem ich ihn hier geäußert habe, auch beim spiegel angekommen ist 😉

    http://www.spiegel.de/politik/ausland/wladimir-putin-und-sanktionen-wer-folgt-auf-russlands-praesidenten-a-992109.html

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