Es ist ja so, dass jede Gesellschaft die Drogen konsumiert, derer sie bedarf. Crystal-Meth, der neueste Schrei auf dem Muntermacher-Markt, zählt bekanntlich nicht gerade zu jenen Drogen, die ein ‘High’ auslösen oder irgendwelche psychedelischen Erlebnisse bewirken, wie bspw. LSD oder Haschisch, die einstmals ziemlich erfolgreich mit der Spießermoral und mit den röhrenden Hirschen der Restaurationszeit Schluss machten. Im Lichte der Folgedroge Kokain glänzte verführerisch dann die sterile Cocktail-Welt auf Boni’s Ranch, wo jede ehrliche Arbeit als Mythos für Doofe galt.

Crystal-Meth – ein Abkömmling der Jagdflieger-Drogen aus der Nazi-Zeit – unterscheidet sich davon erheblich. Diese Droge wird nicht länger zwecks ‘Berauschung’ eingeworfen, sondern als Fitmacher für das neue Arbeitsleben konsumiert. Wann auch sonst, wenn die Arbeitszeiten längst ’24/7′ lauten? Es ist eine Droge, die den Ausgepowerten ein wenig länger das Durchhalten im großen Rattenrennen ermöglicht, wobei die Auswirkungen zunächst auch dem Chef gefallen. Es ist die Droge des aufstiegsbarmenden Prekariats.

Die Ironie besteht nun darin, dass diese Konsumenten binnen kürzester Frist als jene ‘Loser’ und ‘Opfer’ enden, deren Schicksal sie gerade mit Hilfe dieser Droge zu vermeiden wähnten.