If your memory serves you well ...

Ein Mann im Glashaus

Jan Fleischhauer studierte an der Universität Hamburg Literaturwissenschaft und Philosophie, bevor er die Henri-Nannen-Schule besuchte. Seit 1989 ist er in wechselnden Funktionen Redakteur beim Nachrichtenmagazin Der Spiegel.”

Tscha – diese Distanz zur Lebenspraxis des ‘Normalbürgers’ mag natürlich vieles erklären:

“Man kann das auch bei anderen Redaktionen überprüfen: Je weiter man nach rechts kommt, desto höher wird der Anteil von Menschen, die nie einen Betrieb von innen gesehen haben, es sei denn bei einem Besuch, oder selber unternehmerisch tätig waren.”

Nebenbei: Auch das abgenudelte Märchen vom ‘aufgeblähten Staat’ mag man allmählich ja nicht mehr hören: “Deutschland lag damit klar unter dem Durchschnitt aller OECD-Staaten.”

Hamsterrad

Das Bild dieses Zwerghamsters – als Symbol für den möglichen Fortschritt unter den Bedingungen eines marktradikalen Denkkäfigs – verdankt sich einer Anregung von hardy in den Kommentaren … [Foto: Doenertier82 / wikipedia / GNU-Lizenz]

14 Kommentare

  1. hardy

    also mir tut der mann leid, klaus.

    was für ein leben, was für aussichten!

    es muss doch gräßlich sein, wenn man von der schule weg eine marktnische besetzen muss, weil man einmal den dreh raushatte. und jetzt ewig so weitermachen muss, immer im blick, daß es ja nur noch bergab, sprich richtung springer oder … da wäre er gut aufgehoben … den deutschen wirtschafts – “nachrichten” gehen wird, sozusagen zwangsläufig.

    das muss doch gräßlich sein, nie ein richtiges leben zu haben und zu allem überfluss am ende wohl als ewiger pausenclown oder treppenwitz der geschichte erinnert zu werden. mehr ist bis jetzt ja nicht herum- und aus ihm herausgekommen, oder ist mir entgangen, daß er etwas relevantes “geleistet” oder “beigetragen” hat.

    ich kann mir gut vorstellen, daß er in manch stiller stunde in sein taschentuch heult und bejammert, daß er so kläglich gescheitert ist.

    dann am nächsten tag happy go lucky weiter den hamster im machen zu müssen, das ist schon tragisch 😉

  2. Klaus Jarchow

    Immerhin hat er gerade einen ganz dicken Artikel über Willi Brandt tippseln dürfen. Was mir wiederum so vorkam, als dürfte Henryk M. Broder eine Ossama-Bin-Laden-Biographie verfassen. Oder Marine Le Pen über Léon Blum schreiben.

  3. Maxim

    Ich habe Fleischhauer eigentlich nie als Pausenclown gesehen, sondern seine Nische beim Spiegel immer als öffentliche Therapiesitzung betrachtet, in der er seinen fortwährenden 68er-Links-Wahn auskurieren soll. Eine Heilung oder zumindest eine Besserung ist jedoch nicht in Sicht und wo soll er sonst hin? Die Wirtschaftswoche hat schon Bettina Röhl und auch der Cicero kann sich über einen Mangel an Kotzbrocken sicher nicht beklagen.

  4. hardy

    klaus,

    du musst ja immer stellvertretend für mich leiden und so was wie einen artikel über willy brandt von diesem grottenolm in der zeit lesen, in der ich mir auf zdfInfo “die geschichte der menschheit” ‘reinziehe. oder – ja, ich gestehe – mit mmaw “in einem wilden land” immer in der hoffnung, gleich kommt old shatterhand um die ecke. wo sollte der indianer sonst deutsch gelernt haben 😉

    ja, der spiegel hat schon einen bizarren sinn für humor, deshalb lese ich ihn ja nur noch sehr selektiv oder um mich zu amüsieren. ernst nehmen kann ich den, geschweige denn broder, ja schon seit einem guten jahrzehnt oder mehr nicht mehr. dann schon lieber ne sat1 schmonzette mit indianern.

    den neuen robert harris schon in den fingern oder auf den ohren gehabt (von wegen leon blum, clemenceau et al.)?

    @maxim

    kotzbrocken. jep. die haben halt ne 0-nummer und die lizenz sich ins publikum zu erbrechen … und siehe da, da unten gibt’s ein nicht kleines publikum, die die bröckchen im fluge in manna umetikettieren können, bevor sie’s ins gesicht bekommen 😉

  5. hardy

    ach ja, wenn du mal ein schönes cover für eine selbstgebrannte steve earle cd brauchst: ich habe gerade bei mir ein brauchbares von den snoid studios gepostet 😉

  6. Klaus Jarchow

    hardy: Den Steve Earle würde ich nie brennen, der wird gekauft: Support the righteous! Schon wegen so etwas: http://youtu.be/ISFNTRaXRiI – ein amerikanischer Radikal-Christ, der zu den Taliban überläuft, wie kann so etwas denn nur angehen! Woraufhin ich (mit Steve Earle) wiederum sage: Gerade deshalb kann das angehen. Weshalb sollte sich denn ein echter Gottsucher in seiner seelischen Not mit den amerikanischen Fernsehpredigern begnügen? Dass allgemein das Kernproblem in einer völlig hoffnungslosen ‘Gottsucherei’ besteht, sei einem Realisten wie mir geschenkt.

    Digression wieder beendet: Im Kern geht es mir dort oben um mentale ‘Double-Standards’: Dass also solche Leute nie merken, dass jene Vorwürfe, die sie anderen Leuten machen, vor allem im Dach ihrer Kaste einschlagen. Es ist dieser eklatante Mangel an Selbsterkenntnis, der solche Texte bei mir bewirkt. Fehlende Einsicht verbunden mit einem mittelgroßen Wortschatz – das treibt schon duftende Blüten.

  7. hardy

    klaus,

    du willst damit nicht sagen, daß du keine live-konzerte von steve earle hast, die ein cover benötigen, wie zb. 1997-11-13 Hamburg Logo, 1999-02-04 with Del McCoury – Lakewood Bluegrass, 1992 BBC Live In Concert etc?

    was den fleischauer betrifft: mir ist schon klar, daß er ein bigotter volltrottel ist, deshalb tue ich ihn mir in der regel nicht an – diesmal habe ich es ja schon vor deiner post getan und mein häuflein, sprich mein lockangebot, doch endlich mal zu den “richtigen, den “rechten” umzuziehen, hinterlassen. auch wenn ich mir sicher bin, daß er die kommentare nur nach anzahl und nicht nach inhalt konsumiert.

    und, wir haben uns gerade freggd gelacht über das bild 😉

  8. Markazero

    Ah, mal wieder die schönen Dinge, da muss sofort bittersüßer Senf dazu.
    Im Prinzip hat Klaus vollkommen Recht, für die Guten gilt immer und grundsätzlich: kaufen kaufen kaufen! Wenn man aber an Sachen gerät, die anders nicht zu kriegen sind, muss es eben Selbstgebranntes sein. In meinem Fall z.B. ein ’95er Lucinda Williams-Konzert, bei dem sie Songs ihres “upcoming” Albums vorstellt (haha, drei Jahre hat’s dann noch bis “Car Wheels…” gedauert), ein alternate mix desselben oder eine gemeinsame Radioshow mit Elvis Costello. Wenn aber demnächst der re-release ihres ’88er Albums erscheint (remixed, de luxe-edition mit 2 Bonus-CDs), dann muss es wieder heißen: zahlen schafft Frieden!

  9. hardy

    @markazero

    dem würde ich nie widersprechen, auch wenn ich mein hart erarbeitetes gerne in die weniger bekannten wie etwa die berliner “camera” zb., hörbücher oder live konzerte (8.12. jake bugg in meinem luxembourger lieblingsclub) anlege. der rest ist dann das ewige herumwühlen in einem überbordenden archiv 😉

    lucinda williams ist aber immer gut 😉

  10. Markazero

    “I Feel Alright”, speziell das Duett “You’re Still Standing There” (“Oh, interessante Stimme, wer ist das denn? L.W.? Was die wohl sonst so macht”?), wurde Mitte der 90er zu meinem Türöffner zur Wunderwelt Americana / Alt. Country. Vorher hatte ich – typisch deutsch? – das Klischee im Kopf, dass solche Musik nur superpatriotische Ignoranten machen (pars pro toto: Toby Keith) und hatte dementsprechend ein schlechtes Gewissen, dass mir der Sound z.B. einer jaulenden Steel-Guitar gefiel. Deshalb haben Earle und Lu bei mir bis heute eine Sonderstellung in Herz und Hirn und deshalb erwähne ich sie immer wieder gerne 🙂
    Aber stimmt schon: Abseits der großen Namen gibt es auch viel Feines (zu entdecken).
    Live-Konzerte in kleinen Clubs sind sowieso klasse, da haben mir z.B. das Marc Ribot-Trio und Tift Merritt / Josh Ritter heuer ein paar richtig schöne Momente beschert!

  11. hardy

    @markazero

    ich hatte ja das glück, in den mittlren 70ern von freunden im hinterwald (muss ich reklame für meine beiden tumblr-blogs machen? nope) mit grateful dead konzerten zuerst gequält (ich hatte gerade eine punkfrisur …) und dann verwöhnt, country gehörte sozusagen zum programm, old & in the way, new riders. cash mochte ich schon immer. dann kamen anfang der 80er die cowpunks (dream sydicate, green on red etc). jetzt habe ich hier einen “blutsbruder”, mit dem ich die ganzen bluegrassachen rauf und runter höre.

    ist mein “the wood brothers-the muse” tipp angekommen? könnte dir gefallen.

    und, wie gesagt, earle & williams sind immer eine stunde wert, wobei ein blick ins archiv mir klar gemacht hat, daß ich da noch nach bootlegs suchen mus. live ist per se das einzig wahre ding.

  12. Markazero

    Herzlichen Dank für die Tipps! Die Vermutung, dass “The Wood Brothers-The Muse” mir gefallen könnte war nicht nur richtig, sondern erinnerte mich auch daran, dass ich mir in den Hintern beißen könnte, weil ich a) vor Jahren eine Medeski, Martin & Wood-CD verliehen (an wen?!?) und nie mehr wiederbekommen habe und b) nicht denselben hoch bekommen habe, um nach Leverkusen zu fahren, wo die Jungs dieses Jahr gespielt haben. It’s a shame!
    Bezüglich Lu-Bootlegs könnte ich gerne behilflich sein und was brennen und doppelt an Klaus schicken (ihm schulde ich eh was, er hat mir mal eine CD mit Country-Preziosen geschickt – von knapp 70 Namen kannte ich grad mal 10% maximal. Hoffentlich ist er nicht sauer, dass sein Polit-Blog gelegentlich für Musik-Schwärmereien missbraucht wird).
    Und wo ich schon dabei bin:

    http://www.tiftmerritt.net/Forums/tabid/55/forumid/1/postid/10157/view/topic/Default.aspx

    Ist der Fleischhauer ja doch für was gut, irgendwie 🙂

  13. hardy

    ich bin ja ein ordentlicher, äh, eher zur bürokratie neigender mensch und deshalb gibt es drei ordner: aktuell, best of year und die “1001 records”.

    in letzteren haben es die wood brothers unter überspringung von “best of” sofort geschafft und teilen sich nun diese ehre mit pokey lafarge, willy moon, den strypes, den milk cartoon kids, laura mvula, cecile mclorin salvant, der notorischen laura veirs und seasick steve’s neuem album.

    von medeski, martin & wood habe ich ausschließlich live-konzerte verschickt, als ich noch cds brannte, und mir nur die iggy pop “avenue b” mit einem bonus (live in paris) in frankreich gekauft. tolle band.

    [..] Hoffentlich ist er nicht sauer, dass sein
    [..] Polit-Blog gelegentlich für Musik-Schwärmereien
    [..] missbraucht wird)

    das wäre jetzt wirklich das letzte, was ich in betracht ziehen würde, weil ich ahne, daß klaus diese lockerungsübungen vielleicht sogar eher schätzt.

    nur menschen, die sich selbst zu ernst nehmen, etwas “darstellen” wollen oder einen besenstil mißbrauchen, um in form zu bleiben, legen wert auf einen klinisch sauberen kommentarteil.

    ich würde hier nicht “abhängen”, wenn ich nicht das verschärfte gefühl hätte, daß klaus eher in der kategorie “schelmisch” zuhause ist.

    ansonsten: ein kommentar in der in der hinterwaldwelt oder eine email im radioteil von tv3.de reicht, wenn man mit mir adressen austauschen oder so etwas wie eine liste meiner gesammelten archivalien möchte. dort kann ich solche posts schnell wieder löschen, damit niemand einen neuen adressaten für spam “gewinnt” 😉

  14. hardy

    ps: andrew bird fan der ersten stunde auf dieser seite des schirms, also danke für den tipp.

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