Schon schäumen die Rechten und die Linken – und die selbsternannte Mitte sowieso. Auch der Zeitgeist geht baden. Kurzum: ‘Last Man Standing’ als Schreibhaltung. So etwas ist Journalismus. Und aus den Kommentaren wird prompt eine Lawine … weil urplötzlich eine gesellschaftliche Debatte entsteht, die eben nicht nur aus dem üblichen Schmäh unserer Hirnverrannten besteht, die da meinen, sie hätten schon deshalb recht, weil sie ‘gewonnen’ haben. Wobei sie doch in Wahrheit nur auf jemanden ‘reingefallen’ sind.

Es gab mal einen Seitenzweig der historischen Forschung, der hieß ‘Mentalitätsgeschichte’. Von dessen Ansätzen scheinen unsere Eliten keinen Schimmer mehr zu haben. Und so kommt es so, wie Constantin Seibt es beschreibt – und wie es eben denselben Eliten gar nicht in den Kram passt. Sie stehen eher hilflos davor. Wobei dann nicht die Mentalität der Bevölkerung in erster Linie reformbedürftig wäre, sondern vor allem die mentale Arroganz unserer Eliten …

“Das Paradoxe an der globalisierten Wirtschaft ist: Sie hat ihre Elite so reich wie nie gemacht und gleichzeitig so unglaubwürdig wie nie.”

Lustig ist auch zu sehen, zu welchen Worthülsen die Begriffe ‘liberal’ und ‘Liberalismus’ heutzutage degeneriert sind. Da stimmen große Teile des Kommentariats fröhlich für eine planwirtschaftliche ‘Kontingentierung von Arbeitskräften’ – und sie nennen diese Planwirtschaft dann einfach mal ‘liberal’. 😉