Stilstand

If your memory serves you well ...

Diese Frauen!

Bei uns in Bremen gibt es noch echte Frauenbücher – so wie einst in jener ‘lila Periode’ Ende der achtziger, Anfang der neunziger Jahre des vergangenen Jahrtausends. So wäre da das ‚Frauen-Branchenbuch’ zu nennen. Dort, wo wir doch morgen den internationalen Frauentag feiern, kann sich jede X-Chromosantin eine Gleichgepolte heraussuchen, die ihr bspw. den Rohrbruch repariert oder den maskulin daherbockenden Computer – “Besen, Besen, sei’s gewesen!” – mit einigen intelligenten Mausklicks erneut dem Willen seiner Herrin, dieses unbändig weiblichen Wildfangs, unterwirft.

Es gibt einige sprachliche Besonderheiten in der Wundertüte, die für den Sprachgourmet unverkennbar auf die verbalideologische Quelle deuten – so wie der Kompass auf den magnetischen Nordpol. Das Frauen-Branchenbuch mit seinen 100 Seiten hat zum Beispiel eine höchst eigenwillige Wortgebung – pardon: ein sehr uniques Wording. So können urlaubende Frauen auf einem absolut penisbefreiten Frauenhof nicht etwa nur melken, die quiekenden Säue füttern, das wuchernde Unkraut jäten oder mit der Bäuerin klönen, nein, der ‘Frauenhof’ bietet die ‚Begegnung mit den Frauen, Tieren und Feldern des Hofes’. Und abends kramt die Urlauberin dann begeistert ihr Heft hervor: “Liebes Tagebuch, heute bin ich einem Feld begegnet …“. Während gleich nebenan die Anlageberaterin – trotz Krise unverdrossen – für ihre Dienste wirbt. Dort aber gibt es keineswegs gewinnreiche Anlagestrategien in lukrativen Frauenprojekten, sondern beinharte ‚Visionsarbeit zum Thema Geld’. Tscha – ohne Schweiß kein Preis … oder: Diese bürgerlichen Tugenden hat sie vermutlich bei ihrem Pappa gelernt.

Der Trick ist eigentlich ganz einfach: Jede normale Tätigkeit erhält eine möglichst pompös-busenfreundliche Vorreiterin. So verwandelt sie sich in diese hauchzart bürokratische Kommünikaziong mit unverzichtbaren Dialoganteilen, die bekanntlich mit ihrer fordernden Strenge und Dominahaftigkeit den Feminismus so unverwechselbar machen – und den sprachverarmten Männern auf ewig unzugänglich bleiben werden: ‚Begegnung’, Visionsarbeit’, ‚frauenspezifische Einkaufstätigkeiten’.

Deshalb frage ich mich ja auch, ob das nun wirklich ein ‚Frauen-Branchenbuch’ ist – oder bloß ein ‚Solche-Frauen-Branchenbuch’?

[Nu bin ich ja mal gespannt, wat mir Google hier untergoogelt … (Nachtrag:) olala, Dessous in XXL!]


3 Kommentare

  1. Mir werden von Google gerade “Aktuelle Sportmoden in großen Größen” angeboten. Wahrscheinlich findet sich da auch ein “pompös-busenfreundliches” Outfit für die “Begegnung mit den Frauen, Tieren und Feldern des Hofes”.

  2. Wolfgang Hömig-Groß

    10. März 2009 at 9:51

    Hey, das ist ja ein neues Spiel! Mir einerseits “sexy fashion dessous” von c&a, andererseits aber eine eine Großauswahl Magnete von magnetladen.de. Das müssen Nordpol und Kompass gewesen sein, dieser Kommentar dürfte es verstärken. Und ich geb noch einen drauf: Magnet, Magnet, Magnet.

  3. Hast recht gehabt – jetzt darf ich mal manipulixen: Auto, Automobil, Fahrzeug, Mobilität, Verkehr, Auto, Abwrackprämie, SUV, Straßenbau, Asphalt, Fahrspaß …

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