Stilstand

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Die Schnitzer der Weltschnitzer

In Friede Springers Beritt wird die ‘Alternative Für Deutschland’ seit Tagen ausgiebig und andauernd als “der Aufstand der zornigen Euro-Skeptiker” behupt und behypt – als eine machtvolle Bewegung, die zugleich “erfolgreich und angreifbar” sei, wobei sich dieses ‘Angreifbar’ allein jenem Hauch nach kritischem Journalismus verdankt, dessen Duft man als Trüffelaroma über sein Soufflé versprühen möchte. Unter diesen Festvorträgen findet sich dann das übliche aufgeregte Gestammel der Forentrolle, die ihre gute alte D-Mark wiederhaben wollen – “mit’m Bart, mit’m Bart …“.

Wäre es so, wie die ‘Welt’ es uns ex cathedra suggeriert, dann müssten derzeit Union und FDP im Gleichschritt massiv an Zustimmung verlieren, weil Euro-Skepsis, Marktradikalismus und Rechtsliberalismus ihre Weisheiten bekanntlich aus denselben PR-Tanks zu schöpfen pflegen, wo es gewissen Spin-Winzern gelang, eine “Banken-Krise” (die es gibt) erfolgreich in eine “Euro-Krise” oder “Staatsschuldenkrise” (die es beide nicht gibt) umzukredenzen. Statt des Weins der Wahrheit wird uns dort jetzt Gänsewein ausgeschenkt – und verkorkt sei der Euro, und nicht das Finanzsystem.

Neue Stimmen für die ‘Alternative’ müssten damit allemal aus dem Lager von Union und FDP kommen, denn SPD und Grüne sind gegen solche Wundertinkturen weitgehend immun. Dort glaubt man einfach nicht, dass man auf seinen Entwicklungswegen voluntaristisch zurückkrabbeln kann, obwohl doch jeder gern wieder jünger wäre.

In ihrem Kampf für eine neue rechtsliberale Partei scheint die ‘Welt’ immer noch an die Wirkungsmacht des ‘Modells Volksempfänger’ zu glauben: “Befiehlt’s dein Massenmedium, dann dreht sich deine Meinung um.” Gäbe es bloß diesen Teufels-Euro nicht – dies die Predigt der Leutpriester dort – dann wäre wieder alles perfekt, dann würde selbstverständlich auch das überaus vernünftige Finanzsystem wieder funktionieren – mit allem Chichi, vom Steuerparadies bis zum Credit Default Swap, und auch der Wohlstand flösse wieder wie aus Wundertüten.

Faktisch ist es nun aber so, dass der Normalbürger für diese ‘Welt’ zu schlau zu sein scheint. Flächendeckend verlieren bei allen Demoskopen derzeit vornehmlich die ‘Anderen’, worunter ja auch eine weithin erfolglose ‘Alternative’ bis auf weiteres noch firmieren muss. Zuletzt, bei der Niedersachsenwahl, kamen diese Riesenzwerge Arm in Arm mit den ‘Freien Wählern’ auf gerade mal 1,1 %. Dem Konrad Adam geht es derzeit auch nicht anders als der ‘Partei Bibeltreuer Christen’, obwohl doch das mediale Ballyhoo, das Springers Ex-Chefkorrespondent erzeugen lässt, sehr viel größer ist. Die Zeiten, in denen man sich seine Wählerschaft massenmedial zubereiten ließ, die sind nun mal vorbei …

5 Kommentare

  1. Solche Artikel verstranden eh, direkte “persuasive” Medienwirkung hat kaum Einfluss, vor allem wenn bei einem Thema wie der Euro-Rettung, das längst etabliert ist. Da fühlen sich nur die bestätigt, die das ohnehin glauben. Zumal es keine homogene Berichterstattung gibt, bei SpOn, Süddeutsche und co. spielt diese möchtegern-Alternative ja keine große Rolle.

    Solange ein Euro-Austritt und Wiedereinführung der DM nicht zum beherrschenden Thema wird und von anderen Parteien als realistische Option dargestellt wird, seh ich für den Verein keine große Perspektive. Selbst wenn ~20 Prozent sagen, sie könnten sich vorstellen, die Partei zu wählen — das galt ja auch für die Horst-Schlämmer-Partei…

  2. ich fand ja diesen beitrag im dlf erhellend

    http://ondemand-mp3.dradio.de/file/dradio/2013/04/04/dlf_20130404_1923_05a2d756.mp3

    so als enkel vom alten adenauer aus der cdu raus, auf jung und wild gemacht, keinen job abggegriffen (wohl auch in der cdu nicht, sonst wäre er ja bei der cdu geblieben) und schnell wieder raus und (zu jedem posten bereit) wieder in die cdu rein. so schnell kann’s geh’n.

    obwohl wenn jemand mit dem namen vorher schon nix geworden in der partei vom opa, wird das ja wohl einen grund haben.

    ich vermute mal, keine kompetenzen ausser dem namen.

  3. Dass Lustige an der Alternative ist, dass ihre Wahlbeteiligung absehbar Schwarzgelb die Macht kosten wird … und dann kommen bloß die ‘noch besseren Europäer’ ans Ruder. Ironie der Geschichte heißt so etwas wohl …

  4. die lustigste variante: sowohl die alternative als auch die fdp bleiben (knapp) unter 5% 😉

  5. Jaja, die bekannte Umverteilung zwischen Schwarz und Gelb… Jetzt erweitert um Neubraun (mit Resten von Altbraun?). Das kostet aber keine Macht, da wird fleißig koaliert.
    Irgendwann werden die merken — da fehlt was für die Volksseele. Weil Merkel aber nicht die Figur für einen Haider oder Berlusconi hat wird noch irgendein fescher Hanswurst hochgespült. Vielleicht sogar einer mit echtem Doktortitel?

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