Das übliche Lamento – blöde Leser, geldgierige Verleger, gesellschaftlicher Werteverfall, Anzeigenverlust – das wird auch jetzt wieder ertönen. Die richtige Frage lautet in meinen Augen aber anders: Warum betrifft dieses publizistische Scapa Flow eigentlich vorneweg die Wirtschaftszeitungen so massiv? Und woher will der Neoliberalismus künftig seine Munition dann beziehen? Dem Handelsblatt unter Gabor Steingart soll es – einem On dit zufolge – ja auch nicht gerade rosig gehen.

Ich denke mal, es liegt daran, dass hier der journalistische Verlust an Glaubwürdigkeit besonders groß und die Transformation eines öffentlichen Forums in ein ideologisches Dogmengebäude besonders weit fortgeschritten war – alles garniert mit ein wenig Lifestyle und ‘Anziehberatung’ für Leute, die keine Ahnung haben, dass sie darin aussehen wie der Ochse im Cutaway. Kurzum: Wer mag schon jeden Tag die gleiche Buchstabensuppe – auch ‘Redaktionskonzept’ genannt?

Die “Financial Times Deutschland” (“FTD”) soll eingestellt werden. … Die Wirtschaftszeitschriften “Impulse” und “Börse Online”, die ebenfalls Gruner + Jahr gehören, sollen nach dem Vorschlag des Vorstands verkauft werden. Nur das Wirtschaftsmagazin “Capital” soll der Verlag offenbar behalten – aber künftig von Berlin aus weiterführen.