Endlich wird der grundlegende strukturelle Mechanismus – wenn auch arg verknödelt und in einer etwas windschiefen Metapher – von einem ‘Qualitätsmedium’ korrekt beschrieben:

“Bezogen auf die Kaufpresse diagnostizieren die Forscher dabei eine Abwärtsspirale, die von drei miteinander verknüpften Prozessen in Rotation versetzt werde. Ausgehend von stetigen Verlusten auf dem Lesermarkt müssen die verantwortlichen Verlage spürbare Einbussen im Werbemarkt hinnehmen, die mit Kosteneinsparungen auf der redaktionellen Ebene oder durch Konzentrationsprozesse auf Verlagsebene ausgeglichen werden, was schliesslich zu einem Verlust an journalistischer Qualität und publizistischer Vielfalt führe.”

Das Absaufen des Dampfers würde also von der Brücke dadurch unterstützt, dass man zusätzlich die Ventile aufreißt. Hinzu käme vielleicht noch der Befund, dass immer weniger Menschen das Bedürfnis nach Muttis publizistischem Patschehändchen verspüren, also das Bedürfnis, sich massenmedial ‘ausrichten’ und ‘auf Linie bringen’ zu lassen. Und das von solchen Journalisten! In der Summe aber sei das Publikum leselustig wie eh und je – nur bedienen sie sich nicht länger nur bei der Presse.

Die Forscher bieten zur Abhilfe wieder die beliebten ‘Bezahlmodelle’ für den Online-Bereich an. Das war bei der allgemeinen Fantasiearmut vorab schon klar, wie auch bei der cash-flow-orientierten Erwartungshaltung auf den auftraggebenden Verlagsetagen – ebenso klar ist aber auch der Misserfolg, der mal wieder resultieren wird. Bei den Maßnahmen zieht keiner mal ein Karnickel aus dem Hut, da folgen alle dem Muster der Stubenfliege im Zimmer: Immer wieder mit Rumms vor die gleiche Scheibe. Wie wäre es mal mit ‘Verzicht auf überzogene Renditeerwartungen’ auf der Ebene der Eigentümer? Plakativ ausgedrückt: 20 Prozent Umsatzrendite sind für euch nicht mehr drin! Immer nur von einer ‘zukunftsfähigen und nachhaltigen Wirtschaft ohne Wachstum’ zu schreiben, ohne selbst das Experiment zu wagen, das wirkt nicht gerade konsequent …