Er, der Bedingungssatz, setzt ein Faktum voraus, um im Nachsatz daraus Schlüsse abzuleiten, zumeist in Wenn-dann-Form: “Wenn ein Verbrecher derart erfolgreich aus dem Hochsicherheitstrakt flieht, dann dürfen wir ihn wohl kaum als doof bezeichnen.” Mit Hilfe einer Folgerung führt diese Satzfigur gewissermaßen einen Indizienbeweis, ohne dass der IQ des Flüchtlings jemals real vermessen wurde. Hingegen: “Wenn ein Volk eine Bundeskanzlerin wie Angela Merkel hat, dann …” – ja, was dann? Hier kämen die Parteipräferenzen des Verfassers ins Spiel.

Manchmal ersetzt auch ein ‘falls’ das ‘wenn’, damit robbt sich der Text noch näher an das Unwahrscheinliche oder den ‘Irrealis’ heran: “Falls Philipp Rösler im Sommer 2013 noch FDP-Vorsitzender sein sollte …“. Der Konditionalsatz funktioniert aber auch ganz ohne logische Operatoren, ohne ‘wenn’, ‘dann’ oder ‘falls’, er verschleiert dann seine Intention und verstärkt den Anschein von Plausibilität, obwohl schon der Vorsatz oft nicht stimmt: “Sollte Griechenland aus dem Euro austreten, wäre es zunächst …“.  In diesem klassischen Fall stehen wir vor dem Gaga unserer Kolumnisten und ‘Öchsperten’ für wirtschaftspolitisches Geschnatter und Konditionalsatz-Geschwalle, denn weder wird Griechenland austreten, jedenfalls solange die Politiker dort bei klarem Verstand sind, noch kann das Land ausgetreten werden. Darin liegt ja gerade das Dilemma.

In jedem Fall aber führt vom Konditionalsatz ein breiter Trampelpfad direktemang in die Utopie:

“Wenn ein karrierewilliger, junger Mensch, der seine fünf Sinne beisammen hat, auf keinen Fall Banker werden will, dann haben wir die Finanzkrise überwunden.”