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Der Klima-Jasper

Ob die Wirtschaftsredaktion und die Politredaktion bei der FAZ zurzeit überkreuz liegen, vermag ich natürlich nicht zu sagen. Man steckt ja nicht drin. Fakt ist: Im Wirtschaftsteil findet sich auf der Seite neun unter der Überschrift ‘Taifun Haiyan gibt Klima-Debatte neuen Auftrieb’ ein durchaus abgewogener und ideologiebefreiter Artikel, der sich unter anderem auf die Zahlen der unverdächtigen Munich Re stützt, die jetzt “eine Verdreifachung extremer Wetterereignisse seit den achtziger Jahren” registriert. Die sollten es schließlich wissen, sie müssen den Kladderadatsch ja bezahlen.

Ganz anders klingt es im Politteil bei unserem alten Haudegen Jasper von Altenbockum, der auf der Titelseite ganz konträr vom Leder ziehen darf. Er wähnt dort, eine seltsame Mutation von angesehenen Wissenschaftlern in grausige Sagengestalten zu beobachten:

“Die Bemühungen um eine Eindämmung der Erderwärmung werden auch deshalb in immer neue Niederlagen getrieben, weil sich ihre Protagonisten in apokalyptische Reiter verwandelt haben.”

Schuld an den Niederlagen im Kampf gegen die Erderwärmung wären also erstens, zweitens und auch drittens immer diese unbequemen Mahner, welche mit ihrer heißen Luft den Klimawandel doch erst vorantreiben. Während, wenn diese Alarmtrompeten con adagio sagen würden: ‘Alles halb so wild!’, dann würde der Kampf gegen die Erderwärmung auch in raschen Schritten sicher das Ziel erreichen. So etwas schließe ich aus solchen Sätzen messerscharf – und die Logik klatscht mir Beifall. Im Folgenden wird’s fortschreitend dulliger, denn unser Jasper leugnet schlicht die Angaben der oben genannten Munich Re. Wenn das mal keinen Ärger mit Anzeigenkunden gibt, in einem sonst so wirtschaftsfreundlichen Blatt:

“Ehrlich und verantwortungsvoll wäre es, wenn gerade jetzt und gerade in Warschau darauf hingewiesen würde, dass es einen simplen Zusammenhang zwischen „Monsterstürmen“ und dem Klimawandel nicht gibt; dass auch die Wahrscheinlichkeit gering ist, dass deren Zahl zunehmen wird. Warum sollte es derzeit auch eine „Klimawandel-Pause“ geben, gleichzeitig aber immer mehr Klimawandel-Katastrophen?”

Nun ja – ich kenne keinen seriösen Wissenschaftler, der je behauptet hätte, dass dieser klimatische Zusammenhang ‘simpel’ und nicht ‘komplex’ sei. Das Beiwort ‘komplex’ ist mit jedem Klimamodell sogar unauflöslich verbandelt. Was der Jasper von Altenbockum uns aber damit insinuieren will, ist, dass simple Leugner angesichts einer komplexen Klimalage allemal auch recht hätten. Gerade eine Extremwetterlage wie Haiyan bewiese demnach vor allem eins, dass es gar keinen Klimawandel gibt, sondern nur eine höchst erfreuliche ‘Klimawandel-Pause’, die diesen Taifun gebar, so wie einst die Jungfrau das Kind – und die blöde ‘Munich Re’ möchte ihre Siebensachen doch bitte zurück in ihren Tüddelbüddel zu den anderen Fakten packen. Dabei war der elfte November elf Uhr elf meines Wissens doch schon gestern.

Jasper von Altenbockum jedenfalls marschiert faktisch Arm in Arm mit jenen ideologischen Leugnern des Klimawandels vom rechten Rand, die sich derzeit am Rande des wissenschaftlich Seriösen zu Demonstrationen gegen die Klimaforschung versammeln, weil sie – vom Holocaust bis zur Erderwärmung – schon immer der Ansicht waren, dass nicht sein kann, was nicht sein darf. Von diesen Vorgängen erfahren wir leider erst auf Seite zwei:

“Die “Nationale Bewegung”, eine Sammlungsorganisation der polnischen Rechten, verlangte schon am Sonntag auf einem “Antigipfel” in Warschau, die polnische Regierung müsse in der EU weiterhin alle Versuche, eine wirksamere Klimapolitik einzuführen, durch ihr Veto verhindern.”

Naja – kein Wunder. Polen hängt ja auch an der Kohle wie das Ferkel an der Zitze …

Nebenbei bemerkt: Von den drei zitierten Artikeln ist nur das Altenbockum’sche Oeuvre online zu finden. Wollen sie vielleicht so die Leute zurück zum Print locken?

1 Kommentar

  1. das handelsblatt ist da raffinierter: die provozieren mittlerweile die halbdebile “leserschaft” (hüstel) zu kreischorgien im kommentarbereich.

    zu polen gab’s ja gestern einen hintergrund politik von sabine adler, die früher immer für die kanzleröse zuständig sich jetzt mit dem “ostblock” herumschlagen muss …

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