Beim ‘Cicero’ fasst dieser erfahrene Leser die Ursachen des Medienüberdrusses eigentlich recht gut zusammen, besser als dies ein angestellter Redakteur dort je dürfte:

“Was die Informationsqualität angeht, misstrauen viele Bürger den Medien längst insgesamt. Ich persönlich lese Nachrichten überwiegend über Google News. Wer das tut, macht eine erschreckende Erfahrung: Man findet bei allen Anbietern mehr oder weniger den gleichen Text, der im Allgemeinen direkt von dpa oder ähnlichen Dienstleistern stammt. Eigenrecherche: Fehlanzeige. Schlimmer noch: Es gibt keine Meinungsvielfalt mehr. … Viele Bürger sind es leid, ständig schlichte Meinungen als Nachrichten verkauft zu bekommen, vor allem wenn es nur noch eine Meinung gibt und die Vielfalt auf der Strecke bleibt. Dann fühlt man sich manipuliert. Für gute Informationen bin ich weiterhin bereit, Geld zu zahlen, für Einheitsmeinungen dagegen nicht.”

In diesem Punkt aber predigen die Leser den Blinden von der Farbe. Dieser Peter Mersch zeigt mit dem Finger auf den Punkt und sagt klar, welche alltägliche ‘Recherche’ ihn zu seiner jederzeit überprüfbaren Ansicht brachte: Dank der verhassten Google-News sieht er alle Snippets zu einem Thema aufgezogen wie eine Girlande – und er stellt fest: Da schreibt ja einer immer bloß vom anderen ab. So aber verfahren jetzt fast alle Leser – nicht nur der Peter Mersch.

Das große Geheimnis des Tagesjournalismus ist dank neuer Netzfunktionen damit offenbar – und ‘business as usual’ ist für einen angestellten Schreiber nicht mehr möglich. Selbst ist der Kopf, lautet jetzt die Devise … sie aber tun in der Masse so, als beträfe sie der Medienwandel gar nicht. Und deshalb verkaufen sie uns weiterhin ihren Eintopf als Haute Cuisine – und wundern sich, wenn immer mehr Gäste das Restaurant wechseln …