Stilstand

If your memory serves you well ...

Kategorie: Zettelkasten (Seite 2 von 5)

Für den Zettelkasten (35)

Es ist eine der Wirkungen der Ideologie, dass durch die Ideologie der ideologische Charakter der Ideologie geleugnet wird.“
Louis Althusser

Am Ende dieses Prozesses steht dann eine ‘Partei des gesunden Menschenverstandes’ … früher ‘gesundes Volksempfinden’ genannt.

Für den Zettelkasten (34)

Gehört in die Reihe – ‘Ein guter Journalist darf keine Meinung haben’ oder ‘Was interessiert mich mein Geschwätz von gestern?’:

“Le Moniteur” (1815), Paris:

9.3. “Die Bestie hat ihre Höhle verlassen”
10.3. “Ganz Frankreich verabscheut den Moloch”
11.3. “Das korsische Ungeheuer hat französischen Boden betreten”
13.3. “Der Peiniger übernachtet in Grenoble”
18.3. “Der Tyrann auf dem Vormarsch nach Dijon”
19.3. “Bonaparte will Paris erobern, aber er wird elendiglich scheitern”
20.3. “Der Kaiser bereits in Fontainebleau”
21.3. “Der Befreier pocht an die Tore der Hauptstadt”
22.3. “Seine kaiserliche Majestät ist heute in Paris eingetroffen. Vive l’Empereur!”

via: Kosmologelei

Für den Zettelkasten (33)

Der Journalismus ist kaputt«, behaupten die Macher der »Krautreporter« – und sanieren ihn dann mit Geld aus der Kasse von Jakob Augstein, um grimmegeadelte Judomanen wie Tilo Jung zu fördern. Dieser Journalismus kann, ja darf nicht gerettet werden. Man sollte endlich seine Beatmungsmaschine abstellen.”
Leo Fischer: Talmi / Jungle World

Anschwellendes Hirnflöten (3)

Laut Selbstaussage ist die AfD „weder rechts noch links, weder konservativ noch liberal“. Sie ist, recht betrachtet, also gar nichts. Aber das laut.
– Bevor ich Putin einen lupenreinen Demokraten nenne, würde ich eher Banken als Dienstleister betrachten.
– Was bringt uns die Zukunft? – Den Tod.
– Nicht alle Maschinen, die uns versklaven, sind aus Stahl oder Silizium.
– Mit der Unterscheidungskraft wächst der Wortschatz.
– Wörter bezeichnen keine Dinge in der Welt, sie aktivieren Konzepte in unserem Kopf.
– Was immer ein Dualist vertritt, er will immer, dass es in der Welt nicht natürlich zugehen möge.
– Der Pazifismus ist eine kleine Idee, die unter Größenwahn leidet.
– Der Wahlkampf keltert Stimmen aus dem Volk.
– Jede Moral duldet keine andere neben sich.
– Ökonomie zeichnet sich dadurch aus, dass hinterher gar nichts stimmt.
– Wer Transzendenz sucht, dem gefällt es in dieser Welt nicht.
– Erst überkommt uns das Gefühl, dann kommen die Argumente.
– Die Dialektik ermöglicht es Dummen, schlau zu scheinen.
– Die Natur ist ein Heimwerker, kein Handwerker.
– Genie ist die Fähigkeit, zwischen weit Entferntem Analogien herzustellen. Weshalb den Monothematikern und Fernseh-Experten auch jedes Genie abgeht.
– In der Kultur wirkt Lamarck: Hier können wir Erfahrungen weitergeben. In der Natur wirkt Darwin.
– Irrtümer sind angegangene Wahrheiten aus der Vergangenheit.
– Fundamentalismus ist nicht so schlimm, Intoleranz ist schlimmer.
– Evolution ist nicht Mord und Totschlag, sondern Überleben. Mir fallen gerade einige Kandidaten ein, deren Zukunft mir fragwürdig erscheint …
– Journalisten seien ‚Industrieritter vom Geiste‘, sagt Karl Kraus. Das mit dem ‚Geist‘ hat er sicherlich nicht so gemeint.
– Wie soll ich am Wahltag bloß entscheiden, was das kleinere Übel ist?

Für den Zettelkasten (32)

Die Journalisten, die als Stimmführer anerkannten, sind die öffentlichen Beamten des Publikums, und versehen dessen Funktionen gerade so, wie die Beamten des Fürsten die ihrigen. Sowenig nun derjenige, der einen Paß braucht, weil er nicht ohne ihn nach Italien oder Griechenland gehen kann, durch die moralische Beschaffenheit des Polizei-Direktors, den er vielleicht lieber auf der Galeere sähe, abhalten lassen soll, sich um den Paß zu bewerben, so soll auch der Autor, Künstler oder wer es sei, sich nicht daran stoßen, daß der Funktionär der öffentlichen Meinung, bei dem sich jeder sein gestempeltes Urteil über Menschen und Dinge abholt, zufällig den Galgen oder Hals-Eisen und Brandmal verdient, sondern die Verantwortlichkeit dafür dem Patron anheimstellen.”
(Friedrich Hebbel, Tagebücher, 6243)

Für den Zettelkasten (31)

Vor meinem Fenster waren einige Kosaken gerade dabei, einen alten Juden mit silbergrauem Bart wegen Spionage zu erschießen. Der Alte jammerte und riß sich los. Da klemmte Kudra, ein Soldat aus unserer Maschinengewehrabteilung, den Kopf des Alten unter seine Achsel. Der Jude verstummte und spreizte die Beine auseinander. Kudra zog mit der rechten Hand seinen Dolch, und vorsichtig, ohne sich zu bespritzen, erstach er den Alten.”
Isaak Babel: Budjonnys Reiterarmee, 86 f

So viel für heute zum Thema ‘Die Guten’ …

Anschwellendes Hirnflöten (2)

Wahr wäre nur das, was wir erfassen könnten, bevor es zu Erkenntnis wird. Das aber können wir nicht …
– Aller Sinn beweist sich an der Verlässlichkeit seiner Voraussagen.
– Individualität heißt, die Welt nicht in den Beschreibungen fremder Leute zu erblicken.
– Der Wille entscheidet: Jeder könnte selbst hören und sehen, so er nur wollte.
– Ohne Beobachter gibt es auch keine Beobachtungen.
– Der Glaube verbirgt sich heutzutage im Portfolio.
– Ein Charakter ist immer das Resultat von Dogmen.
– Das Gras ist nicht deshalb grün, weil dies unser Auge erfreut.
– Jede Geschichte legt eine Schneise durchs Dickicht von Möglichkeiten.
– Die Liberalen häufeln ihr Geld und rufen ‚Freiheit‘.
– Gedankenkerker, die sprachlich verankert sind, fesseln uns weitaus stärker als Gitter aus Stahl.
– Wer Unterschiede sieht, dem wächst der Wortschatz.
– Monisten glauben, dass Geist aus Molekülen entspringt.
– Man darf seinen Augen nie trauen. Schließlich dreht sich die Sonne nicht um die Erde.
– Zufriedenheit ist der größte Feind der Kultur.

Anschwellendes Hirnflöten (1)

Hin und her: Man kann sich einer Sache hin- oder für Lügen hergeben.
– Nicht der Hund stinkt, sondern der, den er anpisst.
– Kaum habe ich einen Gedanken, verdeckt er schon eine neue Erkenntnis.
– Eine Regierung lässt sich nur von unten her bewerten.
– Man muss mit dem Schweif wedeln, um zu verkaufen.
– Man hat’s nicht dürfen dürfen, aber man hat’s müssen müssen – das ‚Kosovo-Dilemma‘.
– Mein Gedächtnis kann sich selbst aufrufen. Ich traue ihm auch deshalb nicht über den Weg …
– Buchstäblich jeder Trottel findet sich toll.
– Wie viele Artikel mögen deshalb nicht erschienen sein, weil sie diejenigen der Redakteure übertrafen?
– Eins ist mal sicher – Trampelpfade führen nie in die Zukunft.
– Lob wirkt auf Bessere, als hätten wir sie beim Onanieren ertappt.
– Die Wahrheit zu verteidigen ist auch eine Form des Egoismus.
– Moral – ein altbewährtes Wunderelixir aus Doktor Krauses Bauchladen.
– Ich möchte einmal einen Philosophen sehen, der sein eigenes System bewohnt.
– Spott ist der Prüfstein der Wahrheit.
– Wer nicht glaubt, dass er irren kann, der besitzt Know-how.
– Und wem der Schnaps ausgeht, dem bleibt die Politik.
– Die größten Zyniker sind Ärzte.
– Sie verbogen Gottes Wort, bis er ihre Sekte schuf.
– Masse und Führer – Paviane vor purpurfarbenem Riesenarsch.

Für den Zettelkasten (30)

Ich fragte mich, ob die Menschheit nicht ohne alle diese Namen auskommen könnte, die sich täglich, zu jeder Stunde und in jedem Augenblick vermehren, bis schließlich die ganze Luft davon erfüllt sein wird. Und selbst in einer weiten Ebene werden die Menschen einer des anderen Atem einsaugen, entsprechend der riesigen Menge von Wörtern, die sie gebrauchen und die die ganze Luft beanspruchen, so wie ein Lampenbrenner das Gas. Aber offenbar haben die Leute eine große Vorliebe für Namen, denn es scheint so, als ob eine große Anzahl von Namen zu kennen soviel bedeutet wie über eine große Menge von Dingen etwas zu wissen. Allerdings wäre ich nicht überrascht, wenn es mehr Namen als Dinge in der Welt gäbe.”
Herman Melville: Redburn, 73

Jaja, all diese Übernamen für bekannte Dinge, möchte jemand mit profundem Wissen gaukeln: Lustration, Subsidiarität, Volatilität, Deregulierung … uns fehlt es wahrlich nicht an Wörtern, es sind die Dinge, die unter der Last all dieser ‘Aliasse’ ächzen.

Für den Zettelkasten (29)

Jeder Abgeordnete einer Nationalversammlung sollte, nachdem er seine Meinung ausgesprochen und verteidigt hat, seine Stimme für die entgegengesetzte Meinung abgeben. Dann würde die Abstimmung unfehlbar zum Vorteil der Allgemeinheit ausfallen.”
Jonathan Swift

Zumindest bei den Fragen der Snowden-Vorladung und beim TTIP scheint mir dies ein gangbarer Weg …

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