Stilstand

If your memory serves you well ...

Kategorie: Medienwandel (Seite 3 von 26)

Der neueste Sch…ß!

Eine gewagte Mode gewinnt immer mehr ‘Follower’ – das ‘Medien-Anzeigen’. Nach dem großen ZEIT-Geist Josef Joffe betritt jetzt auch der Trällerspatz Diether Dehm von der ‘Linken’ die schlüpfrige Rampe:

“Dehm hat gegen das sogenannte Nachrichtenmagazin DER SPIEGEL wegen des unterirdischen Titels “Stoppt Putin” Strafanzeige erstattet.”

Es ist wohl nur noch eine Frage der Zeit, bis Trendforscher Nobbie Bolz das neue ‘ganz heiße Ding’ in seinen Powerpoint-Präsentationen ausschlachtet …

Der ‘Spiegelfechter’ hat Sorgen!

Das kennt wohl jeder Blogbetreiber. Und jeder Kommentator: Früher oder später tauchen Sie auf, die Trolle, Störenfriede, Kaputtschreiber und Provokateure. Doch wie soll man am besten mit ihnen umgehen?”

Nö, ich kenne das nicht: Strikte Moderation, schmerzhafte Ironie bis hin zum Sarkasmus, die Unbelehrbaren konsequent ausrupfen, Freundlichkeit aber für jene, die unverschuldet auf einem Irrweg sind, da dann ruhig mal den ‘Erklärbär’ geben … schon klappt das auch mit den Trollen. Beim ‘Spiegelfechter’ mag das allerdings auch an einer Tendenz liegen, die Trolle mit ihrem heimatlichen Aroma unwiderstehlich anlockt …

Wird auch Zeit!

In England prüfen sie jetzt, ob sie Russia Today wegen der Verletzung journalistischer Standards die Sendelizenz entziehen. Zeit wär’s ja … dieser Journalismus ist schließlich eine Waffe, die das Gehirn so vergiften kann, wie Chemiewaffen den Körper:

“Ofcom, which ensures TV channels with a UK broadcasting licence provide broadly impartial news coverage, said it was considering whether to investigate Russia Today following complaints from viewers about the tone of its coverage of the Malaysia Airlines disaster. … Russia Today has previously been found to have breached Ofcom’s code on multiple occasions, including a breach of section 5.1, which demands that “news, in whatever form, must be reported with due accuracy and presented with due impartiality”.

Putins Pudel sind natürlich empört und zeigen mit den Pfötchen auf andere … auf ein Verfahren, das sich mit den ‘Grenzen des Journalismus’ befasst, dürfen wir gespannt sein. Vor allem, wenn dann die ‘Sun’ und andere Käsblättchen beweiskräftig angeführt werden. Derweil trudeln die Beweise ein:

“The Obama administration … on Tuesday released satellite images and other sensitive intelligence that officials say show Moscow had trained and equipped rebels in Ukraine responsible for the attack.”

Und unsere ‘Querfrontler’ werden wieder blöken: ‘Da kann man mal sehen, das sei doch amerikanisches Material. Denkt an deren Ölinteressen!’ Worauf warten sie dann – was würde sie überzeugen? Etwa russisches Material? Darauf können sie noch lange warten … ein wirklicher ‘Putin-Versteher’ ist übrigens hier zu finden:

“Putin has few good choices. On one hand, to send troops and to start a direct war with Ukraine means to trigger heavy sectoral sanctions of our economy, which means it will collapse rapidly; this will only hasten the agony of his regime. On the other hand, he started such powerful propaganda, and received so much emotional support (this is where this 86% approval rating comes from), that he can’t simply dump Donbass and Lugansk “diversionists” or “heores” (whatever you call them), because he will immediately incur accusations of “national treason”, a new term in our history which he coined himself in his March Crimea annexation speech. Moreover, he is already being branded as such – read “Sputnik and Pogrom” [a site that positions itself as an information resource of Russian nationalists – DU], he is openly called a “national traitor” there. … And now Putin is left with two very bad options: either to dump the Southeast, or to actively defend it thereby triggering sanctions…. [über Putins Umgang mit den ‘Separatisten’:] Look – many volunteers are trying to return from there, but they are not let through, to the extent that they are exterminated by barrier troops. I’m very sorry for those people – those are sincere, responsible people, convinced that they need to defend Russians, but deceived, set up by the insane propaganda. They are ready to kill and be killed – those people are very dangerous to our authorities, and their physical elimination is one of the goals of the “cauldron” in Southeastern Ukraine. … [über die Nashibots:] In most cases, nothing can be advised, because those people are bots and trolls, who work for money or are such by calling. … It is alien for a sane person to be ecstatic: how wonderful everything is! There is no admiration of government in a healthy society. I am familiar with Western mass media – they don’t have it. Aggressive praise of the government is a sign of a totalitarian society, in which such activities are organized and praised, and of a totalitarian mentality.”

Ich bin für Faustkeile

Der Chef des NSA-Ausschusses im Bundestag zieht mit einer ungewöhnlichen Idee Unmut auf sich. CDU-Mann Patrick Sensburg hatte ein Comeback der Schreibmaschine gefordert – um Spione abzuwehren.”

Oder besser noch Hammer und Meißel. Solch einen Findling können die feindlichen Dienste nicht so einfach davontragen …

Selbstüberschätzung

An dem Punkt habe ich dann aufgehört, Gabor Steingarts Traktat noch weiter zu lesen, weil er gleich mal von falschen Voraussetzungen ausgeht. Und stimmt vorn die Prämisse nicht, dann kann hinten auch nichts Zutreffendes folgen. Tsss … als würden im Netz nur ‘Verlagsprodukte’ herumstehen:

“Von den vielen Millionen deutschen Dokumenten, die das Google-Archiv auf seinen Servern bereithält, stammt kein einziger Text von einem Google-Mitarbeiter, sondern alles, was da an Artikeln begeistert, polarisiert, langweilt oder einfach nur informiert, ist von den Autoren deutscher Verlage in deutscher Sprache erstellt worden.”

Donnerwetter, ‘alles’ – was für ein Alleinvertretungsanspruch! Die Sache mit den ‘deutschen Autoren’ mag für den deutschsprachigen Teil des Netzes ja noch halbwegs stimmen. Aber gleich allen Autoren zu unterstellen, sie würden nur für konfektionierte Ware aus deutschen Verlagen sorgen, das erscheint mir als These doch arg abenteuerlich und durch keinerlei Fakten gedeckt. Meine Einschätzung lautet anders: Nur der geringere Teil der Inhalte im Netz stammt heutzutage noch aus dem altehrwürdigen Verlagsbereich.

Zumindest für den ‘Stilstand’ darf ich schon mal feststellen, dass hier nicht ein einziger Text als ‘Paid Content’ auf dem gepflegten Rasen eines gebenedeiten Verlagsgeländes heranwuchs …

Das russische Dilemma

Schon wahr, die Russen könnten jetzt Twitter blocken, ganz legal auf einer selbstgebackenen gesetzlichen Grundlage. Sie könnten so eines der letzten ‘Outlets’ für oppositionelle Stimmen in Russland stopfen. Aber aus welchem Loch sollten dann ihre Trolle noch so hirnerweichend flöten?

Die Sache mit den ‘Phosphorbomben’, über die Russland barmt, die ist natürlich ‘ganz ganz schröcklich’. Nur fand das alles an einem anderen Ort, zu einer anderen Zeit und bei einer ganz anderen Gelegenheit statt. Bester Herr Lawrow, auch wenn Sie beim größten Bullshit immer so tierisch ernst bleiben können, Sie sollten Ihre Propaganda allmählich mal ein wenig intelligenter gestalten. Denn Sie strullen ja nicht nur Ihre Desinformationen ins Internet hinein, die Ladung kommt auch oft genug aus dem Internet zurück, und dann direktemang ‘in your face’:

“Russia’s Foreign Minister Sergei Lavrov should really do a Google check before proposing urgent UN Security Resolutions on the situation in Ukraine. Five minutes on the Internet would for example, clarify that the ’evidence’ he claims for Ukraine’s use of phosphorous bombs in fact dates back to Iraq in 2004.”

Ha, ob Irak oder Luhansk, ob 2004 oder 2014 – das ist doch völlig unerheblich. Ein paar Trottel werden es schon glauben, nicht wahr? Wer’s genauer wissen will, was da vor sich geht – ein ehemaliger Putin-Berater sollte doch wohl wissen, was seinem Ex-Chef durch die Denknuss spukt:

“First, he said, what is taking place is not a Ukrainian issue but “a war of Russia with Ukraine. Or more precisely, Putin’s war against Ukraine.” …

Das hier gefällt mir übrigens: Die Flüchtlinge aus der Ostukraine, die doch angeblich alle ins Reich des Guten und Russischen fliehen, finden jetzt in Onkel Janukowitschs kleiner Datscha Unterschlupf – und pinkeln dort in seine güldenen Klobecken:

https://twitter.com/KyivPost/status/477047841576480768/photo/1

Autschreporter

Gescheitert an sich selbst’ betitelt Christian Jakubetz seinen Artikel über die absehbare Bauchlandung der ‘Krautreporter’. Ein wesentlicher Aspekt fehlt mir aber auch in diesem Text weiterhin:

Jeder, der einen Laden aufmacht, weiß, dass er etwas ins Schaufenster stellen muss, will er Kundschaft gewinnen. Die Krautreporter haben bei ihrer Vermarktung zwar für viel Medienrummel gesorgt, wie aber die tollen Artikel konkret und letztlich aussehen sollten, auf die der werte Leser bei ihnen hoffen dürfe, das erfuhr das Publikum an keinem Punkt. In der Realität kauft ja – vergleichsweise – auch niemand seinen neuen Mercedes, ohne zumindest schon ein Bild von ihm vor Augen zu haben. In der Regel braucht es sogar eine Probefahrt.

Ein, zwei Beispiele für diesen neuen, nie dagewesenen Journalismus also, wie er in der revolutionären Media-Factory kontinuierlich vom Band laufen sollte, die hätten vermutlich genügt, um den Zuspruch in die erforderliche Höhe zu treiben. So es solche Beispiele denn gegeben hätte. Bloß “Keine Werbung” als einzige Unique Selling Proposition ins Fenster zu stellen, war da in meinen Augen arg dürftig. Mit NoScript und anderen Ad-Blockern lässt sich auch im etablierten Journalismus das Problem der Cookie-Schleudern bereits eliminatorisch lösen …

Kurzum: Ohne durchdachtes Marketing, ohne eine ‘Demo-Version’ gewissermaßen, blieben die ‘Krautreporter’ eine publizistische Wundertüte, und der Erfolg hielt sich bei dieser Katze-im-Sack-Strategie folgerichtig in Grenzen. Motto: ‘Kauft uns, dann werdet ihr schon sehen, was ihr davon habt’.

Boah, ej!

Seit einigen Tagen darf ich mich zumindest wochentags – der Ukraine sei dank – laut ‘Spiegel’ zu den Alpha-Bloggern zählen. Ich bitte daher um die entsprechende Würdigung meiner angeblichen ‘Orientierungsfunktion’ im anschwellenden Info-War:

“A-Blogger (synoym: Alpha-Blogger, A-Lister): Blogger, die mehr als tausend Besucher pro Tag zählen und für ihre Leser Orientierungsfunktion haben.”

Tscha, pups – das ist doch wieder bloß so’n selbsterdachtes Ranking, das angeblich irgendeiner ‘Orientierung’ dienen soll. In Russland würde man mich jetzt jedenfalls unter Kuratel stellen …

Unerhörtes

Fällt im Winter der erste Schnee, rauscht irgendwo eine Lawine den Hang hinab, sind auch die Schreibgewohnheiten nicht länger zu bremsen. Wir dürfen dann wetten, dass die Leichentuch-Metapher jedem schnellfertigen Schreiber umstandslos von der Tastatur auf den Bildschirm flutscht. Und wirklich liefert Google auf die Abfrage ‘Schnee + Leichentuch’ hin uns sofort 42.000 Belege:

“Ein Leichentuch aus Schnee über Blons.”
“Stalingrad: Schnee als Leichentuch für eine ganze Armee.”
“Berlin jetzt begraben unter Leichentuch aus Schnee und frierend bei minus 3° Celsius.”
“Schnee, das Leichentuch der Natur.” usw. usf.

Zerschellt ein Schreiber nicht bereits an den Klippen von Grammatik und Orthographie, dann erkennen wir die schlechten unter ihnen vor allem am Gebrauch landläufiger Metaphern. Sind diese ‘sprachlichen Sinnbilder’ abgegriffen, rundgelutscht und vom tausendfachen Gebrauch zerschlissen, dann weckt auch nichts mehr das Interesse des Lesers – alles klingt nach Gedudel und Tagesjournalismus. Im Kern handelt es sich um eine Form schriftstellerischer Arbeitsverweigerung. Auf den Sachverhalt ‘Schneefall’ hin wirft der Schreiber einen abgegrabbelten Zehrpfennig in den Schlitz seines Metapher-Automaten, und unten fällt – pret à manger – wie ein Kaugummi das erwünschte Sprachbild heraus.

Mit ein wenig Hirnschmalz aber wäre es jederzeit möglich, neue, unverbrauchte Metaphern zu erfinden – alles nur eine Frage der Imagination, für die – zugegebenermaßen – unter den neuen Bedingungen des Journalismus stets wenig Zeit bleibt.

“Schnee – die Weißheit der Natur.”
“Berlin: Stille, die sanft vom Himmel fällt.”
“Stalingrad: Der Winter bleichte blutige Trümmer.”

Peter Rühmkorf – genervt von dem eintönigen und vorhersagbaren Gleichklang aus ‘Sonnenstrahl und Pfeil’, aus ‘Mond und Sichel’, aus ‘Gefahr und Klippe’, aus ‘Rausch und Mohn’ – schüttelte einst neue Metaphern nur so aus dem Ärmel, als Probe aufs Exempel :

“Efeu, Meterware der Nacht”, “Der Pförtner blättert lustlos in den Türen”, “Der Sommer hängt noch an drei Fäden”, “Nun streift der Herbst die Handschuhe ab”, “Die Spinne spielt Jojo”, “Die Strecke stottert Telegraphenmasten” usw. (‘Die Jahre die ihr kennt’, Werke 2, 159).

Darin vor allem besteht vor allem das Handwerk des guten Texters – im Finden und Erfinden neuer Bildwelten, die den Horizont des Lesers öffnen und ihn auf unerhörte Weise ‘bilden’.

Ein Journalistenhasser?

Wenn die Leser wüssten, welche zum Teil widerlichen Figuren im Journalismus rumturnen und was für Taugenichtse solche Artikel schreiben, dann kämen bei ihnen einige Fragezeichen auf”, sagte Bollmann dem Schweizer Medienmagazin Persoenlich.com. Er fügte hinzu: “Selbst haben sie ihr Leben nicht im Griff, noch nie irgendwann, irgendwo für irgendetwas Verantwortung übernommen und erlauben sich, mit primitiven Artikeln über Menschen zu urteilen, die sie nicht kennen und mit denen sie nie gesprochen haben.”

Ach, ih wo, das ist natürlich kein Journalistenhasser – dieser Mann mit den kernigen Ansichten kommt von der ‘Basler Zeitung’ und sollte Verlagsgeschäftsführer der WAZ werden. Und da muss das Gesocks vor den Monitoren doch schon mal wissen, welche Wertschätzung es künftig genießt.

Schade, dass irgendwer im letzten Moment noch die Notbremse zog. Denn den nachfolgenden Affenzirkus hätte ich mir wirklich gern angeschaut. Was aber Verleger motiviert, die denkbar ungeeignetsten Figuren ernsthaft für solche Führungspositionen in Erwägung zu ziehen, das lässt mich dann doch an diesem ehrenwerten Berufsstand zweifeln. Und wenn die Leser wüssten, ‘welche zum Teil widerlichen Figuren’ Verlegerhirne inspirieren können … ach, lassen wir das. Es geht doch immer um möglichst viel Zeilen für möglichst wenig Geld. Das Publikum wird’s schon fressen … denken sie, vernagelt wie sie sind.

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