Stilstand

If your memory serves you well ...

Kategorie: Medienwandel (Seite 2 von 26)

Na denn – happy Framing!

Laut der Entscheidung ist der eingebettete Quellcode eines YouTube-Videos “keine öffentliche Wiedergabe”, solange sich die Wiedergabe nicht an ein neues Publikum wende und keine andere Wiedergabetechnik verwendet werde. Durch das Framing wird laut der Entscheidung kein neues Publikum erschlossen, da der “Inhaber des Urheberrechts, als er die Wiedergabe erlaubte, an alle Nutzer des Internets gedacht habe”, heißt es in der Begründung der Richter.

Naja, das ist ja auch der EuGH – und nicht das vernagelte Hamburger Landgericht …

‘Pffft!’ macht das LSR

Die meisten in der VG Media organisierten Verlage wollen keine verkürzte Darstellung ihrer Links bei Google hinnehmen. Der Konzern lehnte zuvor eine Bitte um “Waffenruhe” ab.”

Um Alexis Sorbas zu variieren: Ich habe selten etwas so kreuzdämlich auf der Schnauze landen sehen, wie den Rohrkrepierer dieses Leistungsschutzrechts. Bis heute habe ich nicht verstanden, wie jemand überhaupt auf die abstruse Idee kommen konnte, dass Werbung zukünftig gefälligst vom Werber bezahlt werden möge. Der ‘Spiegel’ löhnt ja auch nichts an Daimler, wenn bei ihm eine doppelseitige Anzeige der Untertürkheimer erscheint … und dass dieser böse Google-Konzern soooo groß sei, das mag ja sein, aber es ist trotzdem kein Argument, ihm in die Tasche zu greifen.

Wo er recht hat …

Noch einmal zum Mitdenken: Die Verlage haben sich zuerst darüber beklagt, dass Google ihre Inhalte (angeblich) rechtswidrig nutzt. Nun beklagen sie sich darüber, dass Google ihre Inhalte nicht mehr rechtswidrig nutzt. Man kann den Irrsinn kaum noch angemessen kommentieren.

Den Stefan Niggemeier verlinke ich ja nur noch, wenn’s nicht anders geht. Hier aber fasst er das Ergebnis des hochweisen Leistungsschutzrechtes sehr schön zusammen, welches die vereinte Verlegerschaft einst durch den Bundestag peitschte. Vor weit über einem Jahr schon habe ich diesen Verlagsgranden prophezeit, dass sie sich damit kein Geld ins Haus holen würden, bestenfalls eine blutige Nase. Et voilà … ‘Hands up! This is a Search-Engine-Robbery’ ist keine Strategie, sondern Slapstick. Ich bin bestimmt kein Freund von ‘Google’, aber wie sie dort die Verlage und deren Rechtsanwalts-Armada abrollen lassen, das hat schon was.

Was bleibt ihnen jetzt? Naja, das Zukreuzekriechen natürlich oder der rapide Bedeutungsverlust im großen Info-Nirwana …

Happy Headlining

Mehrheit der Lokführer stimmen Streiks zu.”

Oder: Das vergessene Deutsch – Was die Mehrheit der Journalisten auf Journalistenschulen nicht mehr lernt.

Wer lügt denn da?

Als gelegentlicher Carta-Autor bekam ich heute Post von der neuen Carta-Redaktion. Darin geht es um die ‘Neuaufstellung’ von Carta und um die selbsterzeugten Querelen, die daraus folgten:

“Letztlich blieben gegenüber [Wolfgang Michals] vorherigem Vertrag … zwei Formulierungen, die wir zusätzlich aufnehmen wollten, um das Selbstverständnis von Carta laut Vereinssatzung als Orientierung in das operative Geschäft zu integrieren, obschon es im praktischen Alltag der Herausgeber- und Redaktionsarbeit längst Usus und Konsens war. Diese Passagen lauteten wörtlich:
– Der Redaktionsleiter entwickelt selbstständig Themenfelder (aktuell als auch langfristig, z.B. als Dossier), die zur Linie des Vereins/Carta zu zählen sind. Im Vordergrund stehen Originalbeiträge von für adäquat erachteten Autoren.
– Er arbeitet mit den Herausgebern zusammen und stimmt die publizistischen Linien mit ihnen ab. Er berichtet dem Verein über die Weiterentwicklung der Site und steht diesem bei redaktionellen Fragen der Mittelakquise zur Seite.”

Tschaja, ‘das Selbstverständnis von Carta laut Vereinssatzung als Orientierung in das operative Geschäft integrieren‘, bei solch einem verschwurbelten Sound muss ich immer an Kommerzialisierung denken – ich weiß auch nicht, wieso. Und bei ‘adäquat erachteten Autoren‘ fallen mir Dummerjan immer ‘linientreue Schreiber’ ohne unnötige Verwindungssteife ein. Wie dem auch sei, jedenfalls klingt’s ja noch halbwegs harmlos bzw. verharmlosend. Diese Sichtweise ist bloß mit derjenigen von Wolfgang Michal einfach nicht zur Deckung zu bringen. Der schreibt:

“Bei Carta geht es um die Verteidigung der redak­tio­nellen Unabhängigkeit, also darum, ob die Website carta.info weiter eine jour­na­lis­tisch ausge­rich­tete Plattform bleibt oder sich zu einem weit­ge­hend intrans­pa­renten Projekt eines kleinen Berliner „Netzwerker“-Klüngels entwickelt. Für Letzteres gibt es Anzeichen. Anfang Juli legte mir der im Mai neu gewählte Carta-Vereinsvorstand einen neuen Redaktionsleiter-Vertrag für die Website vor, der in wesent­li­chen Punkten von meinem bishe­rigen Vertrag abwich. Ich sollte Veröffentlichungen auf Carta künftig mit allen Herausgebern und dem Fördervereins-Vorstand abstimmen. Darüber hinaus enthielt der Vertrag zahl­reiche Aufgaben, die mit der Tätigkeit einer Redaktionsleitung nichts zu tun haben, etwa die Arbeit für den Förderverein und die Abtretung meiner Autorenrechte. Ich habe das nicht unterschrieben. Anfang September wurde ich dann mit der Berufung eines neuen Herausgebers durch den Förderverein (der gar nicht zuständig ist) konfron­tiert. Zuständig sind die Gesellschafter der Carta Unternehmergesellschaft (UG), die als Verlag im Impressum steht. Gesellschafter sind Tatjana Brode und ich. Bislang wurden alle wich­tigen Fragen einver­nehm­lich zwischen uns entschieden. Nach der putsch­ar­tigen Übernahme der Website durch den Förderverein am 11. September präsen­tierte sich der Verein dann auf der Website groß­spurig als ‘nicht­kom­mer­zi­elles Netzwerk’.

Das klingt eindeutig nach mehr als nur nach zwei kleinen Passagen, die in den Vertrag eingefügt werden sollten, eher nach Putsch als nach Korrekturen. Auch die beliebt-berüchtigte Kausalumkehr findet sich im Text der neuen Carta-Macher. Laut neuem Vorstand soll Wolfgang Michal seinen Zugang zu Carta erst dann verloren haben, als er den hier zitierten Kommentar veröffentlicht hatte. Gemäß Wolfgang Michal aber wurde er schon eine Woche zuvor klammheimlich ausgesperrt, woraufhin er erst dann seinen Text verfasste.

SimonPepper, Creative Commons

Wrack der MS Meyer-Lucht / Foto: SimonPepper, Creative Commons

Irgendwer lügt hier also. Fragt sich nur, wer? Wolfgang Michal wie auch Vera Bunse – also die gesamte ehemalige Carta-Redaktion – kenne ich als integer, ehrlich und zuverlässig. Den neuen Vorstand hingegen nicht. Ich möchte diesen auch, glaube ich, gar nicht mehr kennenlernen. Er ist mir schon kenntlich genug. Und die anschwellenden Rotationsgeräusche scheinen mir in Robin Meyer-Luchts Grab ihren Ursprung zu haben.

Vera Bunse hat übrigens ihre Sicht der Dinge in diesem Beitrag gleichfalls dargelegt.

Disclaimer: Oben habe ich mich aus Gründen der Vereinfachung als ‘Carta-Autor’ bezeichnet. Faktisch war es immer so, dass Vera bei mir anfragte, ob sie einen Beitrag aus dem ‘Stilstand’ bei Carta ‘zweitverwursten’ dürfe. Dem habe ich in der Regel zugestimmt. Direkt für Carta geschrieben habe ich nie … und ich werde dies jetzt erst recht nicht tun. Carta möge mich bitte aus dem Verteiler entfernen.

So wird das nichts …

Grund für die Sparmaßnahmen sei die “laufende strategische Transformation” hin zu mehr multimedialen Inhalten, erklärte Vorstandschefin Julia Jäkel. “Wir verlieren an absoluten Zahlen und wir verlieren an Umsatz. Das ist in dieser Dimension für Gruner + Jahr wirklich neu.” Jäkel kündigte weitere Investitionen in das Digitalgeschäft und weitere Zukunftsprojekte an.”

Gut, da beim ‘Stern’ haben sich allzuviele Journalisten sicherlich in wohlversorgte Sesselpupser verwandelt. So weit, so einsichtig. Aber wie die Verlagsgranden sich das immer vorstellen: Da wollen sie ‘Zukunftsprojekte’ starten und immer mehr ‘Inhalte generieren’ auf einer ganz neuen technischen Basis, während sie gleichzeitig 400 Leute rausschmeißen? Ich finde das gaga. “Wenn du einen Erfolg erreichen willst, dann musst du erst einmal viel Geld in die Hand nehmen”, das ist doch eine probate Weisheit aus Opas Tagen. Sie müssten also in ihre Zukunft kräftig investieren, und den Shareholder-Value ein paar Jahre ruhig Shareholder-Value sein lassen. Mit einem Wort: Auch das geht absehbar mal wieder schief. Read my lips!

Was mich immer wundert, ist die Arroganz, mit welcher die Kollegen solches Geschehen dann kommentieren. So, als hätte ihr Medium die Klippe des Medienwandels längst umschifft. Hier Gabor Steingart vom ‘Handelsblatt’ in seinem Newsletter vom 28. August:

“Der Hamburger Zeitschriftenkonzern Gruner + Jahr (Stern, Brigitte, Geo) will jeden sechsten seiner insgesamt 2.400 Arbeitsplätze einsparen. Dennoch ist der Unmut der Belegschaft gegenüber G+J-Chefin Julia Jäkel unbegründet. Sie zieht nur einen Schlussstrich unter die verlorenen Jahre ihrer Vorgänger, die den Weg ins Digitale verschliefen und sich an die Papierwelt klammerten wie der Eisbär an die schmelzende Scholle.”

Zur Klarstellung: “Das Handelsblatt hat ebenso wie die meisten deutschen Tageszeitungen in den vergangenen Jahren an Auflage eingebüßt. Die verkaufte Auflage ist seit 1998 um 24,8 Prozent gesunken.” Und das, obwohl die Konkurrenz der ‘Financial Times’ vom Markt verschwand …

Mehr davon!

Dass RT, früher Russia Today, bald eine Sendung auf Deutsch ausstrahlen wird, ist schon seit Längerem bekannt. … Länger bekannt ist auch, dass sich deswegen schon die „Mainstream-Medien-Kritiker“ fast ins Höschen machen vor lauter Freude. Das erklärt sich unter anderem aus dem Programm von RT, das daraus besteht, Verschwörungstheorien einen vermeintlich seriösen Anstrich zu geben.”

In der Folge kriegt dann der Jürgen Elsässer gewaltig was auf die Glocke … und dass die Alu-Hütler jetzt einen eigenen Kanal bekommen, ist doch auch eine Nachricht wert. Warum nur finden sich solche Artikel nicht in dieser ominösen ‘Mainstream-Presse’?

Der Stern probt die Gala

An diesem Donnerstag meldet Horizont die Ablösung von stern-Chefredakteur Dominik Wichmann – nach nur gut einem Jahr. Auch wenn noch nichts vollzogen ist, dürfte Wichmann auch nach MEEDIA-Infos seinen Job an Gala-Chef Christian Krug verlieren.”

Freuen wir uns also auf eine noch höhere Dosis von diesem famosen Piepel-Dschurrnalismus … the times they are a-changin. Früher habe ich das Blatt ab und zu ganz gern gelesen. Aktuelle Headlines klingen eher nach einer publizistischen Marshmallow-Fabrik:

“Der weinende Elefant Raju lächelt wieder,”
“Ich halte mich mit Sex und Solitär fit”
“Samsung zeigt seinen iPhone-6-Herausforderer”
“Die Spielerin – die Wahrheit über Veronica Ferres”

Oder auch: Auf neuen Wegen zum Leidmedium …

Debattenkultur

Es ist ein überfälliger Artikel, den der Dirk von Gehlen über den Umgang mit den Threads in der SZ geschrieben hat. Auf der einen Seite finden sich dort die Journalisten, ‘zu fein’, sich mit all der “Schleppscheiße” auseinanderzusetzen, die sie durch ihr Schreiben doch erst produziert haben, auf der anderen Seite gibt es den ‘Debattentod’ durch die Mühseligen und Beladenen, welcher durch die neuerdings weit geöffneten Kanäle sein oftmals wirres Meinen und Murren massenhaft verbreiten darf. Wo also Figuren an der Grenze zum Pathologischen mit hochrotem Kopf all ihre aufgestaute Mühsal ins Kommentarfeld rülpsen. Hinzu kommt neuerdings dann noch – Putin sei Dank! – die Schar der organisierten Info-Warrior. Werthaltige Anteile eines endlich eingetretenen Dialogs gehen dabei oft in der Masse dieser Wirrsal unter:

Es ist ein Abgrund, in den deutsche Medien im Sommer 2014 blicken, wenn sie auf ihre Leserkommentare schauen: antisemitische Äußerungen in öffentlich-rechtlichen Call-in-Sendungen, rassistische Reaktionen auf der Facebook-Seite der Bild-Zeitung nach deren “Nie wieder Judenhass”-Aufruf und üble Beschimpfungen als Reaktion auf den Putin-Titel vom Spiegel.

Absolut zuzustimmen ist Dirk von Gehlen darin, dass dies aber keine alleinige Folge der neuen Medienstruktur ist, sondern vor allem die absehbare Folge eines neuerdings eingerissenen Rudel-Journalismus, der allemal den schrägsten Vögeln – von Thilo Sarrazin bis Eva Herman – einen Resonanzboden gab und gibt. Das hat die Schleusen geöffnet, seither existiert keinerlei Vernunft-TÜV mehr. Ist die These eines Promis oder Semi-Promis geeignet, Aufmerksamkeit und Auflage zu generieren, wird sie auch schon gedruckt, egal, ob sie sich mit den Fakten deckt oder nicht. Und alle Zu-Kurz-Gekommenen jubeln dann, weil’s endlich und mal wieder einen ‘Tabubruch’ gibt.

Diese angeblichen ‘Tabus’ – “endlich sagt es mal einer!” – sind aber zumeist gar keine ‘Verbote’, sondern in der Regel Fakten, auf die sich eine Gesellschaft geeinigt hat, es geht schlicht um den ‘gesellschaftlichen Konsens’. Bei der Auschwitz-Leugnung mag diese Festung noch einigermaßen fest stehen, bei der Stereotypisierung ‘des Juden’ wurden die Mauern aber bspw. längst geschleift – siehe die Kommentare zum Gaza-Konflikt in vielen Medien.

Die Grenzen des Sagbaren liegen also immer dort, wo – Achtung, Buh-Wort! – die ‘westlichen Werte’ tangiert sind: Demokratie, Gesetzlichkeit, Gleichberechtigung, Rechtsstaat, Antirassismus usw. Von solchen Bastionen aus muss ein rigides Kommentarmanagement handeln. Schließlich sind die Kommentarspalten auch Teil der Zeitung, die Redaktion darf hier schlicht ihr Hausrecht ausüben. Es sind eben keine öffentlichen Bedürfnisanstalten, wo jeder hineinstrullern darf, den die Blase zwickt. Kommt dann noch der gezielte Einsatz politischer ‘Spin-Doktoren’ hinzu, wie im Falle der Nashibot-Invasion während der Ukraine-Krise, dann wird dieses rigide Verfahren um so dringlicher.

Wer also die positiven Effekte einer öffentlichen Diskussion schützen will, der muss wie ein guter Bauer seinen Stall täglich ausmisten – und sich mit den verbliebenen vernunftgemäßen Einwänden und Ergänzungen dann persönlich und argumentativ auseinandersetzen. Daran führt heute kein Weg mehr vorbei. Es gälte also einerseits, die Putin-Trolle und Alu-Hütler des Hauses zu verweisen – sollen sie sich ‘hinter der Fichte’ austauschen, wo eh ‘alles Schall und Rauch’ ist – und andererseits muss der Schreiber sich in die ‘Niederungen’ der Threads höchstpersönlich hinabbegeben. Die Artikel eines Journalisten enden nicht mehr mit der Veröffentlichung, sie fangen da erst an …

Zum ‘Wohl’-Sein …

Russische Bande erbeutet wohl eine Milliarde Datensätze.”

Man achte auf diese präzisionsabschwächende Partikel ‘wohl’ in der Headline. Was uns der Journalist damit sagen will, ist: Nix Genaues weiß man nicht, aber ich arme Socke soll ja was Dramatisches dazu schreiben.

Faktisch ist es ‘wohl’ eher so, dass hier ein kleines amerikanisches Start-up ein lukratives Geschäftsmodell mit Hilfe solcher Tartarenmeldungen und mit dem Faktor ‘Angst’ aufbauen möchte. Und die ‘New York Times’ druckte das prompt. Aber was kriegt der werte Neukunde, wenn er löhnt: Eine simple Nachricht, ob der eigene Zugang zum Fratzenbuch eventuell möglicherweise unter Umständen gehijakt sein könnte. Das nenn ich doch mal viel Ertrag fürs liebe Geld …

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