Früher wurde im Journalismus ein Thema “groß aufgemacht”. Später dann, als im Zeitalter der Alphajournalisten die Bühnenmetaphorik, der Beifall und die Zahl der ‘Vorhänge’ an Bedeutung gewann, wurde ein Thema “groß aufgezogen”. Nach einer Woche setzte die Regie das Stück meist wieder ab …

Heute ist es umgekehrt: Ein Thema ist zunächst ganz klein, so wie es dem natürlichen Wachstumsgesetz entspricht. Fefes Blog beispielsweise, wo so viele Netzthemen schon auf die Welt und damit in die Öffentlichkeit gelangten, oder wo sie als Adoptivkinder in den deutschen Sprachraum migrierten, das mag als Beispiel für neue Gesetzmäßigkeiten dienen. Vom Tröt-Tröt der Aufmacherei sehen wir im mikromedialen Raum kaum noch eine Spur, von Gestaltung oder koberndem Anreißertum finden wir nicht einen Hauch. Im Netz sucht niemand den Superstar, in ihm sitzt nirgends die großjournalistische Spinne, sondern allenfalls ein paar Spinner, die noch immer altjournalistisch unter feuchten Träumen leiden. Quel affront!