Es hätte auch jede andere Regionalzeitung treffen können, der Weser Kurier dient mir nur als Beispiel: Die “Anreißer”, von denen ich rede, das sind jene kleinen Drei- oder Vierzeiler, hinter denen nach einem Klick dann der zugehörige Artikel auf interessierte Online-Leser wartet. Eine nicht ganz unwichtige Textsorte also, sie sollte für die Online-Ausgabe der Zeitung das sein, was der Koberer auf Sankt Pauli für die Tabledance-Bar ist.

Diese vierzeiligen Lockrufe zum tiefer verschachtelten Journalismus im Hintergrund gehen sprachlich oft schief. Vermutlich lassen sie dort gern die Volontäre ran. Hier einfach mal einige Beispiele aus der heutigen Online-Ausgabe – morgen schon sind sie dann alle wieder ‘vanished in thin air‘:

Mein Hund, der hat drei Ecken:
“Die Abwrackprämie hat unterschiedliche Seiten.”

Vergleichsweise harmlos:
“Das Bremer Handwerk ist insgesamt fast dreimal so groß wie das Mercedes-Werk in Sebaldsbrück.”

Stillgestanden!
“Die Kosten für ein Stilles Örtchen im Brilltunnel stehen in der Diskussion.”

Hekuba?
“Der Kuhpol, der in Hude-Wüsting entstehen soll, wird sich vermutlich nicht aus eigenen Mitteln tragen können.”

Dascha beruhigend!
“Zwölf Dioxinweiden an der Ems sind wieder freigegeben.”

Vorläufig höchst anschaulich:
“Das Musicalprojekt „Der schwarze Vogt“ ist ein engagiertes Vorhaben, das am kommenden Wochenende mit drei Vorstellungen im Tagungshaus Bredbeck seinen vorläufigen Höhepunkt erfährt.”

Was ich immer sag’:
“Es hatte schon etwas Sinnbildliches, als am Sonnabend auf der Tennisanlage am Sportpark Xavier Naidoo aus einem Autoradio zu hören war.”

usw. usf.

Wie gesagt – das ist eine zufällige Momentaufnahme, wahllos aufgespießte Beispiele für den Zustand des deutschen Qualitätsjournalismus in der Region …