If your memory serves you well ...

AfD und Talleyrand

Es ist fast schon ein Stück aus dem Tollhaus, was sich der Alexander Gauland, Häuptling der AfD, dort heute in der FAZ geleistet hat. Zunächst stellt er seine Partei ziemlich zutreffend als eine disparate Vereinigung verwirrter Volkswirtschaftler und bölkender Kleinbürger dar:

“Zum einen gebe es in der AfD eine Gruppe volkswirtschaftlich Gebildeter, die in der Euro-Politik einen Verstoß gegen marktwirtschaftliche Prinzipien sehen. Ihnen gegenüber stünden die „Protestwähler“, die gegen viele gesellschaftliche Entwicklungen aufbegehrten und sich zunehmend marginalisiert fühlten.”

Die letzteren wiederum pflegten eine Sprache, „die den Minimalkonsens demokratischer Debattenkultur aufkündigt.“ Im Klartext: Große Teile der Partei haben das demokratische Terrain und die sonnigen Gefilde der Rationalität verbal längst verlassen, also jenes Gebiet, wo die honorige Professorenschaft angeblich unbeirrt zu stehen wähnt. Bis hierhin ein stimmiges Bild, das sich mit meinen Einschätzungen aus den Güllegruben des einschlägigen Kommentariats deckt.

Was aber empfiehlt der Herr Gauland seiner Partei jetzt? Endlich raus mit diesen schäumenden Undemokraten aus der Partei? Eine Säuberung gar? Ih, bewahre!

“Es wird also darauf ankommen, dass diese nationalkonservativen oder nationalliberalen Positionen so vertreten werden, dass auch Liberale oder sogar Linke damit leben können. … Wie hatte der französische Außenminister Talleyrand einst treffend formuliert: Die Sprache ist dazu da, die Dinge zu verhüllen. Leider haben manche Parteifreunde gerade das Gegenteil verinnerlicht.”

Tschaja, der Fürst von Talleyrand, diese personifizierte Lüge in der Politik. Was uns der Herr Gauland ungefähr sagen möchte: In der AfD sollen auch die Positionen des Denkpöbels, seiner wertgeschätzten ‘Parteifreunde’, weiterhin ihren festen Platz haben. Er bittet diese Radikalinskijs nur darum, doch nicht ganz so laut in der Medienlandschaft herumzublöken. Camouflage heißt so etwas wohl …

Anmerkung: Der zitierte Schluss des argumentativen Todesloopings ist nur in der gedruckten FAZ zu finden (24. 1. 2014, S. 10). Wollte man den Mann schonen? Mag die FAZ einen solchen intellektuellen Harakiri nur noch ihren Abonnenten zumuten?

3 Kommentare

  1. sol1

    Hat sich dieses Milieu nicht vor einigen Monaten darüber echauffiert, daß bei den Grünen Anfang der 1980er Jahre Sympathisanten der Pädophilen-Szene geduldet wurden?

    Und nun setzen sie sich selbst solche Läuse in den Pelz…

  2. sol1

    …und in “Cicero” versucht ein dreister AfD-Ideologe, das freie Denken und das freie Leben politisch inkorrekt auf Linie zu bringen:

    Genuin liberal zu sein, heißt heute, konservativ zu sein. Zuweilen sogar reaktionär.

    http://www.cicero.de/berliner-republik/afd-ein-manifest-fuer-eine-alternative-fuer-europa/56894/seite/2

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