Diese Knittelreime kamen dabei heraus, als ich für unser Dorf endlich mal ein ‚moderneres‘ Erntegedicht‘ schrieb:

„Erntedank“, Gemälde von Jürgen-Wegener-Weimar auf der Großen Deutschen Kunstausstellung 1943 im Haus der Deutschen Kunst zu München

König:
Liebe Freunde – hallo Leute,
lang Gesabbel wollt ihr heute
ja goar nicht hören – ich weiß, ich weiß,
Drum mach ich hier auch kein’n Sch … andudel,
Nerv nicht mit langem Lobgehudel,
Kommt schnell mal her – ihr Kerle, Weiber,
drängt eure fett gewordnen Leiber
An mich heran, hört kurz mal rin,
– umso schneller geht’s zur Tränke hin!

Bekannt ist’s bei uns von alters her,
wer Freude will, der braucht Likör,
Und will zum Bier das Volk noch Tanz,
dann bindet sich‘s ‘nen Erntekranz.
So ist’s in diesem Jahr nach Brauch geschehen,
vom Kranz die bunten Bänder wehen,
zum Zeichen, wie gesegnet unsre Felder,
der Kranz dient da als Wohlstandsmelder.

Ihn wickelten holde Wesen um und um,
die Männer standen bloß blöd rum,
In frischem Glanz strahlt nun der Kranz,
Dank fleiß‘ger Frauen –
Dafür Dank von Hans und Franz.                                                  Täterätä!

[Zwischenszene:]

Junggeselle z. Mädchen:
‘Nen dollen Kranz bring ich dir hier,
Ist nicht von Pappe, noch aus Papier,
Wahrhaft ein Wunderwerk der Wickelkunst,
ach bitte, schenk mir deine Gunst!                                                       Tröt-tröt!

König (geht dazwischen):
Wat soll dat sien? Ein Kranz?
Bist du schon duhn?
Dat is goud för Zicken, nich für Fruun …
(schmeißt das Gebilde weg)                                                                    Tätä!

Königin:
Nu krich dich ok moal wedder in,
Seit wann wär‘ Feinmotorik Männersinn,
Man soll die Kerls nicht überfordern,
und Kränze gleich bei seiner Perle ordern.
(Kranz wird vorgetragen)
Und nu – wat seggst du nu?                                                                      Tüdeldumdurudei!

 

König:
Doar leggst di nieder! Wat is dat scheun!
Meine Krone verblasst dagegen,
ich kann mich daran nicht mehr freun.
Schau, wie es prangt – alles gelb, voll Ähren,
uraltes Segenszeichen, Gott zu ehren!
Ihr Lue, folgt nicht mehr mir, folgt diesem Kranz,
er weist euch den Weg zu Glück, Suff und Tanz!                                            Tandaradei!

[IM SAAL:]

Königin:
Hej!
Haltet mal eure Schnuten, ihr Puten,
und bremst eure Knörpel, ihr Erpel,
denn jetzt rede ich –
zu den Jungen und Alten
und zwar über Geister, die in Kränzen walten:

Unsere Erntekrone entstammt alter Sitte,
Fremd schon fast in unserer Mitte,
Einst war sie Zeichen und Dank für fruchtbare Äcker,
Dieser Dank ging an Gott – und nicht zum Bäcker.

Heut lebt kaum noch einer von Feldern und Rüben,
Das Geld geht aufs Konto in Monatsschüben.
Auch wachsen weniger Ähren, kaum rote Bete,
Gülle und Mais machten aus Bauern Aufsichtsräte.
So geht die Zeit und wir gehen mit ihr gleich,
denn futsch is futsch, und Schiet macht reich.

Aber dort von oben kommt noch immer aller Segen,
sprecht ruhig von Gott, oder nennt‘s Sonne und Regen,
fürs Wachstum sorgt unser Himmel wie eh und je,
zum Zeichen dessen gibt‘s den Kranz und das Festkomitee –
für alle andern gibt’s was in’n Tee!                                                                      Tröt tröt!

König:
Uns bleibt der Dank für eure Geduld,
Fandet ihr’s öde, war’s allein unsere Schuld.
Jetzt folgt der Tanz – nehmt Getränke dazu,
hier unterm Kranz, der uns alle umschließt im Nu
für ein ganzes weitres großes Jahr …
komm her, mien Deern,
nu is Hoppsassa …                                                                                                        Flöt twiet quäk!

[Ehrentanz]