Es meinen wohl etliche, das Schreiberamt sei ein leicht, geringes Amt, aber im Harnisch reiten, Hitze, Frost, Staub, Durst und ander Ungemach leiden, das sei eine Arbeit. Ja, das ist das alte gemain täglich Liedlein, daß keiner sieht, wo den andern der Schuh drückt. Jedermann fühlet allein sein Ungemach und gaffet auf des andern gut Gemach.

Wahr ist’s, mir wäre es schwer im Harnisch zu reiten; aber ich wollt‘ auch gern wiederum den Reiter sehen, der mir könnte einen ganzen Tag still sitzen und in ein Buch sehen, wenn er schon nichts sorgen, noch denken, noch lesen sollt‘. Frage einen Kanzleischreiber, Prediger und Redner, was schreiben und reden für Arbeit sei; frage einen Schulmeister, was lehren und Knaben ziehen für Arbeit sei.

Leicht ist die Schreibfeder, das ist wahr; ist auch kein Handzeug unter Handwerkern baß zu erzeugen, denn das der Schreiberei; denn sie bedarf allein der Gänse Fittich, der man umsonst allenthalben genug findet. Aber es muß gleichwohl das beste Stücke (als der Kopf) und das edelste Glied (als die Zunge) und das höchste Werk (als die Rede), so am Menschenleibe sind, hier herhalten und am meisten arbeiten, da sonst bei anders entweder die Faust, Fuß, Rücken oder dergleichen Glied allein arbeiten, und können daneben fröhlich singen und scherzen, das ein Schreiber wohl lassen muß. Drei Finger tun’s, sagt man von Schreibern, aber ganz Leib und Seel‘ arbeiten dran …“
Martin Luther