Stilstand

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Worte töten nicht?

Es bedeutet nicht, dass die rechten Politiker und Publizisten, von denen viele Bestandteile des wirren Machwerks stammen, eine Mitschuld an den Verbrechen haben. Worte töten nicht, und Schuld trifft darum nur den Täter.“

Vermutlich handelt es sich hier um eine journalistische Schutzbehauptung von Ewigkeitswert. Die Welt ist doch voll mit Beispielen, wo Worte faktisch getötet haben. Wie ist es denn mit dem Feldwebel der Wehrmacht, der vor dem ausgehobenen Massengrab „Feuer!“ auf zitternde Judenleiber befahl? Hat der nicht getötet, nur weil es letztlich der Gefreite Arsch war, der den Finger am Abzug krümmte? Was ist mit Urteilen, die den Vollzug der Todesstrafe fordern? Was ist mit dem Vollzugsbeamten, der befiehlt, dass jetzt das Gift in die Adern des Delinquenten fließen soll? Wie steht es um die Hetzartikel im ‚Stürmer‘, hätten die wirklich mit Auschwitz so rein gar nichts zu tun? Und warum beginnt ein Krieg mit einer „Kriegserklärung“?

Spätestens seit der Sprechakttheorie wissen wir, dass unsere Kommunikation auch die Tat bewirkt. Wer spricht, handelt – das gilt eben auch für die Giddels aus den Foren der Islamophoben-Front, das sind in meinen Augen zumindest Schreibtischtäter. Auch ein Journalist sollte sich dieser Verantwortung für die Wahl seiner Worte immer bewusst sein, statt in exkulpatorischer Absicht uns alten Käse aufs Papier zu schmieren …

1 Kommentar

  1. Demnach kann ich also davon ausgehen, daß „Der Stürmer“ eigentlich keine Mitschuld hatte an den Greueltaten im 3. Reich. Zumindest kann ich mich wohl zukünftig auf einige unserer Johurnalisten berufen, wenn ich diese Meinung vertrete…

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