Stilstand

If your memory serves you well ...

Wolf Schneider nun wieder!

Wolf Schneider, der Alterspräsident für journalistische Philologie in Deutschland, hat sich der Blogger-Szene zugewandt. Er unterteilt die Blogger forsch und fern der Empirie in drei hemdsärmelige Kategorien: in die ‚Nützlichen‘ (er erwähnt die Dissidenten in China und die Frau Huffington), in die ‚Abscheulichen‘ (hier nennt er keine Namen) und in die ‚Einsamen‘. Zur Erläuterung der letzten Kategorie dann zitiert er lang und schlapp den Felix Schwenzel, dem man – neben konsequenter Kleinschreibung – zwar dies und das vorwerfen könnte, aber ‚Einsamkeit‘ ist für ein Blog, das beim Leserzuspruch und bei der Kommentardichte überall ‚weit oben‘ landet, nun wirklich keine stimmige Kategorie. Schon deshalb, weil sie mit der empirischen Realität und dem Rezipientenverhalten in keinerlei Zusammenhang zu bringen ist. Ganz abgesehen von ixens eigener Darstellung des Sachverhalts.

Und wenn hier schon durch Wolf Schneider selbst dem sonst so verpönten subjektiven Meinen Tür und Tor geöffnet wird, dann möchte ich darauf hinweisen, dass auf mich der deutsche Sprachpapst in seinem Lehnstuhl dort einen höchst vereinsamten Eindruck machte. Aber das mag natürlich täuschen …

7 Kommentare

  1. Yep, Meister Jarchow, das täuscht. Wer so viele dankbare und begeisterte Schüler hatte wie Wolf Schneider, kann nicht vereinsamen. Aber natürlich hat sich Schneider
    a) in der Person vergriffen: ixens Einsamkeit ist etwa so stilisiert wie die von Lucky Luke; er schreibt ja manchmal auch schneller als sein Schatten…
    b) in der Kategorie vergriffen: Ich hätte schon gern gewusst, welche Blogger der Sprachpapst für abscheulich hält und/oder welche zur Verhunzung der deutschen Sprache am meisten beitragen.
    Aber um das beurteilen zu können, hätte er sich ja richtig ins Thema einarbeiten müssen – das ist natürlich für 150 Sekunden Videoblog zuviel verlangt.

  2. Gruß aus dem Büro Schneider:
    Herr Schneider hat 4 Kinder, 9 Enkel und 1 Ur-Enkelin.
    Wenn die Familie zusammenkommt, sind es genau
    23 Leute – wo fängt Einsamkeit an?

  3. Nun ja, Frau Riem, ich kenne da gewisse Großfamilien …

    Aber einer Legende wie dem Herrn Schneider wollte ich ja nicht wirklich Einsamkeit unterstellen, sondern ich schoss aufs Geratewohl ins Himmelblaue, ähnlich wie der Herr Schneider dies auch tat. Der Herr Schwenzel, den er dort exemplarisch mit einer untauglichen Kategorie zu fassen versucht, der ist nun mal vieles, aber mit Sicherheit nicht einsam. Nicht einsamer jedenfalls als der Herr Schneider auch.

    Davon abgesehen, gibt es sicherlich Blogger, die mitunter auch einsam sind. Es gibt andere, die lustig sind, solche, die blöd sind, andere, die nett sind, die bissig sind, die blitzgescheit sind, ja, es gibt sogar solche, die vielen realexistierenden Journalisten zeigen könnten, wo schreibtechnisch heutzutage der Hammer hängt. Und es gibt sogar viele Journalisten, die selbst regelmäßig vor sich hin bloggen. Was ich damit sagen will: Diese neuen Mikromedien sind bunter als die Magazinregale in einer großstädtischen Bahnhofsbuchhandlung. Man muss sie nur zu finden wissen. Da hapert es bei vielen.

  4. Immerhin weiß ich jetzt, dass Schreibregelpapst W.S. eher nicht allein ist – sagt natürlich nichts über seine mögliche Einsamkeit. Was die einsamen Blogger angeht – und ich verweigere allen hier den offensichtlichen Kalauer [die machen mich nämlich alleine] -, habe ich den Eindruck, das Problem liegt mehr in dem Wort als dem, was sie tun:

    Blog, von Web-Log, Web+Log, Log ursprünglich Bezeichnung für ein offizielles Tagebuch an Bord eines Schiffes , dann übernommen für das übliche Teenager-/Schriftstellertagebuch. Und das Kapitäne auf See, Teenager in ihrer Unverstandenheit und Schrifsteller in ihrem Leben einsam sind ist doch wohl akzeptierte Tatsache?!

    Führer war ohnehin alles besser, der DUDEN hat uns gesagt, wie zu schreiben ist, der Verleger/Herausgeber/Chefredakteur, was wir zu schreiben haben. So wusste jeder Leser, dass er nur Qulaitätsdreck zu lesen bekam. Heute kostet Publizieren praktisch nichts mehr, jeder schreibt über das, was ihn interessiert, und Rechtschreibung, Interpunktion sowie Grammatik finden nicht mehr statt.

    Und offenbar müssen Sprachregler und andere Grumps all das, was so in den Weiten des Internet rumschwebt, lesen, sie werden dazu gezwungen, vermutlich mit Schusswaffe am Hals oder der Drohung, der rote Knopf würde gedrückt, wenn …

  5. Frau Riem, ich möchte Ihnen nicht allzu nahe treten, aber wer solche Werbetexte schreibt wie Sie:

    „Das ideale Weihnachtsgeschenk:
    Ein unverzichbares Buch, lehrreich, Zusammenhänge erklärend bzw. wieder auffrischend, Aha-Erlebnisse vermittelnd. Angst könnte man bekommen, wie der Mensch mit der Erde umgeht, aber es wird weitergehen, besser, schlechter?
    Anders, als wir es uns vorstellen können!


    ….nun, ich sags mal so, der darf als Werbetexter noch auf bedeutende Fortschritte hoffen.

    In meiner Kategorie „ärgerliche Werbemethoden“ sind Sie jedenfalls aufgenommen – denn wer aus einem Schreibbüro heraus die Bücher seines Arbeitgebers bewirbt, als vermeintlicher Kunde, der nimmt es mutmaßlich nicht so genau.

    Gell?

    Übrigens, das Verrückte an der neuen Blog-Welt ist auch, dass dort die (schönen und oft nützlichen) Regeln von Herrn Schneider nur einen vergleichsweise begrenzten Wert haben.

    Falls Herr Schneider die Zeit, Geduld und Muße dafür haben sollte, so mag er sich in die Web 2.0-Welt vertiefen und wird zu überraschenden neuen Erkenntnissen kommen.

    Versprochen!

    mit höflichen Gruß an Frau Riem, Herrn Schneider und den von mir besonders andersorts sehr hoch geschätzten Stilstandsblogger.

    John Dean

  6. Mitnichten Werbetext, John Dean. Ich habe das Buch gelesen und mich geäußert wie viele andere auch – macht ja nichts, wenn Ihnen ein Buch weniger gut gefällt. Bitte fallen Sie nicht vom Ross, es ist sehr hoch!

  7. Nett hier. Wolf wer?

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