Stilstand

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Wo sind die ‚Faschisten‘ hin?

Wo sind sie geblie-hieben? Der neueste Poll aus der Ukraine jedenfalls prognostiziert ein völlig faschistenfreies Wahlergebnis. Ganz ohne Swoboda, und auch ohne ‚Rechten Sektor‘. Gut, der Lustrations-Populist und selbsternannte Regulator Oleh Lyashko ist sicherlich kein angenehmer Zeitgenosse, der dazu noch sein ungenügendes Demokratieverständnis bei jeder besseren Gelegenheit öffentlichkeitswirksam zur Schau stellt. Das aber stellt ihn politisch allenfalls auf eine Stufe mit Russlands Desperados, also mit diesen ‚lupenreinen Demokraten‘ aus den Volxrepupplicken, folgt man mal der selbstgewissen Ansicht unserer Alu-Hüte. Fakt aber ist – weit und breit ist kein Faschismus zu erwarten, allenfalls in Donezk und Luhansk. Was nun, ‚Russia Today‘? Ich denke, einfach nicht darüber berichten. Ach so, das macht ihr sowieso schon … wie sagt Tucholsky: ‚Wichtig ist, was nicht in der Zeitung steht.‘

Nebenbei bemerkt: Bei dem ‚erneuten Beschuss von Donezk‘ dürfte es sich, sieht man mal von der Gegend um den Flughafen ab, vor allem um die fortdauernden ‚innerrebellösen Auseinandersetzungen‘ handeln. Dort wird nämlich gerade der zukünftige Bürgermeister ausgeschossen, in Machtkämpfen nach Mafia-Art. Es gibt dort mindestens eine ‚Minsker Fraktion‘, dann die ‚Anti-Minskaner‘ und ein paar Kosakenhäuptlinge als ‚rollende Kanonen‘, die jenseits jeder Strategie stehen. Alle haben sie russische Waffen, und in dem blutigen Teig wühlen hintergründig wohl Janukowitsch, Akhmetov und natürlich Putin nach Kräften herum. Tscha, wenn du Bekloppten Waffen gibst, wird die Situation zunehmend bekloppter … darüber schreibt aber auch keiner, jedenfalls nicht in den Leid-Medien:.

„Es ist eine Konfliktverschärfung unter einzelnen DVR-Gruppen, wie auch mit den Kadertruppen der russischen Armee zu beobachten. Die Zusammenstösse sind mit den verschiedenen Zielsetzungen und Methoden der Kriegsführung verbunden. Die örtlichen Separatisten treten immer erbitterter in den Konflikt mit den angereisten russischen „Befreiern“.

Was also hat das alles gebracht? Reden wir mal über Putins Erfolge:

1. Die Ukraine ist pro-europäischer denn je.
2. Russlands Devisenreserven schmelzen dahin wie ein Schneemann im Sommer.
3. Die EU spricht wieder mit einer Stimme.
4. Auch Finnland und Schweden sind auf dem Weg in die Nato, neue Truppen stehen plötzlich in Osteuropa.
5. Nachrüstung ist in ganz Europa wieder ein Thema.
6. Putin gilt wahlweise als Irrer oder als notorischer Lügner.
7. Im russischen Imperium regt sich überall der Separatismus.
8. Russland ist völlig isoliert, den eurasischen Gedanken kann es sich in die Pfanne hauen.
9. Die ‚russische Stimme‘ wird als Propaganda-Show wahrgenommen, die vor keiner Lüge zurückschreckt.
10. Niemand setzt mehr auf russische Öl- und Gaslieferungen. Überall werden Alternativen entwickelt.

Well done, Mr. President!

3 Kommentare

  1. Einspruch: Ria Novosti weiß es besser, „Faschisten und Russlandhasser drängen ins ukrainische Parlament“, und das „trotz einiger Zweifel an der Objektivität der Kiewer Meinungsforscher“.
    Außerdem erinnere ich mich noch sehr genau, wie nach der Wahl Poroshenkos ein deutsches Sprachrohr des Kreml feststellte, damit habe die EUSA ihre faschistische Herrschaft in der Ukraine gefestigt.
    Merke: es gibt keine nicht-faschistischen Parteien in der Ukraine. Außer der „kommunistischen“ natürlich…

    http://de.ria.ru/zeitungen/20141001/269684437.html

  2. Auf Reddit wurde diese Umfrage verlinkt, die eine Menge interessanter Ergebnisse enthält:

    http://www.ifes.org/~/media/Files/Publications/White%20PaperReport/2014/IFES%20Ukraine%20Survey%20Sep%202014%20PP

    Besonders aufschlußreich ist die Frage nach dem Vertrauen in verschiedene Institutionen. Die Liste wird angeführt von den ukrainischen Streitkräften, gefolgt von den ukrainischen Medien, den pro-ukrainischen Freiwilligenverbänden und den Kommunalpolitikern. Am wenigsten vertraut wird den russischen Medien, der Rada und der ukrainischen Polizei.

    Und was den von den Putin-Trollen immer wieder beschworenen „demokratisch gewählten, weggeputschten Präsidenten“ betrifft, so ist der so populär wie die Beulenpest: Janukowytsch vertrauen nicht einmal 2 %, während 87 % keinerlei Vertrauen in ihn haben.

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