Der Konditionalsatz führt bekanntlich mit einer Wenn- oder Falls-Formel hinterrücks zunächst eine Prämisse ein. Dem Rest des Textes fällt es dann schwer, das vorangestellte semantische Stoppschild zu ignorieren. Allerdings nur auf den ersten Blick – Texte sind immer in jede Richtung redigierbar und grundsätzlich Auslegungssache. Wie auch in diesem Fall, wo einige tausend Menschen zukünftig ihre Existenz verlieren und auf die Straße gestellt werden sollen.

Zwar hält sich mein Mitleid mit Bankern in Grenzen – trotzdem ist die stilistische Gewalt beeindruckend, welche – unausweichlich scheinend – eine kleine Prämisse durch diese pseudo-logische Überrumpelung ausübt:

„Wenn wir unsere Ertrags- und Wachstumsziele unter anhaltend schwierigen Rahmenbedingungen erreichen wollen, sind Anpassungen der Personalstruktur notwendig“, sagt Personalvorstand Ulrich Sieber laut der internen Mitteilung.

An diesem Satz ist nur solange alles halbwegs richtig, wie das ‚Wenn‘ nicht angetastet wird, ebenso die Hilfstruppen verbündeter ‚Rahmenbedingungen‘. Sucht man in diesem Ökonomen-Geschwurbel aber nach der Alternative zu einem Rausschmiss – äh, natürlich zur ‚Anpassung der Personalstruktur‘ – dann ist regelhaft der Wenn-Satz die hinterfragbare Größe.

Denkbar wäre nämlich auch ein bewusstes Nichteinhalten der „Ertrags- und Wachstumsziele“, die ja schließlich nicht vom Himmel gefallen sind. Vielmehr würden die betroffenen Mitarbeiter gern mal erfahren, wer genau diese ‚Ziele‘ eigentlich wie einst Moses vom Berg Sinai herabgetragen haben soll – und vor die Wahl zwischen Arbeitslosigkeit und vergrätzte Aktionäre gestellt, wüsste ich auch, wie sie sich entscheiden …