Hannelore Kraft gilt als die starke Frau der SPD“, schrub dem darob nicht sonderlich überraschten Leser der Dschang in seinem Neuesten. Am kleinen Wörtchen ‚gilt‘ erkannte er nämlich gleich: Für den Jan Fleischhauer ist sie’s nicht, denn er sieht, was niemand je sah. Tscha, Überraschung! Aber warum ‚ist‘ sie’s bloß nicht? Hält unser Spiegelmännchen die Andrea Nahles wirklich für stärker?

„In jeder Firma gibt es jemanden, der im Namen der Mitarbeiter auf die sogenannte Hauskultur achtet“, so bemüht unser Canalleto des Journalismus jetzt einen Vergleich, der ausnahmsweise recht zutreffend ist. Denn in jedem größeren Unternehmen gibt es tatsächlich einen ‚Corporate-Governance-Beauftragten‘, der dafür zu sorgen hat, dass das Unternehmen nicht plötzlich dämlich in der Landschaft herumsteht, wie bspw. zuletzt Daimler in Sachen ausufernder Werkverträge. Solche Manager-Positionen sind im modernen Wirtschaftsgeschehen auch sehr weit oben, direkt auf der Führungsebene, angesiedelt.

Was aber macht der Dschang? Er macht aus einer großmächtigen Corporate-Governance-Beauftragten der SPD einen kleinen kläffenden Fiffi, eine bessere Hausmeisterin, die völlig überlebte Tugenden hochzuhalten hat, zum Beispiel also die sozialdemokratische Seele: „Weiterführende Ideen sollte man von diesem Typ des nörgelnden Wächters des Betriebsfriedens nicht erwarten, dazu ist seine Weltsicht zu eng.“ Tschaja, ‚weitsichtig‘ und ‚weiterführend‘ wäre natürlich eher ein Fleischhauersches Potpourri gewesen, unter kernigem Absingen von INSM-Hymnen, selbst wenn’s die SPD danach nicht mehr gäbe.

Dieser Mief aus Gewerkschaftsklitsche und Sozzen-Fahnen aber, der dort zwar nicht durch die Düsseldorfer Regierungsgänge, wohl aber weiter unten als Phantasieprodukt durch schwarze Kanäle weht, der trug die Frau unbestreitbar und immerhin an die Spitze des größten Bundeslandes. Oder war’s damals der ölige Charme des Herrn Röttgen, der ihr die Menschen in die Arme trieb? Egal …

Im Folgenden, bei der Conclusio, tritt dem Jan Fleischhauer dann ganz offensichtlich und für den Leser wirklich einmal überraschend die Angela Merkel vors innere Auge: „Es ist eine Sache, ob man ordentlich ein Bundesland regiert oder ob man sich anschickt, ins Kanzleramt einzuziehen. Da genügt es dann nicht mehr, dass man schöne Eröffnungsreden halten kann und immer so leutselig lächelt.“ Doch doch, Jan Fleischhauer – das genügt offensichtlich schon, und zwar schon im neunten Jahr …