Stilstand

If your memory serves you well ...

Völlig richtig, Sascha Lobo!

Diese wildwüchsig herumpöbelnden Journalisten sollten sich endlich an den gesitteten Umgangsformen im Netz ein Beispiel nehmen und ein wenig mehr Contenance einüben. Mit deiner Forderung nach einer „vernünftigen Beleidigungskultur“ statt des unvernünftigen Zeterns der Pressevertreter gehe ich völlig d’accord:

„In der digitalen Öffentlichkeit muss eine vernünftige Beleidigungskultur entwickelt werden. … Dabei geht es nicht um die vollständige Abschaffung des Straftatbestandes der Beleidigung, sondern um eine fortschrittsbedingte Anpassung.“

Der Ton der Alphajournalisten aus den Holzmedien schlug längst über alle Stränge, die ganze Meute war außer Rand und Band geraten. Hier nur das jüngste Beispiel:

Broder: „Ja, Sie sind ein ungemäßigtes Arschloch!“
Student: „Sie bezeichnen mich also als Arschloch?“
Broder: „Ja, Du bist ein ungebildetes Riesenarschloch!!!“ – Unruhe im Publikum –
Broder: „Du mit deinen Positionen bist ein blöder Lümmel (Pause), du bist ein linker Penner!“ – Unruhe –
Student: „Würden Sie mir nochmal ins Gesicht sagen, dass ich ein Arschloch bin?“
Broder (wiederholt vier bis fünf mal): „Du bist ein ungemäßigtes doppeltes Riesenarschloch.“
Dann habe Broder den Studenten noch als Mitglied der Waffen SS und der Stasi bezeichnet.

So, wie bei den Journalisten auf dem Podium sollte es unter kultivierten Menschen wirklich nicht zugehen. Die würden uns mit ihrem Gepöbel am Ende noch das ganze Netz versauen …

3 Kommentare

  1. Wolfgang Hömig-Groß

    18. Februar 2011 at 9:59

    Tja, aber wenn man dann mal genauer forscht, war es doch ein bisschen (nicht ganz!) anders. Der Ausschnitt bestimmt die Debatte, und obwohl ich Broder ganz, ganz schrecklich finde, sollte man es so nicht machen, das macht es am Ende auch nur den Falschen leicht.

  2. Naja, die Debatte entzündete sich an der ‚Ausgewogenheit‘ eines Podiums, das mit Broder, Sarrazin, Karasek und einem Alibi-Muslim – der wohl eher zur Vorurteilsbestätigung anwesend war – sicherlich keineswegs ‚ausgewogen‘ besetzt war. Es war schlicht eine Provokationsveranstaltung der deutschen Islamophoben. Darauf hätte man ja argumentativ eingehen können, zum Beispiel wie es überhaupt zu dieser Besetzung kam und weshalb dies vielleicht sinnvoll sei etc.

    Hier ging es mir ja auch eher um die Komik einer ‚verkehrten Welt‘, dass nämlich die Journalisten ständig von einem ‚pöbelnden Internet‘ daherschwätzen, wobei sie sich in sittlichem Ernst energisch den Schlips zurechtzurücken pflegen, obwohl es in der Realität sich oft genug doch genau umgekehrt verhält. Ich denke dabei an die „Klowände des Internet“ oder an „all den Dreck, der jetzt durch die Gullis emporgeschwemmt wird“.

  3. Wieso erstaunt mich Broders Sprache nicht (mehr)?
    Ich hatte mich früher (viel jünger und dümmer), als ich die ersten Internet-Blogs entdeckte, auch mal in Broders Blog verirrt, fand manches erfrischend (=witzisch) formuliert, aber schnell merkte ich doch: oha, hier bin ich verkehrt. Vor allem, als ich das Foto entdeckte, auf dem H. Mittelinitial Broder mit den PI-Leuten auf einem schönen Erinnerungsfoto zusammen posierte.

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