Stilstand

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Vernichtungs-Rhetorik

Entweder [Janukowitsch] verteidigt den ukrainischen Staat und vernichtet die Rebellion, die von Kräften aus der Finanzwelt und aus dem Ausland provoziert wird. Oder er riskiert den Machtverlust, zunehmendes Chaos und einen internen Konflikt, aus dem kein Ausweg zu sehen ist“, sagte Putins Wirtschaftsberater Sergej Glasjew. … Auch Ramsan Kadyrow, der moskautreue Präsident Tschetscheniens, rief Russland dazu auf, die Ukraine und Georgien „zu vernichten“. Dem britischen Telegraph sagte er: „Georgien, Südossetien, die Ukraine – diese Liste könnte man noch lange fortsetzen. … Warum müssen wir immer leiden, wenn wir auch das, was uns stört, einfach vernichten können? Wir sind mächtig, wir haben alles: die Armee, die Technologie. Wir müssen eingreifen.“

Jaja, den Worten folgen zumeist auch Taten, wie das Echo dem Donner. Der große Wahlmanipulator Janukowitsch soll eine ‚Verfassung‘ verteidigen, die keine mehr ist, seit er sie bis zur Unkenntlichkeit verbogen hat. Er soll für eine ‚Sicherheit‘ garantieren, die im Land nur noch für Oligarchen gilt. Und er soll eine ‚Integrität‘ bewahren, die kein vernünftiger Mensch den Regierungsmitgliedern dort mehr zugesteht. Was wir hören, das ist das ‚Neusprech‘ der östlichen Autokraten und Finanzmagnaten – und die propagieren jetzt den Krieg gegen andere Nationen. Der Maidan soll ihr Sender Gleiwitz sein.

Nachtrag: Der Zynismus dort hat längst stalineske Ausmaße erreicht: „Bulatow stehe unter Verdacht, die Entführung nur vorgetäuscht zu haben, um die Unruhen in der Ukraine anzuheizen, sagte ein Mitarbeiter der Innenbehörde.“ Ein klarer Fall von Selbstverstümmelung also … und ein großer Teil des Kommentariats bei FAZ, Zeit und Spiegel klatscht und johlt dazu, nach dem Motto ‚Das halbe Ohr ist doch noch dran‘. Das Wort ‚Ekel‘ beschreibt meinen Zustand ziemlich präzise.

7 Kommentare

  1. apropos „vernichten“. joffe hat mich auf die idee gebracht, wenn schon denn schon – ich habe also eben meine erste eigene petition gestartet

    „Das Übel an der Wurzel packen – ZDF abschalten“

    ich will also nicht, daß _eine_ person rausfliegt, jetzt will ich die ganze „rasse“ mit „stumpf und stil“ (ich übe schon mal, wie du merkst) „ausgerottet“ wird (kann ich schon ganz gut, wa?)

    ich freue mich über jeden, der sie zeichnet 😉

  2. Es ginge auch weniger martialisch. Kadyrew muß ja den starken Mann spielen, damit seine Tschetschenen ihn ernst nehmen. Unter den Oppositionellen findet man genügend Oligarchen, Nazis, Antisemiten, die noch dazu vom Westen unterstützt werden. Janukowitsch kann gute Rechtfertigungsgründe anbringen, um loszuschlagen, wenn er nur wollte. Das tut er aber bis jetzt nur auffallend halbherzig. Das ist bemerkenswert. Wenn seine Polizei sich nach denselben Maßstäben richten würde, wie sie im Westen üblich sind, dann könnten ARD und ZDF und die Zeit im Prinzip nichts dagegen einwenden (tun sie aber trotzdem). Svoboda an der Macht sind mit Sicherheit eine größere Gefahr als Besetzer der „Roten Flora“.

  3. Nun ja – der Janukowitsch-Clan hat den größten Teil seines Raubgeldes im schönen Österreich angelegt. Wenn sie da nicht mehr rankämen … oha, oha! Und wärst du lieber ein großer Oligarch in der Ukraine – oder ein klitzekleiner Oligarch in einem postsowjetischen Satellitenstaat à la Lukaschenko? „Zahlreiche Präsident Janukowitsch nahestehende Granden nutzen Wien als Drehscheibe für ihre Geschäfte.“

    Die Svoboda ist übrigens auch im Westen der Ukraine nur eine Zehn-Prozent-Partei, insofern gibt es keinen großen Unterschied zur Stärke rechter Parteien hier. Auf der Bühne ausgepfiffen wird die Svoboda längst ebenso wie die anderen Vertreter, sobald die sich ‚kompromisslerisch‘ zeigen. Die Meinungsführerschaft hat dort die ‚Spilna Sprawa‘ (Gemeinsame Sache), eine Gruppierung, die sich erst auf dem Maidan formierte. Antisemitische Töne habe ich bisher von denen noch nicht gehört. Woher auch? Der Gegner, die kleptokratisch-politische Kaste Janukowitschs, besteht doch meist aus slawischen Arbeiter- und Bauernsöhnen mit einem überdimensionierten Greifreflex.

    Erhellendes findet sich übrigens auch hier: „Wie soll man die Ruhe behalten, wenn gemordet wird?“

  4. ich freue mich über jeden, der sie zeichnet

    Na siehste, so kommen wir doch noch zusammen 🙂

  5. danke, gerald.

    wir werden nie auf die vorgelegte zahl kommen, aber immerhin halten wir den druck im kessel 😉

  6. Wenn so etwas in französischen Banlieues passieren würde, dann wäre das ein Thema in der Tagesschau:
    http://www.juedische-allgemeine.de/article/view/id/18142
    http://www.heise.de/tp/artikel/40/40850/1.html
    http://www.heise.de/tp/artikel/40/40495/

    Na ja, ich wäre derzeit nicht gern Jude oder schwul oder Tschetschene oder mehreres gleichzeitig in Osteuropa und ganz besonders nicht in der Westukraine. Das hat nur indirekt etwas mit den derzeitigen Protesten zu tun. Aber der gewalttätigste Teil der ukrainischen Politlandschaft ist Teil der Opposition. Und auch, wenn sie in Wahlen nur 12 % bekommen, sind sie gefährlich, wenn sie Teile des Staatsapparat inflitriert haben wie in Griechenland die Polizei und sich die fehlenden Prozente mit Gewalt beschaffen.

    Mal abgesehen davon, ist es ja vollkommen egal, welcher Oligarch regiert, ob Janukowitsch oder die Gasprinzessin oder dieser Fitasch oder noch ein anderer Kleptokrat. Wirklich vertrauenswürdig ist niemand der Protagonisten.

  7. Nun ja, die Präsidentengarde ‚Berkut‘ ist ja auch kein Kind von Traurigkeit. Übersteigerte, rechtsfaschistoide Männerbündelei mit ultranationalistischem Anstrich findest du überall dort, wo einerseits das Bildungswesen in Trümmern liegt, wo man sich andererseits zugleich als ‚Opfer‘ des Zweiten Weltkriegs sieht. Keine Aufbereitung, keine Einsicht. Weshalb ist bspw. die FPÖ so stark, obwohl doch der GröSchwaZ höchstselbst aus Österreich stammte? Genau – weil man angeblich ‚das erste Opfer‘ des Nazismus war. Pfffft!

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