Unsere Wirtschaftseliten – wenn jemand diese Figuren in Zeiten der selbstverursachten Finanzkrise noch so nennen will – die pflegten einen Sprachgebrauch, der von anderen Zeitgenossen wahlweise als ‚Bullshit‚, als ‚typisches Managergebrabbel‚ oder – von den willigen Nachahmern – als ‚Sprachideal‚ betrachtet wurde. Heute, wo diese Eliten sich eher als neoliberale Geisterfahrer auf dem Highway Richtung Zukunft erwiesen haben, da will ihr Gebrauchtvokabular in den Hirnen des Publikums nicht mehr so recht zünden. Einige Beispiele:

„Nicht zum Nulltarif zu haben“: Was war nicht alles ’nicht mehr zum Nulltarif zu haben‘: Gesundheit, Trinkwasser, Heizenergie, Transport von A nach B – jede Erhöhung der Preise durch private Investoren wurde von diesem Spruch begleitet. Heute dagegen wären selbst isländische Banken zum Nulltarif zu haben, Pessimisten reden von ganzen Staaten, die demnächst zum Schnäppchenpreis auf den Markt kommen sollen. Kurzum: Diese Redewendung entlarvt jeden Sprecher als hoffnungslos hinter der Zeit zurück …

Häppchen: Langatmiges und Zusammenhängendes könne dem Publikum nicht zugemutet werden, hieß es in allen Verlagen, ‚Facts‘ und ‚Figures‘ wären viel wichtiger. Publizistisch kam hinten dann meist ein Konfetti-Magazin wie Helmut Markworts ‚Fokus‘ dabei heraus, der selbst nie wusste, weshalb er auf der Welt war, der seine eiligen Leser stattdessen mit wild gestreuten ‚Info-Häppchen‘ ohne jeden Zusammenhang verwöhnte. Heute wiederum würden wir uns wünschen, deutsche Journalisten hätten uns mit Reportagen und Sinnzusammenhängen mehr umgarnt statt mit Britney Spears‘ Liebesabenteuern. Der so genannte ‚Häppchen-Journalismus‘ ist inzwischen mega-out – der Leser giert nach Sinn und flieht aus den Holzbuden von Häppchenhausen. Und auch die Printjournalisten finden, wie man hört, immer weniger Gelegenheit für Häppchen und willige PR-Schnitten …

Hausnummer: Der Neoliberalismus war die Zeit des großen Ungefähr. Wenn jemand sein Mega-Strunz-Duper-Hyper-Projekt vorgestellt hatte, dann wollten die geneigten Geldgeber zuletzt eine „Hausnummer“ wissen. Auf eine Million mehr oder weniger kam es da nicht an, alle Welt rechnete in jenen glücklichen Zeiten wie die koksnäsigen Investmentbanker. Wer allerdings heute nur mit einer „Hausnummer“ im Kopf noch nach einem Kredit fragen wollte, der hätte sich wohl gewaltig in der Hausnummer geirrt …

fundiert: Der ganze Neoliberalismus beruhte auf ‚fundierten Analysen‘, auf ‚fundierten Gewinnerwartungen‘ usw. Dass diese meist nur irgendwelchen ‚fund(s-bas)ierten Idealisten‘ auf den schönen Gesellschaftsinseln nützten, das kam meist später heraus, dann, wenn das Geld weg war. An die Stelle einer durch Rating-Agenturen und Expertisen ‚fundierten Wirtschaft‘, die in Wirklichkeit eher einem Fass ohne Boden glich, da ist im allgemeinen Sprachgebrauch längst wieder die ‚Realwirtschaft‘ getreten, die sich auf die Produktion stützt statt auf Derivate, während das Wort ‚fundiert‘ bis auf weiteres Ausgangsverbot erhalten hat …

*** wer will, soll’s ergänzen ***