Stilstand

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Über Lohnschreiber

Wenn Journalisten über die Blogger herziehen und sich dabei auf ihre Professionalität berufen, dann wollen sie uns darauf hinweisen, dass sie das Schreiben zum Brotberuf gemacht haben. Während die anderen doch bestenfalls ‚Dilettanten‘ seien, die ja noch nicht einmal Geld für ihre Krakelei bekämen. Fragen wir zum Thema jemanden, der größer ist als ich:

„Dilettanten! Dilettanten! – so werden Die, welche eine Wissenschaft, oder Kunst, aus Liebe zu ihr und Freude an ihr, per il loro diletto, treiben, mit Geringschätzung genannt von Denen, die sich des Gewinnes halber darauf gelegt haben; weil sie nur das Geld delektirt, das damit zu verdienen ist. Diese Geringschätzung beruht auf ihrer niederträchtigen Ueberzeugung, daß Keiner eine Sache ernstlich angreifen werde, wenn ihn nicht Noth, Hunger, oder sonst welche Gier dazu anspornt. Das Publikum ist desselben Geistes und daher derselben Meinung: hieraus entspringt sein durchgängiger Respekt vor den „Leuten vom Fach“ und sein Mißtrauen gegen Dilettanten. In Wahrheit hingegen ist dem Dilettanten die Sache Zweck, dem Manne vom Fach, als solchem, nur Mittel: nur Der aber wird eine Sache mit ganzem Ernste treiben, dem unmittelbar an ihr gelegen ist und der sich aus Liebe zu ihr damit beschäftigt, sie con amore treibt. Von Solchen, und nicht von den Lohndienern, ist stets das Größte ausgegangen.“

Schwer zu widerlegen, diese Argumentation des Herrn Arthur Schopenhauer …

7 Kommentare

  1. Wo steht die nette Trouvaille niedergeschrieben? Hab grad Lust bekommen meine angebersche Schoppenhauer-Gesamtausgabe auch mal wieder irgendwo aufzuschlagen…

  2. Du findest das Zitat (Haffmans Ausgabe 1988) im Band ‚Parega & Paralipomena II, S. 426 f. / Kapitel: Ueber Gelehrsamkeit und Gelehrte, § 249

  3. Wolfgang Hömig-Groß

    10. Juni 2010 at 17:25

    Interessant auch der Abwertungsprozess, den die Wörter hinter sich haben – eigentlich kann doch nichts Schlechtes dabei sein, etwas aus Liebe (Amateur) oder zum Vergnügen (Dilettant) zu betreiben.

  4. Schopenhauer und Friedell, die beiden großen deutschsprachigen Fürsprecher der dilettantischen Tätigkeit.

    Sagen Sie mal Herr Jarchow: Stöbern Sie regelmäßig in ihrem Schopenhauer, oder haben Sie in den letzten Monaten eine Schopenhauer-Phase, oder haben Sie ihren Arthur so gründlich gelesen, dass Ihnen die glänzend passen Stellen einfach so einfallen?

  5. @ molosovsky: Der Fritz Mauthner wäre in diesem Triumvirat auch noch zu nennen. Und natürlich der Heimito von Doderer, der außer ‚Kriegsheimkehrer‘ auch nichts gelernt hatte, ferner den Musil … und, und, und. Es sind gar nicht so wenige …

    Zur Frage: Den Schopenhauer habe ich tatsächlich mal nahezu ganz gelesen (bis auf die ‚vierfache Wurzel des Satzes vom zureichenden Grunde‘ – da schulmeisterte er noch arg).

    Heute weiß ich in etwa noch, wo was steht. Und ich gebrauche diesen Großkrieger fürs Selbstdenken des öfteren als Vademecum, wenn’s mir irgendwo zu ‚hegelianisch‘ (heute ’systemtheoretisch‘) zugeht.

  6. Ich hab mal kurz bei Karl Kraus nach „Dillettant“ gesucht, aber – zumindest in den etwa zwanzig ersten Fundstellen in der Fackel nicht Gegenteiliges – also ausgesprochen Negatives – gefunden. Einmal beschreibt K.K. sich sogar selbst & stolz als Dillettant.

  7. Ups, ‚tschuldigung für den dilettantischen Tippfehler mit dem Doppel-l.

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