Satzzeichen haben die Funktion, dem Leser einen Text verständlicher zu machen. Indem sie die Sätze denkgerecht vorstrukturieren. Doppelte Anführungszeichen – so die Konvention – dienen hierbei dazu, die wörtliche Rede kenntlich zu machen – oder aber direkte Zitate aus herangezogenen Quellen. So weit, so gut.

Schwieriger ist der Umgang mit den einfachen Anführungsstrichen, die ‚eigentlich‘ nur Binnenzitate kennzeichnen sollten, also Zitate in einem Zitat. Mit ihnen pflegt fast jeder Schreiber einen individuellen Umgang, der nicht in den Wörterbüchern steht, und er lässt dabei den Konrad Duden einen guten Mann sein. Wenn ich z. B. ‚aus dem Ungefähr‘ zitiere, oder noch nicht ganz das richtige Wort gefunden habe, oder aber meine persönliche Distanz zu dem verwendeten Begriff signalisieren will, dann greife ich zu diesem Mittel: Wenn man unsere NPD-Bonzen auf den Marktplätzen so reden hört, dann sind sie natürlich alles ‚gute Demokraten‘ … So in etwa – hier gebraucht als ironisch gebrochenes Zitat, um den Leser komplizenhaft in meine Gegnerschaft zu den mentaldefizitären Rattenfängern einzubinden.

Es gibt aber auch durchaus nützliche und eingeführte Begriffe, die ich nur ‚in Tüddelchen‘ gebrauche: So setze ich sie, sobald ich den Begriff einer literarischen ‚Wahrheit‘ gebrauche, um deutlich zu machen, dass diese Wahrheit mit der üblichen gerichtsfesten Wahrheit nur wenig gemein hat. Trotzdem gibt es natürlich eine literarische ‚Wahrheit‘, die in meinem Denkregal keinesfalls unterhalb der alltäglichen Wahrheiten aus Mathematik oder ‚Wer wird Millionär?‘ zu stehen kommt.

Tscha – und diese komplexen Regeln oder Gewohnheiten, die ich beim Schreiben angenommen habe, die lassen sich eben nur schlecht in die ‚Gesetze‘ des Dudens fassen. Trotzdem sind auch solche einfachen Anführungsstriche nützlich – ähnlich wie die Klingel am Fahrrad …