In der FAZ schrub uns Thomas Petersen vom CDU-nahen Allensbach-Institut einen länglichen Besinnungsaufsatz zum Amerikabild der Deutschen. Einleitend – und zutreffend – stellt er dort fest, dass die Deutschen von Barack Obama ein überwiegend positives Bild hätten:

„Seit fast einem halben Jahrhundert war kein amerikanischer Präsident in Deutschland so populär wie er.“

Dieser Befund dient ihm aber nur als ‚Captatio benevolentiae‘, als ein einleitendes Einräumen dessen, was man gleich wieder mit dem Mors umzureißen trachtet. Denn der Rest des Artikels befasst sich mit den vorgeblichen „Negativ-Klischees“, die immer mehr die Wahrnehmung der Deutschen organisierten. So präge bspw. ‚Kriminalität‘ die Vereinigten Staaten, sagten diese Deutschen, auch ‚große soziale Ungerechtigkeit‘, sowie die Mentalität einer ‚Wegwerfgesellschaft‘, verhetzt von organisierten Klimaskeptikern. Alles Befunde, wo die Bundesbürger sich dann doch ziemlich eng an die mediale Realität ihres Landes angelehnt hätten; Befunde, die auch nicht wirklich überraschen, nach dem ideologischen Siegeszug von Fox TV und Tea Party in ‚God’s own country‘.

Zu Recht fasst Petersen auch den großen Schwindel des Irak-Krieges ins Auge, jenen Punkt, wo das Amerikabild in Deutschland endgültig ins Negative umschlug: Der Anti-Amerikanismus erhielt damals einen ‚American Kickstart‘ – durch das Faseln von Massenvernichtungswaffen, durch Auftritte auf Flugzeugträgern, und ähnliche imperiale Siegesposen. Schorsch Dabbeljuh und seine Milliardärs-Gang leisteten bei der lügenbasierten Zerstörung des amerikanischen Traumes in der Welt wahrlich ganze Arbeit.

Was aber schließt jetzt Thomas Petersen aus solchen Befunden? Etwa, dass die USA dank Obama ihr Verhalten glücklicherweise wieder ändern würden, dass sie aber noch mehr Selbstaufklärung betreiben sollten? Aber nicht doch! Es sei die deutsche Bevölkerung, die angeblich „Stereotype“ in ihren Köpfen herumträgt:

„Wer der Verbreitung negativer Zerrbilder nicht entgegentritt, darf sich nicht wundern, wenn sich allmählich ein Klima des Antiamerikanismus breitmacht.“

Schwupps – wehret den Anfängen, denn alles, was unser Spin-Doktor Thomas Petersen soeben noch aufzählte, wäre in Wirklichkeit gar nirgends nie passiert. Gut begründete Ansichten über ein Land mutieren im Allenbach’schen ‚Wind of Change‘ zu ’negativen Zerrbildern‘. So ist die Demoskopie, zumindest dort, wo sie sich als Dienstleister betrachtet. In mancher Buchhaltung würde man schon gerne mal Mäuschen spielen …