Stilstand

If your memory serves you well ...

Tagesschau, aufwachen!

Ihr schreibt uns, dass ihr doch nur eurem „täg­li­chen, tau­send­fach wie­der­hol­ten Mus­ter“ gefolgt seid, dass ihr euer „be­währ­tes Re­le­vanz­ras­ter“ angewandt hättet, das „per­ma­nent über­prüft [wird] mit Blick auf eine ver­än­der­te Lage an den Schau­plät­zen der Ge­scheh­nis­se.“ Nie aber würdet ihr euch dem Druck der Straße beugen! Sagt mal, merkt ihr noch was?

Rings um euch verändert sich die Welt, aber ihr redet daher wie mit Kukident und Prothese im Maul, dazu mit Adenauer und Heinz Erhard im Kopp. Passt ein Sprachgebrauch mal nicht zu euren bemoosten und „kno­chen­tro­cke­nen Ab­wä­gungs­pro­zes­sen“, dann richtet ihr den Finger reflexartig auf andere Leute und faselt was von ‚Shitstorm‘ daher. Sagen wir’s mal so, ein ‚Shitstorm‘ wäre es nur dann gewesen, wenn darin auch ‚Shit‘ enthalten wäre. Das aber war mitnichten der Fall (- – – na gut, ein paar versprengte Weltverschwörungstheoretiker sind immer dabei).

Zumeist aber wurden nur eingerostete Entscheidungsmechanismen hinterfragt, oft mit sehr validen und einsichtigen Argumenten. Was wäre zum Beispiel an diesem Einwurf ‚Shit‘ gewesen:

„Ein Shitstorm sind Kommentare, die nur als Störung und frei von jedem Inhalt gepostet werden. Hier haben sich aber viele über das Vorgehen der Tagesschau mit eindeutigen Argumenten und mit Kritik empört. Das ist ein Riesenunterschied! Wir sind doch die, die ihr informieren sollt. Warum ihr euch keine Gedanken macht und kein bißchen darauf eingeht, dass vielleicht ja auch was dran sein könnte an der Kritik, finde ich nicht sonderlich seriös.

Ich habe ein bißchen das Gefühl, dass ihr viel zu lange vom Volk in Ruhe gelassen worden seid, und jetzt selber nur noch ganz schlecht damit umgehen könnt, wenn ihr mal ordentlich Gegenwind bekommt. Die Menschen werden böse, wenn sie sich nicht ernstgenommen fühlen. Das habt ihr mit Kommentaren wie diesem super hinbekommen.“

Schöner kann ich’s auch nicht sagen. Anders formuliert: Ihr habt kommuniziert wie die Rohrkrepierer, euer seltsamer Korrespondent vor Ort sieht dort nur „3.000 Teilnehmer„, wo jeder mit Augen im Kopf mindestens Zehntausende sieht, ihr versteht nicht, dass in Spanien das Schicksal einer ganzen europäischen Jugend verhandelt wird, weshalb die Solidarität ja so groß und übergreifend ist, und es war letztlich nur euer eigener Shit, der bei euch in der Redaktion in den hauseigenen Ventilator flog. Krabbelt also mal von eurem Welterklärungs-Hochsitz herunter, stellt euch zu eurem Publikum auf den Bürgersteig, wie andere Leute auch, und redet mit ihm auf Augenhöhe – und nicht in diesem Opa-Stil, demzufolge alles schon deshalb ganz toll sei, weil ihr das schon immer ‚relevanzrastermäßig‘ so gemacht habt. Wer sich nicht verändert, ist schon morgen zurückgeblieben … und der Journalismus macht es heutzutage selbst, dass ihm die Leute wegrennen.

2 Kommentare

  1. Rainer Wolf:
    der Schrieb hier oben?
    der Schrieb der Tagesschau-Site?
    der zitierte Schrieb (in Grün) darauf?

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