Stilstand

If your memory serves you well ...

Schlagwort: USA

Migranten und Kriminalität

Draft Riots in New York

Dass jede Migrationswelle zu Unruhen unter den etablierteren Gruppen führt, ist bekannt. Ein schönes Beispiel bilden die USA. Als die Iren nach der großen Hungersnot auf der grünen Insel zu Hunderttausenden nach Ellis Island strömten, sorgte dies für Krawalle unter den bereits Eingewanderten. Nicht nur die WASP’s wandten sich gegen die Hungerleider, sondern auch die immigrierten Deutschen, die zuvor noch am Ende der Nahrungskette saßen. Der Katholizismus der Iren wurde dort einst so verteufelt wie heutzutage der Islam. Noch die Wahl Kennedys war für viele Alteingessene ein Skandal.

Als dann der amerikanische Bürgerkrieg ausbrach, führten zunächst vor allem die Iren einen erbitterten Kampf gegen die ‚Nigger‘, die nach einer Sklavenbefreiung ihnen die Arbeitsplätze streitig machen könnten. Der Vorletzte beißt immer den Letzten. Es kam zu tagelangen Straßenschlachten in den Straßen amerikanischer Großstädte, den sogenannten ‚Draft Riots‘.

Jede ‚Migrantenwelle‘ findet sich also zunächst ganz am gesellschaftlichen Ende in der neuen Heimat wieder – und das heißt auch ‚im kriminellen Milieu‘: Drogenhandel, Schutzgelderpressung, Prostitution, Glücksspiel – das alles sind die gegebenen ‚Geschäftsfelder‘ der jeweils letzten Migrationswelle. Die Iren bauten zunächst die amerikanische Unterwelt auf, dann wurden sie von den eingewanderten Ostjuden verdrängt, bevor die Italiener das Bizziniss übernahmen, die dann ihr Geschäft weitgehend an die Schwarzen verloren, bevor heute die ‚Latinos‘ übernahmen. Es ist alles ebenso banal, wie vorhersagbar.

Auch bei uns lassen sich solche Wellen verfolgen, auch wenn sich alles natürlich ein wenig vermischt: Auf die Italiener der Bella-Italia-Jahre folgten die Türken, dann die Albaner, die Kurden und Palästinenser, heute kämpfen Libanesen und Nordafrikaner um den Markt. Im Hintergrund solcher Geschäftsübernahmen stehen aber immer die ‚Fluchtgründe‘, also Hunger, Kriege und Gewalt – von der Korruption in Italien über die Militärherrschaft in der Türkei bis hin zu den Jugoslawien-Kriegen und Assads Bombenterror in Aleppo. Die Kriminalität wiederum gibt es, weil es einen Markt dafür gibt. Vor allem unter den ‚Alteingesessenen‘ …

Dumpf ist Drumpf

Francisco Goya: Saturn frisst seine Kinder / Public Domain

Francisco Goya: Saturn frisst seine Kinder / Public Domain

Dieser großschnäuzige Enkel der deutschen Einwandererfamilie Drumpf ist also jetzt der mächtigste Mann der Welt – und prompt will er die Einwanderer rausschmeißen. Was von seinem begrenzten intellektuellen Horizont zeugt. Vielleicht hat er aber auch nur den Affen seiner Wählerschaft Zucker gegeben.

Ob von anderen wilden Forderungen viel übrig bleiben wird, müssen wir abwarten. Trump hat schließlich lange schon notorisch gelogen. Morgens wollte er dann regelmäßig nicht mehr wissen, was er abends gesagt hat. Gefährlich aber ist das „Ich, Ich, Ich!“ dieses entgrenzten Egomanen, die Neigung zu überschießenden Spontan-Handlungen und seine gnadenlose Selbstüberschätzung, die ihn ständig auf bewimpelten Podien im God-Like-Modus operieren lässt. Sozialer Fortschritt ist von einem Mann jedenfalls nicht zu erwarten, der als erstes die allgemeine Krankenversicherung wieder abschaffen will. Eher schon dürfte das ‚Gesetz des Dschungels‘ überall in den USA um sich greifen.

Die ‚letzte Hoffnung des weißen Mannes‘ ist jedenfalls keine. Daran allerdings trägt Joe Sixpack selbst die Schuld. Wer falschen Propheten hinterherläuft, wird am Opferstock zur Kasse gebeten.

Gegenrechnung

Wie du uns, so wir dir. Einer der beinharten Alu-Hut-Träger oder aber jemand aus den Reihen der propagandagelenkten Nashibots schreibt uns bei ‚Zeit online‘ diese bereits vielfach abgekupferte Liste in den ausufernden Thread der hirnverblasenen Ahnungs- und Gewissenslosen hinein:

„Vietnam
Panama
Grenada
Kosovo
Irak
Lybien
Eine Spur des Krieges.“

Bevor mir hier der Kragen platzt, ist es doch endlich mal Zeit für die niveauparallele Gegenrechnung:

„Vietnam
Angola
Mozambique
Afghanistan
Tschetschenien
Süd-Ossetien
Transnistrien
Abchasien
Syrien
Ukraine
Eine Spur des Krieges.“

Putinismus in den USA

Viele Republikaner verteidigen die CIA und sprechen von einer Schmutzkampagne gegen Ex-Präsident Bush.“

Ja, genau, alles nur von den liberalen Massenmedien des Westens inszeniert, um das Denkmal des großen Führers mit haltlosem Dreck zu bewerfen …

Die Nuland-Sch…ße

Manchen Blödsinn mag man einfach nicht mehr hören: Unsere Alu-Hüte, aus Mangel an sonstigen Argumenten, holen immer wieder die Frau Victoria Nuland aus der Rappelkiste, ihres Zeichens stellvertretende Staatssekretärin im US-Außenministerium. Um damit dann zu belegen, dass in der Ukraine mit amerikanischem Geld ein CIA-Putsch stattgefunden habe. Fünf Milliarden Dollar hätten die USA innerhalb von zwanzig Jahren in die Ukraine fließen lassen, und zwar an Timochenko wie auch an Janukowitsch – das sei doch unerhört, und Frau Nuland hätte das sogar zugegeben:

„Die 5 Mrd. US-Dollar, die durch unterschiedliche Organisationen für die „Demokratisierung“ von den USA in die Ukraine geflossen sind, sind Tatsache.“

Tatsache, beste Monosynapse, ist es aber auch, dass dies nur ein Bruchteil dessen ist, was die USA als größter Zahler von Entwicklungshilfe weltweit in jedem Jahr leisten:

„Auffallend ist der relativ große Anteil der USA in Höhe von fast einem Viertel der weltweiten Entwicklungshilfe, die sich im Jahr 2013 insgesamt auf etwa 135 Milliarden US-Dollar summierte.“

135 Mrd. mal 20 Jahre gleich 2,7 Billionen an US-Zahlungen an andere Länder. Und davon hätte die Ukraine doch tatsächlich ein Fünfhundertsiebzigstel bekommen. Dolle Wurst! Wenn die fünf Milliarden irgendetwas belegen, dann die Tatsache, dass die Ukraine in den USA immer unter ‚ferner liefen‘ rangierte …

Change?

Glaubt man den Zeitungen, dann hat in den USA in der letzten Nacht ein fundamentaler Politikwandel stattgefunden. Das aber ist Bullshit. Faktisch ist es so: Obama konnte vorher – wegen der Republikaner – keine vernünftigen Gesetze umsetzen, und er kann jetzt – wegen der Republikaner – erst recht keine vernünftigen Gesetze mehr umsetzen. Die Amerikaner haben den Stillstand wiedergewählt. That’s all … und in zwei Jahren dürfen die ‚alten weißen Männer‘ ein letztes Mal ran. Die Frage ist dann nur, welche Partei der ‚Grand Old Party‘ sich dann durchsetzt, die Konservativen oder die Bekloppten. Denn im Grunde haben die USA seit längerem schon ein Drei-Parteien-System …

Schlag auf den Alu-Hut

Moscow wants to improve ties with Washington and is not interested in a continued ’sanctions war‘ with the West, Russian Foreign Minister Sergei Lavrov said.“

Ja, wissen diese Verräter dort in Russland denn nicht, dass die Amerikaner der Hort alles Bösen sind? Schlimmer noch als Satan und weit noch vor Beelzebub!

Weniger hormonell konzipierte Figuren kämen vielleicht auf die Idee, dass hier Sanktionen zu wirken beginnen … aber das ist natürlich blanker Blödsinn, wie ihn nur die verlogene ‚Mainstream-Presse‘ im Dienste des zionistisch-imperialistischen Großkapitals zu verbreiten wagt!

Allerdings sind unsere Blech-Hüte außenpolitisch auch gerade ein wenig abgelenkt:

„Nein, ich glaube nicht daran dass dieser drängende Wunsch nach einem US-Style (vulgo Demokratie) die Menschen in Hongkong zu einem Aufstand treibt. Das ist eine Variation des Maidanismus sponsored by NED, Soros & Co.“

Endlich sagt’s mal einer! Wer Blech trägt, wird Blech reden …

Mal was Grundsätzliches

Bekanntlich – glauben wir mal den Linken und den Rechten – haben an allen Katastrophen dieser Welt nach wie vor der CIA und die USA schuld – wo nicht gar die EUSA, das neueste Monster auf dem postrevolutionären Grabbeltisch. Das ist der Paragraph Eins in allen altlinken wie auch faschistischen Glaubensbekenntnissen – bei einigen kommen dann noch die FED, die Banken, die ‚Mainstream-Medien‘ oder auch gleich die neoliberale Weltverschwörung hinzu. Allen voran zupft die ‚Querfront‘ auf den Montagsdemos diese Leier. Wie vernagelt muss man eigentlich sein, um nicht zu erkennen, dass geradezu das Gegenteil der Fall und dadurch auch die Ursache vieler Probleme ist?

Seit dem Amtsantritt Obamas ist es das erklärte Ziel amerikanischer Politik, sich aus Konflikten möglichst herauszuhalten, weltweit die direkte Präsenz abzubauen, die Gefahren für amerikanische Interessen lieber mit Hilfe einer flächendeckenden Datenüberwachung (Stichwort: NSA) zu erkennen, konkrete ‚Gefährder‘ aus sicherer Entfernung auszuschalten (Stichwort: Drohnen), mit Abkommen die eigene rechtliche Position zu verbessern (Stichwort: TTIP) und mit Hilfe eigener Entwicklungen sich vom geopolitischen Engagement in Konfliktregionen zunehmend unabhängig zu machen (Stichwort: Fracking). Keine militärischen Abenteuer, lautet das neue Motto. Allenfalls im pazifischen Raum zeigen die Amerikaner noch gelegentlich Militärpräsenz, indem sie ein paar Flugzeugträger ausrücken lassen.

Dieses Narrativ hat jedenfalls mehr Fakten für sich, als die linke Butzemann-Geschichte vom Ami, der hinter jeder Explosion auf dieser Welt zu stecken hat. Begleitet wird der amerikanische Rückzug von der Position des ‚Weltpolizisten‘ stets von der Aufforderung, die Europäer müssten endlich mal aus dem Quark kommen und sich eben selbst stärker engagieren.

Schon in Libyen mussten doch die Amerikaner eher zum Jagen getragen werden, im Irak hinterließen sie beim überstürzten, vor allem aber innenpolitisch motivierten Rückzug eine gefährliche Lücke, in welche jetzt religiöse Knallchargen hineinstoßen, und auch die Hilfe für die Ukraine ist eher symbolisch, hier ein Milliönchen und da ein Milliönchen. Seit Putin daraufhin Morgenluft witterte und den eurasischen Rappel bekam, drohen die Amerikaner im Grunde nur müde mit dem erhobenen Zeigefinger. Europa ist eben sehr fern von Baltimore …

Die Linken und die Rechten aber tun so, als wäre ihr altböser Feind noch immer allgegenwärtig, als dräue hinter jedem umgekippten Mülleimer die Fratze von Uncle Sam. Das ist purer Blödsinn. Wenn ein amerikanischer Vizepräsidentensohn ein Beratungsmandat bei einer winzigen ukrainischen Gasfirma erhält, dann ist das vielleicht schön für ihn, aber dies ist für rein gar nichts ein Indiz, jedenfalls solange diese Firma nach wie vor zu einhundert Prozent fest in slawischer Oligarchenhand ist. Kaum landet mal ein amerikanischer Politiker in Kiew, zetern sie ‚CIA!‘, überall wähnen sie Blackwater-Söldner wuseln (obwohl ‚Blackwater‘ schon 2009 mangels rentabler Konflikte und wegen anhängiger Klagen vom Markt ging), aber jenen infiltierten ukrainischen Geheimdienst, der bis unters Dach vollsteckt mit NKWD-Nachfolgeagenten, den vergessen sie dabei. Genauso die russischen Nashibots auf allen Foren, die so faustdicke Lügen verbreiten, dass sogar Pinocchio daran zu würgen hat. Und wenn sich Russland die Krim holt, dann geschehe das natürlich nur wegen des amerikanischen Interesses an den Gasfeldern im Schwarzen Meer. Wie doof darf man eigentlich sein – und weshalb holt sich denn dann Russland diese Gasfelder?

Kurzum – was die USA seit Obama betreiben, das ist eine Politik der ’splendid isolation‘, wie es sie in der Prä-Roosevelt-Ära schon einmal gab. Die letzte Weltmacht zieht sich auf ihren eigenen Kontinent zurück und lässt die anderen mal machen. Wo aber die Weltpolizeistationen plötzlich leerstehen, da ziehen naturgemäß ganz andere Leute ein …

That’s Spin!

In der FAZ schrub uns Thomas Petersen vom CDU-nahen Allensbach-Institut einen länglichen Besinnungsaufsatz zum Amerikabild der Deutschen. Einleitend – und zutreffend – stellt er dort fest, dass die Deutschen von Barack Obama ein überwiegend positives Bild hätten:

„Seit fast einem halben Jahrhundert war kein amerikanischer Präsident in Deutschland so populär wie er.“

Dieser Befund dient ihm aber nur als ‚Captatio benevolentiae‘, als ein einleitendes Einräumen dessen, was man gleich wieder mit dem Mors umzureißen trachtet. Denn der Rest des Artikels befasst sich mit den vorgeblichen „Negativ-Klischees“, die immer mehr die Wahrnehmung der Deutschen organisierten. So präge bspw. ‚Kriminalität‘ die Vereinigten Staaten, sagten diese Deutschen, auch ‚große soziale Ungerechtigkeit‘, sowie die Mentalität einer ‚Wegwerfgesellschaft‘, verhetzt von organisierten Klimaskeptikern. Alles Befunde, wo die Bundesbürger sich dann doch ziemlich eng an die mediale Realität ihres Landes angelehnt hätten; Befunde, die auch nicht wirklich überraschen, nach dem ideologischen Siegeszug von Fox TV und Tea Party in ‚God’s own country‘.

Zu Recht fasst Petersen auch den großen Schwindel des Irak-Krieges ins Auge, jenen Punkt, wo das Amerikabild in Deutschland endgültig ins Negative umschlug: Der Anti-Amerikanismus erhielt damals einen ‚American Kickstart‘ – durch das Faseln von Massenvernichtungswaffen, durch Auftritte auf Flugzeugträgern, und ähnliche imperiale Siegesposen. Schorsch Dabbeljuh und seine Milliardärs-Gang leisteten bei der lügenbasierten Zerstörung des amerikanischen Traumes in der Welt wahrlich ganze Arbeit.

Was aber schließt jetzt Thomas Petersen aus solchen Befunden? Etwa, dass die USA dank Obama ihr Verhalten glücklicherweise wieder ändern würden, dass sie aber noch mehr Selbstaufklärung betreiben sollten? Aber nicht doch! Es sei die deutsche Bevölkerung, die angeblich „Stereotype“ in ihren Köpfen herumträgt:

„Wer der Verbreitung negativer Zerrbilder nicht entgegentritt, darf sich nicht wundern, wenn sich allmählich ein Klima des Antiamerikanismus breitmacht.“

Schwupps – wehret den Anfängen, denn alles, was unser Spin-Doktor Thomas Petersen soeben noch aufzählte, wäre in Wirklichkeit gar nirgends nie passiert. Gut begründete Ansichten über ein Land mutieren im Allenbach’schen ‚Wind of Change‘ zu ’negativen Zerrbildern‘. So ist die Demoskopie, zumindest dort, wo sie sich als Dienstleister betrachtet. In mancher Buchhaltung würde man schon gerne mal Mäuschen spielen …

© 2017 Stilstand

Theme von Anders NorénHoch ↑