Stilstand

If your memory serves you well ...

Schlagwort: Satire (Seite 1 von 2)

Roland Tichy sagt ‚Tschulligung!‘

Da lässt also der Roland Tichy – aus welchen pathologischen Gründen auch immer – einen Beitrag schreiben, wo allen, die diesem knallrechten Hayekisten-Zirkus dort nicht zustimmend zunicken, eine Einweisung in die Psychiatrie empfohlen wird. Und zwei Tage später, nachdem der Shitstorm allen gehörig die Unnerbüx flattern ließ, will unser Hayekist von dem Erguss nichts mehr wissen. Der hochweise Beitrag ist perdü …

„Unterstellung von Pathologie ist für Tichys Einblick keine politische Diskussionsbasis. Davon distanzieren wir uns ausdrücklich. Roland Tichy und Redaktion bedauern das und bitten um Entschuldigung.“

Wohlgemerkt – der Beitrag erschien auf ‚Tichys Einblick‘, dem Tagebuch unseres abgehalfterten Wirtschaftswoche-Chefs, der wohl froh sein darf, dass er keine Karriere mehr vor sich hat.

Mit anderen Worten: Rin inne Brennnesselns, rut ausse Brennnesselns … da hat ihn wohl was gejuckt.

Hier noch ein guter Kommentar zu diesem Text.

Wo Müll als News-Produktion gilt … / GNU-License

Morbus Wirtschaftspresse

Schluchz … die oberen fünf Prozent der Gesellschaft bezahlen jetzt schon weit mehr als 120 % aller Einkommenssteuern. Und das nur, weil raffgierige rotgrüne Gutmenschen das Land regieren! … ??? … Ach, die regieren das Land doch gar nicht? Na, so was …

Anlass der satirischen Übertreibung: Gestern musste ich mal wieder gegen das blödsinnige Argument ankämpfen, dass doch die ‚Besserverdienenden‘ jetzt schon den Löwenanteil der Einkommenssteuer in diesem Land stemmen würden. Jedenfalls las das Schwarzwild, mit dem ich sprach, eindeutig zuviel Wirtschaftswoche und FAZ. Das genannte Faktum stimmt übrigens tatsächlich, aber eben nur wegen einer fiskalischen Namenstrickserei: Der weitaus größte Teil der Bevölkerung bezahlt nämlich seine Einkommenssteuer unter dem Etikett einer ‚Lohnsteuer‘. Die bringt dem Staat 150 Mrd. Euro ein (2012), die Einkommensteuer dagegen nur 37 Mrd. Euro. Wer’s nicht glaubt, hier der Link …

Flatulenzen

Sein Gedankengang war so schwer zu verfolgen wie ein Kommentarthread bei ‚Telepolis‘ …

Oberschicht ist Mittelmaß. Darüber wird’s erst interessant …

Wo nichts wirkt, war die Troika am Werk …

Bei Steuern wird sogar der Konservative innovativ …

‚Life’s a cabaret‘ soll Verfassungsschutzhymne werden …

Piraten wollen Markus Lanz statt Ponader …

Die ‚Herdprämie‘ geht bloß für Gucci drauf …

Heiteitei – Guttenberg ziert sich noch ein wenig …

Republikaner suchen Mitglieder mit Spanischkenntnissen …

Schröder nennt China eine ‚lupenreine Demokratie‘ …

Die ‚XXXIV. Guidelines of Conduct‘ machen Schweizer Banken jetzt noch ehrlicher …

Großes Lob!

Zumindest wenn der Plan verwirklicht wird, jene Lebensmittelampel, die der Unilever-Konzern statt für seine Produkte jetzt für die Bewertung seiner Mitarbeiter einsetzt, auch auf das Ministralgemüse im Reichstag anzuwenden. Hier ein erster Entwurf (die Personalabteilung übt noch, um den Betriebsfrieden zu wahren):

Für den rotgeblockten Ronald Pofalla hieße das Ergebnis beispielsweise, dass ihm jetzt Mentoringgespräche („Andere Betätigungsfelder sind doch auch nicht zu verachten!„) oder Weiterbildungsmaßnahmen angeboten würden („Haben Sie schon mal über einen Wechsel in den Back-Office-Bereich nachgedacht, vielleicht in ein Call-Center?„). Seinen Job würde dann der grüngemarkerte Dieter Bratzke übernehmen, allerdings kann der Mann ja auch nicht alles machen – und wer paniert dann die Schnitzel?

Reingefallen, Jan Fleischhauer!

Auch Sie haben also geglaubt, dass selbst ein Papst manchmal Pipi machen muss:

„Das eigentlich Erstaunliche an dem Vorgang ist, dass es jemand komisch findet, den Papst mit Urinfleck abzubilden.“

Pipi machen muss er aber gar nicht, er ist ja nur ein Fels, auf den ein Größerer baut. Und die ‚Titanic‘ wollte den Lesern nur zeigen, wie souverän und locker unser Wir-Papst damit umging, als er sich am Ostermorgen etwas Frühstücksei auf die Soutane gekleckert hatte. Ein zutiefst menschliches Ereignis, geradezu anrührend und wohl geeignet, der katholischen Kirche neue Proselyten zu schaffen.

Es sind daher nur Ihre Fantasien, Jan Fleischhauer, die Sie mit Ihrer Äußerung ins Licht der Öffentlichkeit rückten. Sie sind aber dabei in guter Gesellschaft. Ähnliche Einblicke gewährte uns der gesamte Vatikan, der in diesem harmlosen Bild ‚mal wieder nur das Eine‘ sah. Auch die minderen Ränge sollten sich an unserem zeigefrohen Papst ein Beispiel nehmen …

But even the president of the United States
Sometimes must have to stand naked

Bob Dylan

Verschwören für Anfänger

Zunächst einmal stellen Sie Verbindungen her, wo keine sind: Dieser Bericht käme von ‚Human Rights Watch‘? Aha, öhem! Also direkt aus den Propagandazentralen von CIA und NATO.

Diese angeblichen Gutmenschen von HRW, die bildeten ja nur die Außenstelle westlicher Terrorregimes, ihre Organisationen wurden eigens geschaffen, um arglosen Bürgern Sand in die Augen zu streuen. Beenden Sie Ihren Satz mit ‚Sapienti sat‘ oder etwas ähnlich Gehaltvollem. Der Nachweis von Bildung gibt in solcher Wirrnis Sicherheit und stärkt Ihre Position.

Machen Sie jetzt aus Schweinen nette Menschen: Der Assad sei ein ganz friedlicher Familienvater, der sich schon übergeben muss, wenn er das Wort ‚Folter‘ nur schreiben soll. Mindestens aber sei er so nett wie die Margot Honecker. Außerdem hätten ja auch die USA schon in Syrien foltern lassen, was erneut beweist, dass es in Syrien gar keine Folterkeller gibt.

Reißen Sie dann den Vorhang vor der unangenehmen Wahrheit weg: Die angeblichen ‚Folterkeller‘ der syrischen Geheimdienste, das seien in Wirklichkeit Krankenhäuser, Kindergärten, Streichelzoos und Hebammenschulen eines überaus fürsorglichen Regimes, das Tag und Nacht nur an das Wohl seiner Untertanen denkt. Die NATO würde diese segensreichen Einrichtungen mit Hilfe von HRW umdeklarieren wollen, um sie ungestrafter bombardieren zu können.

Jetzt ist es an der Zeit, den ganzen teuflischen Plan des Westens zu enthüllen: Die USA, Arm in Arm mit ihren türkischen Vasallen, wollen das nahöstliche Paradies dort in Syrien gewaltsam besetzen, um endlich eine Aufmarschbasis für den geplanten Überfall auf Venezuela zu haben. Oder war es Zimbabwe?

Was dieser Blödsinn soll? Dazu möge der geneigte Leser sich in die Kommentare unter dem SpOn-Artikel vertiefen – und er wird feststellen, dass ich kaum übertrieben habe. Erstaunlich finde ich auch dies: Je höher die Bildung, desto umfassender wuchert in den Köpfen die globale Verschwörungstheorie. Gerade weil sie so hanebüchen ist, vermute ich jetzt mal, gehört eine gewisse Intelligenz dazu, sie aufrecht zu erhalten …

Tucholsky irrt!

Seinen Artikel im ‚Berliner Tageblatt‘ mit der rhetorischen Frage ‚Was darf die Satire?‘ beendete Deutschlands größter Journalist 1919 mit der bekannten Antwort „Alles“. Das aber ist völliger Quatsch!

So darf uns Satire beispielsweise nicht langweilen. Sie soll auch nicht so lange mit allen Textsorten dieser Welt verstecken spielen, bis die Mitspieler es aufgeben, nach ihr zu suchen. Völlig humorbefreit darf sie natürlich auch nicht sein. Und, und, und …

Genau diese Fehler aber beging die Frankfurter Allgemeine Zeitung, die einen fälschlich als ‚Satire‘ deklarierten Zeilenfall, verfasst vom Volker Weidermann, als Knallfrosch in ihrem siebenjährigen redaktionellen Stellungskrieg nutzen wollte, weil sie mit einem alten Mann seit Radetzkis Zeiten noch ein paar Rechnungen offen hat.

Wir lernen daraus – die Gabe zur Ironie wird nicht jedem in die Wiege gelegt. Möchte trotzdem jemand in satirischer Absicht dieses problematische Stilmittel verwenden, dann trage er fürs harthörige Publikum immer etwas dicker auf, er verwische auch nie die Konturen zu anderen Genres, vor allem aber stelle er keine ganz und gar wahrheitswidrigen Behauptungen auf:

Dem Satiremagazin „Titanic“ ist es gelungen, ein Gedicht unter dem Namen „Günter Grass“ im Feuilleton der „Süddeutschen Zeitung“ zu platzieren.

An diesem Punkt wird wegen mangelnder Stilkunst aus der Ironie nämlich ironischerweise eine faustdicke Lüge – eine kleine rhetorische Frage dagegen wäre schon die rettende Sandbank gewesen. Derartige Faktizitätsverdrehungen wiederum ist das Publikum von seinem ‚Qualitätsjournalismus‘ nun doch noch nicht gewohnt. Vor allem dann nicht, wenn der Text unübersehbar nicht in der Glossenspalte steht, sondern mittenmang im Nachrichtenteil.

„Ob sich das jetzt die „Titanic“ oder Günter Grass ausdenkt, ist für mich kein großer Unterschied“, sagt patzig – und literaturgeschichtlich rundbesohlt – der Volker Weidermann zu seiner Rechtfertigung jetzt. Vermutlich war ja auch das Publikum zu doof, seine raffinierte Satire zu verstehen. Nun, da liegt es doch nahe, zu konstatieren, dass es für uns ebenfalls keinen großen Unterschied macht, ob sich einen solchen Text nun das Lieschen Müller oder der Volker Weidermann ausgedacht hat. So ist das eben mit den satirischen Wirkungen: Bist du nicht besser, fliegt der Dünnpfiff nur in deinen Ventilator.

Realsatire

Es gibt Dinge zwischen Himmel und Erde, Horatio, die sind poetologisch oder in der gewohnten Schriftform gar nicht zu toppen oder: Wofür sie besonders schwärmen, ist’s, alten Käse ewig aufzuwärmen. Und zwar in möglichst schlechter Sprache und ausgelutschtesten Kalauern – vielleicht aber redet man heute auch nur noch so daher: „Was wir am Ende gebrauchen, ist ein Wirtschaftssystemen, was nicht am Ende drei Stufen weniger, sondern Wohlstand vor alles stellt“. Ja, denn man tau, oder wer nichts wird, wird Volkswirt – blamiert haben sich da übrigens alle Parteien …

Via: Spiegelfechter

Übers(ch)etzung

Nachdem ich den Artikel 1 unseres Grundgesetzes („Die Würde des Menschen ist unantastbar“) einige Male durch den Wolf des Übersetzungsprogramms ‚Babelfisch‘ gedreht hatte (dt./frz./it./engl./port./frz./dt.), kam ich zu folgendem Resultat:

„Dieser Würde-sich-umwandeln-Mann ist unantastbar.“

Nur die Kopula sind dabei von mir. Um das Ergebnis fasslicher auszudrücken: „Bei uns sind Wendehälse sakrosankt„. Schon sehr realitätsnah, dies Programm!

Studiert Ökonomie!

Das Studium der Ökonomie bietet jungen, aufstrebenden Menschen eindeutige Vorteile, nicht nur materieller Natur. Hier die zehn wichtigsten Gründe:

1. Kein vernünftiger Mensch wird einen Astrologen wegen seiner Horoskope verklagen. Also wird dich für deine Prognosen auch niemand zur Rechenschaft ziehen.

2. Verglichen mit dir können die Navy Seals einpacken: Die Hand, die deine Waffen führt, bleibt immer unsichtbar.

3. Du musst auch nicht erwachsen werden: Ein Leben lang darfst du mit dem Besitz anderer Leute spielen.

4. Die Tugend trage ihren Lohn in sich, sagt der Pöbel. Für Auserwählte wie dich gilt: Der Lohn trägt seine Tugend in sich.
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